Nachhaltigkeit: Diese Baumaterialien sind besonders gut
Fokus Nachhaltigkeit: Manche Baustoffe schonen das Klima weit mehr, als viele vermuten. Hier finden Sie einen Überblick über umweltfreundliche Baumaterialien.

Das Wichtigste in Kürze
- Nachhaltige Baustoffe gewinnen im Schweizer Bauwesen an Bedeutung.
- Holz, Lehm und neuer Beton zeigen, wie klimafreundliches Bauen gelingt.
- Regionale Verfügbarkeit, die Schadstofffreiheit und eine lange Lebensdauer sind wichtig.
Der Bausektor braucht in der Schweiz viele Rohstoffe und verursacht einen grossen Teil der klimaschädlichen Emissionen. Betrachtet man laut Bundesamt für Umwelt den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Infrastrukturen, fällt deren Belastung für Umwelt und Klima besonders ins Gewicht.
Dieser Lebenszyklus reicht von der Herstellung der Baustoffe über den eigentlichen Bau bis hin zum laufenden Betrieb. Insgesamt sind Gebäude und Infrastrukturen damit für rund die Hälfte des Rohstoffbedarfs, über 80 Prozent des Abfallaufkommens und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen, verantwortlich.
Wenn man jetzt jedoch nur den reinen Gebäudebetrieb – also Heizung und Warmwasser – in Betracht zieht, liegt der Anteil am gesamten Treibhausgasausstoss bei rund einem Viertel. Der Unterschied ergibt sich aus den «grauen Emissionen», die bei der Produktion der Baumaterialien entstehen.
Deshalb wird es immer wichtiger, geeignete Materialien beim Bau verwendet werden. Für viele private und öffentliche Bauherrschaften spielt Nachhaltigkeit inzwischen eine zentrale Rolle.
Wer heute baut oder saniert, achtet vermehrt auf Materialien mit einer überzeugenden Ökobilanz. Welche Baustoffe gelten in der Schweiz also als besonders zukunftsfähig?
Holz als Klassiker mit Zukunft
Holz gilt für ökologisches und ressourcenschonendes Bauen. Der Rohstoff wächst nach, bindet während des Wachstums Kohlenstoff und lässt sich später problemlos wiederverwerten. Die heimischen Wälder liefern Jahr für Jahr grosse Mengen Holz, das regional verarbeitet werden kann.

Das verkürzt die Transportwege spürbar und stärkt zugleich die lokale Wertschöpfung in den Regionen. Moderne Verfahren erlauben heute sogar mehrgeschossige Wohn- und Bürogebäude in reiner Holzbauweise. Brettsperrholz und Brettschichtholz ermöglichen tragende Konstruktionen, die früher allein dem Beton vorbehalten waren.
Auch die kurze Bauzeit dank Vorfertigung im Werk spricht klar für den Werkstoff. Der Bund unterstützt diese Entwicklung im Rahmen seiner Ressourcenpolitik Holz gezielt. Ziel ist es, klimagerechte Bauten zu fördern und einheimisches Holz stärker zu nutzen.
Die Forschung treibt diese Entwicklung mit konkreten Projekten weiter voran. Wie die ETH Zürich in einer Studie von 2024 schreibt, sollen Holz und Lehm das regenerative Bauen fest in der Praxis verankern.
Nachhaltigkeit: Lehm, Hanf und Stroh als natürliche Alternativen
Neben Holz gewinnen weitere Naturmaterialien in der Schweiz spürbar an Bedeutung. Lehm reguliert die Feuchtigkeit in Innenräumen und sorgt so für ein angenehmes Raumklima.
Er lässt sich mit sehr wenig Energie gewinnen und nach dem Gebrauch fast vollständig rückbauen. Auch Hanf und Stroh dienen als Dämmstoffe mit einer ausgesprochen überzeugenden Umweltbilanz.

Diese Pflanzen wachsen rasch nach und benötigen in der Verarbeitung nur wenig Energie. Für die Nachhaltigkeit eines Gebäudes ist gerade eine gute Dämmung ein entscheidender Faktor. Wer hier konsequent auf natürliche Stoffe setzt, senkt den ökologischen Fussabdruck deutlich.
Auch Naturstein und Kalk zählen zu den langlebigen und gut verträglichen Optionen. Gerade bei der Sanierung älterer Liegenschaften eröffnen solche Materialien interessante neue Möglichkeiten.
Beton neu gedacht
Beton bleibt im Schweizer Bauwesen vorerst unverzichtbar, gilt aber als ausgesprochen emissionsreich. Die Zementproduktion zählt weltweit zu den grössten einzelnen Quellen von CO2. Deshalb arbeiten Forschende mit Hochdruck an deutlich klimafreundlicheren Varianten des Baustoffs.

Wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt Empa in einer Studie von 2025 zeigt, könnte Beton selbst zum wertvollen Kohlenstoffspeicher werden. Demnach liessen sich jährlich fünf bis zehn Milliarden Tonnen Kohlenstoff als Betonzuschlagstoffe dauerhaft binden.
Ersetzt man die herkömmliche Gesteinskörnung teilweise durch Pflanzenkohle, sinkt die Klimabelastung erheblich. Solche Innovationen könnten die Nachhaltigkeit des meistgenutzten Baustoffs der Welt grundlegend verändern.
Auch der sogenannte Recyclingbeton spielt eine stetig wachsende Rolle. Er nutzt aufbereitetes Abbruchmaterial und schont dadurch die endlichen natürlichen Kiesvorkommen.
So schliesst sich der Materialkreislauf, der für ökologisches und ressourcenschonendes Bauen entscheidend ist. Dieser Gedanke des Kreislaufs prägt das nachhaltige Bauen der kommenden Jahrzehnte massgeblich.
Worauf Bauherren in der Schweiz achten sollten
Ein wirklich nachhaltiger Baustoff zeichnet sich durch mehrere zentrale Eigenschaften aus. Er sollte nachwachsen oder recycelbar sein und in der Herstellung möglichst wenig Energie verbrauchen. Ebenso wichtig sind die regionale Verfügbarkeit, die Schadstofffreiheit sowie eine lange Lebensdauer.

Zertifikate und anerkannte Labels helfen dabei, die Qualität einzelner Materialien besser einzuschätzen. Wer langfristig denkt, bezieht auch den späteren Rückbau frühzeitig in die Planung mit ein.















