Nachhaltigkeit: Wie umweltschädlich sind ChatGPT und Co.?
Fast die halbe Schweiz tippt Fragen in einen Chatbot. Es ist schnell, bequem, alltäglich. Doch was kostet dieser Komfort wirklich – und wo landet die Rechnung?

Das Wichtigste in Kürze
- In der Schweiz verbreitet sich generative KI rasant und damit auch der Energiebedarf.
- Der grösste Teil des Fussabdrucks entsteht in Rechenzentren im Ausland.
- Die Nachfrage nach Hochleistungsprozessoren steigt kontinuierlich an.
Kaum eine Technologie hat sich so schnell durchgesetzt wie generative künstliche Intelligenz. Programme wie ChatGPT beantworten Fragen und fassen ganze Dokumente zusammen. Viele Nutzerinnen und Nutzer fragen sich, welche Spuren dieser Komfort in der Umwelt hinterlässt.
Zunächst lohnt sich ein Blick auf die Verbreitung. Wie die Universität Zürich in einer Studie von 2025 zeigt, ist der Anteil der Bevölkerung mit KI-Erfahrung stark gewachsen. Er stieg von 37 Prozent im Jahr 2023 auf 54 Prozent im Jahr 2024. Im Jahr 2025 waren es dann schon 73 Prozent.
So verhält es sich mit dem Stromverbrauch
Das einmalige Training eines grossen Sprachmodells verschlingt enorme Mengen an Energie. Danach kostet jede einzelne Anfrage zusätzlich Rechenleistung, was Fachleute als Inferenz bezeichnen. Eine Chatbot-Anfrage benötigt je nach Modell ein Vielfaches einer klassischen Suchanfrage. Hinzu kommen Wasser für die Kühlung der Server und Rohstoffe für die Hardware.
Das Training der grossen Modelle findet fast ausschliesslich im Ausland statt. Wer in Zürich oder Genf eine Frage eingibt, belastet also meist Rechenzentren in anderen Ländern. Der hiesige Strommix spielt für die einzelne Anfrage darum eine kleinere Rolle.

Eine Ausnahme bildet die öffentliche Forschung. Die ETH Zürich betreibt am nationalen Supercomputer-Zentrum in Lugano eine leistungsstarke KI-Anlage. Damit entsteht erstmals auch im Inland nennenswerte Rechenleistung für grosse Modelle.
Solche Anlagen verbrauchen zwar viel Strom, schaffen aber Unabhängigkeit von ausländischen Anbietern. Für die Nachhaltigkeit zählt deshalb nicht nur die Menge des Verbrauchs, sondern auch die Herkunft des Stroms. Wasserkraft und Solarenergie schneiden deutlich besser ab in der Öko-Bilanz als fossile Quellen.
Hochleistungsprozessoren werden immer gefragter
Beim Thema Nachhaltigkeit geht es jedoch nicht nur um Strom. Auch der Wasserverbrauch und die Herstellung der Chips fallen ins Gewicht. Die Produktion von Hochleistungsprozessoren ist rohstoffintensiv und erzeugt am Ende Elektroschrott. Wer KI nachhaltig betreiben will, muss deshalb den gesamten Lebensweg der Geräte betrachten.

Gleichzeitig wäre ein rein negatives Bild unfair. Dieselbe Technologie kann helfen, Stromnetze zu steuern oder Aläufe in der Industrie effizienter zu machen. Ob KI der Umwelt am Ende nützt oder schadet, hängt stark vom Einsatz ab.
Wer einfache Fragen mit einem Taschenrechner oder einer normalen Suche löst, spart Energie. Bei komplexen Aufgaben kann KI hingegen Zeit und Ressourcen sparen. Auch die Wahl von Anbietern mit transparenten Umweltangaben fördert die Nachhaltigkeit.
Nachhaltigkeit: Werkzeug mit Verantwortung
Der Energiehunger von KI ist real und wächst, doch die Schweiz steht im Vergleich relativ solide da. Verlässliche Zahlen fehlen aber häufig, und viele Betreiber legen ihre Daten nur ungern offen.

Mehr Transparenz wäre nötig, um den ökologischen Preis ehrlich beurteilen zu können. Bis dahin gilt: KI ist weder Klimaretterin noch Klimakillerin, sondern ein Werkzeug mit Verantwortung.















