Bildung: So hat sich das Bildungsniveau in der Schweiz verändert
In der Schweiz gibt es mittlerweile mehr Studienabschlüsse und weniger Lücken nach der Volksschule. Doch nicht alle Generationen profitieren im gleichen Mass.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Anteil mit Hochschulabschluss in der Schweiz hat sich seit 1996 verdreifacht.
- Bei den jüngeren Menschen gibt es kaum noch Unterschiede bei den Abschlüssen.
- Eltern sollten ihre Kindern entsprechend fördern.
Vor rund 30 Jahren hatte nur eine kleine Minderheit der Menschen ein Studium an einer Hochschule abgeschlossen. Aktuell sieht es ganz anders aus: Das Bildungsniveau der Bevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gestiegen.
Bildung: Hochschulabschlüsse werden häufiger
Wie die Zahlen des Bundesamts für Statistik zeigen, ist der Anteil der Personen mit Hochschulabschluss in den letzten Jahren stark gewachsen. Während 1996 knapp zehn Prozent der 25- bis 64-Jährigen über einen solchen Abschluss verfügten, waren es 2024 bereits 31,1 Prozent.
Trotz der wachsenden Bedeutung der Hochschulen bleibt die Berufslehre beliebt.
Wer eine Lehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis abschliesst und die Berufsmaturität erwirbt, kann grundsätzlich in einem verwandten Fachbereich ein Fachhochschulstudium aufnehmen. Je nach Studiengang gelten zusätzliche Zulassungsbedingungen.

Eine gute Bildung lässt verschiedene Übergänge und spätere Einstiege zu. Erwachsene können Abschlüsse nahholen, sich berufsbegleitend weiterbilden oder nach einigen Berufsjahren das Fachgebiet wechseln.
Frauen haben stark aufgeholt
Besonders deutlich zeigt sich der Wandel bei den Frauen, die in älteren Generationen deutlich seltener einen Tertiärabschluss erwarben.
Wie eine Studie der Berner Forscher Richard Nennstiel und Rolf Becker von 2023 zeigt, haben sie stark aufgeholt. Die beiden Wissenschaftler verglichen dafür die Abschlüsse von rund 556'000 in der Schweiz geborenen Personen mit jenen ihrer Eltern.

Bei den Jahrgängen 1951 bis 1955 hatten in der untersuchten Gruppe 40 Prozent der Männer einen Tertiärabschluss, aber nur 20 Prozent der Frauen. In den Jahrgängen 1986 bis 1990 lag der Anteil bei beiden Geschlechtern bei rund 50 Prozent.
Bildung: Mehr Aufstiege als Abstiege
Spannend ist ein Effekt, den die Berner Forscher in ihrer Untersuchung als sogenannten Deckeneffekt bezeichnen. Ihre Auswertung unterscheidet drei Bildungsstufen: Sekundarstufe I, Sekundarstufe II und Tertiärstufe. Haben Eltern bereits einen Tertiärabschluss, können ihre Kinder innerhalb dieser Einteilung keine höhere Stufe mehr erreichen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Kinder den konkreten Abschluss ihrer Eltern nicht übertreffen könnten. Ein Master nach dem Bachelor der Eltern gilt in dieser Auswertung beispielsweise als Verbleib auf derselben Bildungsstufe.
Die familiäre Herkunft bleibt für die Bildungschancen relevant, legt den späteren Abschluss aber nicht unveränderlich fest.
Im Alltag mehr qualifizierte Abgänger
Ein höheres Bildungsniveau verändert auch das Angebot an Qualifikationen auf dem Arbeitsmarkt. Unternehmen können auf einen grösseren Anteil formal gut ausgebildeter Menschen zurückgreifen. Daraus folgt allerdings nicht automatisch, dass für jede offene Stelle genügend passende Fachkräfte vorhanden sind.

Auch die Weiterbildung spielt eine wichtige Rolle, weil sich viele Berufsbilder verändern. Technische Neuerungen und die Digitalisierung können neue Kenntnisse und Fähigkeiten erforderlich machen. Ein Lehrabschluss oder ein Diplom bildet deshalb häufig die Grundlage für weitere Lernschritte im Berufsleben.
Für Eltern stellt sich damit oft die Frage nach dem richtigen Weg für ihre Kinder nach der Sekundarschule. Gymnasium und Lehre müssen dabei keine Gegensätze sein, da beide Wege später zu einem Tertiärabschluss führen können. Entscheidend sind die Interessen, Fähigkeiten und Ziele der Jugendlichen.














