Bildung: Mehr fürs Leben lernen: Diese Schulfächer fehlen noch
Steuern, Versicherungen und der Umgang mit Stress: Viele Jugendliche beschäftigen sich erst nach der Schule damit. Doch welche zusätzlichen Fächer wären gut?

Das Wichtigste in Kürze
- Viele junge Menschen sind auf das selbstständige Leben kaum vorbereitet.
- Finanzwissen, Gesundheit und Politik sollen mehr Platz erhalten.
- Zusätzliche Schulfächer stossen jedoch an zeitliche Grenzen.
Durch die Einführung des Lehrplans 21 hat sich die Schule in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt. Medien und Informatik sowie Wirtschaft, Arbeit, Haushalt sind mittlerweile in sämtlichen Deutschschweizer Kantonen Bestandteil des regulären Unterrichts.
Dennoch haben zahlreiche junge Erwachsene das Gefühl, auf ein eigenständiges Leben nicht ausreichend vorbereitet zu sein. Mit Steuerformularen, Mietverträgen oder Krankenkassenfragen beschäftigen sie sich häufig erst dann, wenn die ersten eigenen Rechnungen eintreffen.
Deshalb wünschen sich Eltern, Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler zunehmend mehr alltagsbezogene Inhalte im Unterricht.
Finanzwissen als Schutz vor Schulden
Ein besonders häufig genannter Wunsch ist eine bessere Vermittlung finanzieller Grundkenntnisse. Laut einer Erhebung des Bundesamtes für Statistik aus dem Jahr 2024 verfügten 2022 etwa 41 Prozent der Schweizer Bevölkerung über Schulden in irgendeiner Form. Rund 12 Prozent wohnten ausserdem in einem Haushalt, in dem mindestens eine Rechnung nicht fristgerecht bezahlt worden war.
Besonders häufig betrafen solche Zahlungsrückstände Steuern und Krankenkassenprämien. Beide Ausgaben gehören in der Schweiz zu den finanziellen Verpflichtungen, mit denen sich praktisch jeder Haushalt auseinandersetzen muss.

Spätestens mit dem ersten selbst verdienten Einkommen werden diese Themen auch für Jugendliche relevant. Ein Unterrichtsangebot zu Budgetplanung, Steuerpflicht, Versicherungen und Konsumkrediten könnte helfen, finanzielle Schwierigkeiten frühzeitig zu vermeiden.
Wer zum Beispiel die finanziellen Folgen eines Leasingvertrags kennt, wird eine entsprechende Verpflichtung später sorgfältiger prüfen, bevor er unterschreibt.
Bildung: Seelische Gesundheit im Unterricht stärken
Ein weiterer wichtiger Bereich ist die psychische Gesundheit junger Menschen. Das Schweizerische Gesundheitsobservatorium hielt 2024 fest, dass im Jahr 2022 ungefähr 16 Prozent der 15- bis 34-Jährigen mittelschwere oder schwere depressive Symptome aufwiesen.
Bei Menschen über 65 Jahren waren dagegen lediglich 4 Prozent betroffen. Die Zahlen verdeutlichen, dass gerade jüngere Altersgruppen besonders häufig unter psychischen Belastungen leiden. Diese können bereits während der Schulzeit auftreten.

Hinzu kommt, dass sich viele Betroffene erst spät Hilfe holen. Frühe Anzeichen psychischer Probleme werden oft nicht erkannt oder falsch eingeschätzt.
Ein entsprechendes Schulfach könnte Jugendlichen erklären, welche Ursachen Stress haben und welche Methoden bei der Bewältigung helfen. Darüber hinaus sollten sie erfahren, an welche Stellen sie sich in schwierigen Situationen wenden können und wie sie Freunde unterstützen, die sich in einer persönlichen Krise befinden.
Demokratie verstehen und mitgestalten
Die politische Mitbestimmung in der Schweiz stellt hohe Anforderungen an die Bevölkerung. Mehrmals jährlich stimmen die Stimmberechtigten über teilweise komplizierte Sachfragen auf kommunaler, kantonaler und nationaler Ebene ab.
Zwar berücksichtigt der Lehrplan 21 die politische Bildung bereits, doch erfolgt ihre Vermittlung überwiegend fachübergreifend. Eigene Unterrichtslektionen sind dafür meist nicht vorgesehen. Entsprechend unterschiedlich fällt der zeitliche Umfang aus, den einzelne Lehrpersonen diesem Bereich widmen.
Ein Unterrichtsangebot könnte Jugendlichen näherbringen, wie Volksinitiativen zustande kommen und welche Funktion ein Referendum erfüllt.
Bildung: Alltagskompetenzen gezielt vermitteln
Abseits dieser übergeordneten Bereiche gibt es zahlreiche praktische Fähigkeiten, die im Schulunterricht häufig wenig Beachtung finden. Dazu gehören grundlegende Erste-Hilfe-Massnahmen, kleinere Arbeiten und Reparaturen zu Hause, preisbewusstes Kochen sowie das Lesen und Verstehen von Arbeitsverträgen.
Traditionell wurden viele dieser Kenntnisse im familiären Umfeld vermittelt. Allerdings verfügen heute nicht alle Eltern über die notwendige Zeit oder das entsprechende Wissen, um ihren Kindern solche Fertigkeiten beizubringen.

Jugendliche könnten unabhängig von ihrem familiären Hintergrund wichtige Grundlagen für den späteren Alltag an der Schule erwerben. Das würde zugleich die Chancengleichheit verbessern.
Warum zusätzliche Fächer in der Bildung schwierig umzusetzen sind
Trotz der nachvollziehbaren Forderungen nach mehr lebenspraktischem Unterricht sind die zeitlichen Möglichkeiten der Schulen begrenzt.
Zusätzliche Fächer würden zwangsläufig Unterrichtszeit beanspruchen, die bislang für Mathematik, Fremdsprachen oder Naturwissenschaften zur Verfügung steht. Auch diese Bereiche sind für eine spätere Berufslehre oder den Besuch des Gymnasiums unverzichtbar.
Erschwerend kommt hinzu, dass die Zuständigkeit für die Volksschule bei den einzelnen Kantonen liegt. Einheitliche Regelungen für die gesamte Schweiz lassen sich dadurch nur schwer verwirklichen.














