Nachhaltigkeit: Die Folgen des Klimawandels für den Weinbau
Extremwetterlagen wie Hitzeperioden gefährden die empfindlichen Schweizer Weinreben und die Nachhaltigkeit im Weinbau. Was bedeutet das für die Zukunft?

Das Wichtigste in Kürze
- Die Klimaerwärmung hat direkte Auswirkungen auf die Schweizer Weinproduktion.
- Schutzmassnahmen sind oft teuer und kostenintensiv.
- Neue Technologien und internationaler Wissensaustausch werden immer wichtiger.
In der Schweiz gibt es rund 15'000 Hektar Rebfläche. Die meisten Rebberge findet man in den Kantonen Wallis und Waadt. Dabei haben sich zwei Weinsorten über Jahre etabliert: Die Hälfte der Schweizer Weine sind Pinot Noir und Chasselas.
Doch werden wir diese Weine auch in Zukunft noch geniessen können? Eines ist klar: Die Weinbranche steht vor neuen Herausforderungen.
Der Klimawandel verändert den Weinbau
Der durch den Klimawandel verursachte Temperaturanstieg hat direkte Auswirkungen auf die Weinproduktion. Spürbare Temperaturanstiege sorgen dafür, dass sich die Traubenreife beschleunigt. Aus diesem Grund müssen Winzerinnen und Winzer ihre Trauben bereits früher als üblich ernten.
Durch die frühere Erntezeit steigt das Risiko von Spätfrösten, deren Auftreten sich zeitlich kaum verändert. Zudem setzen lang anhaltende Hitzeperioden den Reben zu. Reben sind dafür bekannt, mit ihren Pfahlwurzeln an tief liegende Wasserreserven im Boden zu gelangen. Bei anhaltender Hitze reicht dies jedoch oft nicht mehr aus, sodass die Reben aufwendig bewässert werden müssen.
Schutzmassnahmen sind teuer
Es gibt für Schweizer Weinbauern die Möglichkeit, sich für gewisse Naturereignisse zu schützen. Diese sind allerdings oft sehr kostenintensiv. Sowohl Bewässerungsanlagen als auch Frostschutzmassnahmen sind hilfreiche Mittel, aber neben den hohen Kosten sind sie auch sehr arbeitsaufwendig. In steilen Anbauflächen wird vieles noch von Hand gemacht und benötigt viel Zeit und Personal.

Gegen manche Bedrohungen ist es aber auch mit den besten Mitteln schwierig, sich zu schützen. Seit einiger Zeit hat sich der Japankäfer in der Schweiz ausgebreitet. Der Käfer aus Asien kann ganze Weinberge leerfressen und hat sich bereits in mehreren Kantonen eingenistet. Hat sich der Japankäfer einmal in den Rebbergen festgesetzt, kann man ihn nur noch von Hand von den Reben ablesen.
Schweizer Weinberge verändern sich
Das landwirtschaftliche Forschungszentrum Agroscope erwartet, dass sich die klimatischen Verhältnisse in der Schweiz bis zum Ende dieses Jahrhunderts deutlich verändern. Sie könnten dann ähnlich sein wie die heutigen Bedingungen im Südwesten Frankreichs.
Das bedeutet auch, dass es in Zukunft in der Schweiz voraussichtlich einige Rebsorten nicht mehr geben wird. Besonders früh reifende Sorten wie der Riesling-Sylvaner dürften es schwer haben. Auch für die meistangebaute Sorte Pinot Noir sind zu hohe Temperaturen suboptimal.

Weltweit verschiebt sich das Spektrum der Rebsorten. So war es früher beispielsweise in Grossbritannien kaum möglich, Schaumwein aus heimischen Trauben herzustellen. Inzwischen hat sich dies durch den Klimawandel verändert, sodass heute auch Sekt aus Grossbritannien in den Weinregalen zu finden ist.
Nachhaltigkeit: Eine App schafft Abhilfe
Um klimatische Veränderungen besser vorherzusagen, hat die Universität Genf gemeinsam mit Agroscope eine App für landwirtschaftliche Betriebe entwickelt. Sie zeigt auf, welche klimatischen Bedingungen Winzerinnen und Winzer in Zukunft in ihren Rebbergen erwarten müssen.

Dafür wurden sechs bioklimatische Kriterien definiert, darunter der Einfluss von Schädlingen, der Temperaturanstieg und das Niederschlagspotenzial. Neue Technologien und internationaler Wissensaustausch könnten in der Zukunft für die Weinbranche noch wichtiger werden.
Das bereitet Weinbauern zusätzlich Sorgen
Ein süffiger Weisswein zum Apéro und ein gutes Glas Rotwein zum Hauptgang gehören für immer mehr Menschen der Vergangenheit an. Der allgemeine Weinkonsum in der Schweiz ist seit mehreren Jahren rückläufig. Laut dem Bundesamt für Landwirtschaft sank der gesamte Weinkonsum im Jahr 2025 um 3,3 Prozent. Besonders deutlich war der Rückgang mit 5,5 Prozent beim Rotwein zu sehen.

Das Interessante daran ist, dass bei Schweizer Weinen im Jahr 2025 kein Abwärtstrend erkennbar war. Stattdessen wurde ein Wachstum von 2,3 Prozent verzeichnet, was für die Schweizer Weinbauern ein positives Ergebnis darstellt. Dennoch sollten sie sich auf diesen guten Zahlen nicht ausruhen. Der Rückgang der allgemeinen Nachfrage nach Wein sowie die klimatischen Veränderungen erfordern neue und innovative Ideen.















