Nachhaltigkeit: Das sind die nachhaltigsten Bauprojekte der Schweiz
Die Schweiz geht beim Bauen neue Wege. Diese reichen vom Holzhochhaus über Forschungslabore bis zum Recyclingbeton. Dabei steht Nachhaltigkeit ganz oben.

Das Wichtigste in Kürze
- Schweizer Bauprojekte setzen auf Holz, Forschung und neue Energiekonzepte.
- Wärmepumpen und natürliche Materialien senken Emissionen im Gebäudepark spürbar.
- Nachwachsende Baustoffe sind wichtig für die Nachhaltigkeit.
Die Schweiz gilt international als Vorreiterin im nachhaltigen Bauen. Zahlreiche Projekte zeigen, wie ökologische und soziale Ziele gemeinsam umgesetzt werden können.
Vom Holzhochhaus bis zum Forschungsgebäude entstehen überall innovative Konzepte. Sie verbinden Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft und neue Materialien miteinander.
Quartier Greencity
In Zürich Süd entsteht seit mehreren Jahren das Quartier Greencity. Es gilt als eines der ambitioniertesten städtebaulichen Projekte des Landes. Leichtbauwände, Holzfassaden und ein auf erneuerbare Energien ausgerichtetes Energiekonzept prägen die Bauten dort.
Ziel ist es, dem Netto-Null-Standard im Betrieb möglichst nahezukommen. Das Quartier kombiniert Wohnraum, Büroflächen und altersgerechte Angebote auf engem Raum. Damit zeigt sich, wie Nachhaltigkeit auf städtischer Ebene konkret aussehen kann. Auch die Wahl der Baustoffe spielt in solchen Projekten eine zentrale Rolle.
Areal Suurstoffi in Rotkreuz
Ein anderes Beispiel liefert das Areal Suurstoffi in Rotkreuz im Kanton Zug. Es wurde nach dem Prinzip der Zweitausend-Watt-Gesellschaft geplant und gebaut. Energieeffiziente Gebäude, kurze Wege und eine gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr stehen im Zentrum.
Die 2000-Watt-Gesellschaft ist ein an der ETH Zürich entwickeltes energiepolitisches Modell. Es fordert, dass der dauerhafte Energieverbrauch pro Kopf weltweit auf durchschnittlich 2000 Watt und der CO₂-Ausstoss auf maximal eine Tonne pro Person und Jahr gesenkt werden soll.

Die Mischnutzung aus Wohnen, Arbeiten und Bildung reduziert zusätzlichen Verkehr spürbar. Solche Areale gelten mittlerweile als Modellprojekte für künftige Schweizer Quartierentwicklungen. Sie zeigen, dass Planung und Alltagstauglichkeit sich nicht widersprechen müssen.
Forschungsgebäude NEST in Dübendorf
Ein weiteres prägendes Beispiel ist das Forschungsgebäude NEST in Dübendorf. Betrieben von der Empa und der Eawag dient es als lebendiges Versuchslabor für Nachhaltigkeit im Bauwesen.

Verschiedene Module testen dort neue Baustoffe, Energiesysteme und Wohnformen unter realen Bedingungen. Erkenntnisse aus dem Gebäude fliessen direkt in künftige Bauprojekte der Branche ein. So wird Forschung unmittelbar mit praktischer Anwendung verknüpft, was den Wissenstransfer beschleunigt.
Auch der Holzbau gewinnt in der Schweiz seit einigen Jahren deutlich an Bedeutung. In Winterthur etwa stehen markante Hochhäuser, die grösstenteils aus Holz gefertigt wurden. Holz speichert während des Wachstums Kohlenstoff und ersetzt energieintensive Materialien wie Beton oder Stahl.
Nachwachsende Baustoffe
Wie die ETH Zürich in einer Studie von 2024 schreibt, können nachwachsende Baustoffe wie Stroh oder Hanf die Treibhausgasemissionen bei Sanierungen deutlich senken.
Die Forschenden zeigen, dass klassische Dämmstoffe oft hohe CO2-Emissionen bei der Herstellung verursachen. Naturmaterialien binden hingegen Kohlenstoff über lange Zeit im Gebäude.

Energieeinsparung und Materialwahl müssen gemeinsam gedacht werden, sonst bleibt Der Effekt begrenzt.
Auch ausserhalb einzelner Neubauprojekte zeigt sich der Trend zu mehr Nachhaltigkeit deutlich. Wie das Bundesamt für Energie in einer Mitteilung von 2024 festhält, stieg die Nutzung von Umgebungswärme durch Wärmepumpen im Jahr 2023 um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Damit setzt sich ein langjähriger Trend zur Elektrifizierung der Wärmeversorgung weiter fort. Gleichzeitig sank der Verbrauch fossiler Energieträger wie Erdgas und Heizöl spürbar. Dieser Wandel betrifft längst nicht mehr nur Neubauten, sondern zunehmend auch den bestehenden Gebäudepark.
Nachhaltigkeit in Städten
Neben Energie und Material rückt zudem die soziale Dimension stärker in den Fokus. Genossenschaftliche Wohnprojekte verbinden bezahlbaren Wohnraum mit anspruchsvollen ökologischen Baustandards. In mehreren Schweizer Städten entstehen solche Siedlungen mit gemeinschaftlich genutzten Flächen und kurzen Wegen.
Sie zeigen, dass Nachhaltigkeit mehr umfasst als blosse Energieeffizienz allein. Soziale Durchmischung, Mitbestimmung und langfristige Bezahlbarkeit gehören ebenso dazu wie technische Standards.

Ein weiterer Baustein ist der Umgang mit bestehenden Baumaterialien selbst. Beim Rückbau alter Gebäude fallen grosse Mengen an Aushub- und Abbruchmaterial an.
Ein wachsender Teil davon wird heute aufbereitet und in neuen Bauprojekten wieder eingesetzt. Recyclingbeton etwa ersetzt zunehmend frisch abgebauten Kies in tragenden Bauteilen.
Solche Kreislaufansätze schonen natürliche Ressourcen und reduzieren den Importbedarf an Rohstoffen. Gleichzeitig sinkt dadurch der CO2-Fussabdruck einzelner Bauvorhaben über den gesamten Lebenszyklus hinweg.















