Nachhaltigkeit: Darum geht es bei der Dekarbonisierung

Marcel Winter
Marcel Winter

Bern,

Das Ziel «Netto-Null bis 2050» verändert die Schweiz grundlegend. Doch was bedeutet dabei Dekarbonisierung und wo steht das Land heute?

Nachhaltigkeit
Die Dekarbonisierung ist ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit in der Schweiz. - Depositphotos

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schweiz will bis 2050 klimaneutral werden und steigt aus fossilen Energien aus.
  • Wärmepumpen, sauberer Strom und ein höheres Tempo entscheiden über den Erfolg.
  • Auch der Bund unterstützt Unternehmen und Privatpersonen zum Thema Nachhaltigkeit.

Was ist Dekarbonisierung? Der Begriff beschreibt den schrittweisen Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Öl und Gas.

Bis 2050 will die Schweiz unter dem Strich keine Treibhausgase mehr ausstossen. Dieses Netto-Null-Ziel soll für mehr Nachhaltigkeit sorgen.

Für die Schweiz hat der Klimaschutz eine besondere Dringlichkeit. Als Alpenland reagiert sie empfindlich auf steigende Temperaturen und schmelzende Gletscher.

Die Erwärmung fällt hierzulande deutlich stärker aus als im weltweiten Durchschnitt. Deshalb gilt die Dekarbonisierung als wichtiger Baustein für eine langfristige Nachhaltigkeit im Land.

Finden Sie die Dekarbonisierung gut?

Doch was heisst das nun konkret? Es geht vor allem darum, Energie künftig ohne fossile Brennstoffe bereitzustellen. Statt Ölheizungen kommen dann Wärmepumpen zum Einsatz, statt Benzinautos zunehmend Elektrofahrzeuge.

Elektroauto
Die Zahl produzierter Elektroautos steigt weiter nach oben. - Depositphotos

Dieser Umbau betrifft praktisch jeden Lebensbereich, vom Heizen über die Mobilität bis zur Produktion. Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit sollen so miteinander verbunden werden.

Nachhaltigkeit: So weit ist die Schweiz heute

Wie weit ist die Schweiz auf diesem Weg tatsächlich? Wie das Bundesamt für Umwelt in seinem Treibhausgasinventar von 2026 festhält, sank der Ausstoss bis 2024 um 27 Prozent gegenüber 1990.

Insgesamt verursachte die Schweiz rund 40 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente in einem einzigen Jahr. Der Fortschritt ist da, doch das Tempo reicht für die gesteckten Ziele noch nicht aus.

Solarenergie
Solarenergie und Wärmepumpenenergie ergänzen sich ideal. - Depositphotos

Besonders deutlich zeigt sich der Wandel im Gebäudebereich. Der Ausstoss der Gebäude lag 2024 rund 47 Prozent unter dem Wert von 1990.

Ein wichtiger Grund dafür ist der starke Anstieg beim Einbau von Wärmepumpen. Diese Technologie nutzt Umweltwärme aus Luft, Boden oder Wasser und arbeitet mit Strom. Wird dieser Strom erneuerbar erzeugt, ist der Betrieb praktisch klimaneutral.

Wärmepumpen und Verkehr und Industrie

Gerade bei den Wärmepumpen gibt es allerdings noch spürbaren Verbesserungsbedarf. Wie die ETH Zürich in einer Studie von 2025 zeigt, arbeiten viele Anlagen nicht optimal.

Demnach erfüllen 17 Prozent der Luft- und zwei Prozent der Erdwärmepumpen die Effizienzstandards nicht. Aber bereits jedes fünfte Gebäude in der Schweiz wird heute schon mit einer solchen Anlage beheizt. Eine bessere Einstellung der Geräte würde Strom sparen und die Nachhaltigkeit des Systems erhöhen.

Wärmepumpen
Noch nachhaltiger wird das Wohnen durch den Einbau von Wärmepumpen und Solaranlagen (Symbolbild). - Depositphotos

Neben Gebäuden stehen zwei weitere Bereiche im Fokus der Dekarbonisierung. Der Verkehr verursachte laut Bundesamt für Statistik 2024 mit Abstand die grössten Emissionen im Inland. Die Industrie wiederum kämpft mit Prozessen, die sich nur schwer vollständig elektrifizieren lassen. Für beide Bereiche braucht es neue Technologien, um erneuerbaren Strom besser nutzen zu können.

Sauberer Strom und die Massnahmen des Bundes

Damit rückt der Strom ins Zentrum der ganzen Debatte. Denn wer Heizungen, Autos und Fabriken elektrifiziert, benötigt deutlich mehr sauberen Strom als heute. Für die Nachhaltigkeit der Energiewende wird das noch eine schwere Herausforderung bis Netto-Null.

Nachhaltigkeit
Nachhaltigkeit: Immer mehr Gebäude besitzen Solarzellen auf den Dächern. - Depositphotos

Die Schweiz setzt deshalb auf Wasserkraft, Photovoltaik und eine engere Einbindung in den europäischen Strommarkt.

Um diese Ziele zu erreichen, setzt der Bund auf ein ganzes Bündel an Massnahmen. Seit Anfang 2025 gilt ein revidiertes CO2-Gesetz mit konkreten Vorgaben bis 2030. Es kombiniert Förderprogramme, Abgaben auf Brennstoffe und Anreize für erneuerbare Technologien.

Zwischenziel 2030 und der Nutzen für alle

Bis 2030 hat sich das Land zudem ein weiteres Zwischenziel gesetzt. Die Treibhausgasemissionen sollen dann mindestens 50 Prozent unter dem Niveau von 1990 liegen. Dieses Etappenziel gilt als anspruchsvoll und verlangt ein spürbar höheres Tempo.

Nachhaltigkeit
Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 reduziert werden. - Depositphotos

Für den eingeschlagenen Weg braucht es Geduld und Investitionen. Doch der Aufwand zahlt sich mit Blick auf Klima und Versorgungssicherheit langfristig aus.

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