Bildung: Sollte Hauswirtschaft Pflichtfach bleiben?
Früher gehörten Kochen, Budgetplanung und Wäschewaschen zur Hauswirtschaft. Heute trägt das Fach einen neuen Namen. Doch braucht es die Schule wirklich noch?

Das Wichtigste in Kürze
- Das Fach WAH verbindet Kochen mit Wissen über Konsum, Geld und Arbeitswelt.
- Jugendliche lernen, Mahlzeiten zuzubereiten und mit einem Budget umzugehen.
- Wie viel Unterrichtszeit dafür vorgesehen ist, bestimmen die Kantone.
Viele Erwachsene erinnern sich gerne an die Schulküche, wo sie zum ersten Mal Spaghetti gekocht haben. Mit der Einführung des Lehrplans 21 wurde das klassische Fach Hauswirtschaft in der Deutschschweiz inhaltlich erweitert.
Der entsprechende Fachbereich heisst im Lehrplan «Wirtschaft, Arbeit, Haushalt», kurz WAH, und ist auf der Sekundarstufe I angesiedelt. Neben dem Kochen gehören auch Konsum, Geld, Arbeitswelt und Nachhaltigkeit dazu. Die Jugendlichen sollen lernen, ihren Alltag zunehmend selbstständig und verantwortungsbewusst zu gestalten.

Die Planungsgrundlage des Lehrplans 21 sieht für WAH fünf Wochenlektionen vor, die auf die drei Oberstufenjahre verteilt werden. Gemeint sind also beispielsweise zwei Wochenlektionen in einem Schuljahr, zwei im nächsten und eine im letzten.
Was die Bildung im Fach WAH heute umfasst
Der Lehrplan gliedert WAH in fünf Kompetenzbereiche. Sie umfassen Produktions- und Arbeitswelten, Märkte und Geld, Konsum, Ernährung und Gesundheit sowie Haushalten und Zusammenleben.
Jugendliche lernen beispielsweise, Kaufentscheide kritisch zu prüfen und die Folgen ihres Konsums für Umwelt und Gesellschaft einzuschätzen. Auch das Planen und Zubereiten von Mahlzeiten bleibt Bestandteil des Fachs.

Im Kanton Zug können Jugendliche in der dritten Klasse der Sekundarstufe I zusätzlich das Wahlfach Hauswirtschaft besuchen. Es richtet sich unter anderem an Interessierte mit Berufsplänen in Gastronomie, Ernährung, Hauswirtschaft, Facility Management oder Lebensmitteltechnologie. Angesprochen sind aber auch Jugendliche, die gerne praktisch mit Lebensmitteln arbeiten oder ihr Wissen über Konsum vertiefen möchten.
Wie viel Platz bleibt für die Praxis?
Doch es stellt sich vermehrt die Frage, ob das Wissen auch in den wenigen Stunden übermittelt werden kann. Beim Kochen braucht es Zeit für Vorbereitung, Zubereitung, gemeinsames Essen und Aufräumen. Gleichzeitig sollen wirtschaftliche Zusammenhänge, Konsumentscheide und der Umgang mit Geld behandelt werden.

Der Kanton St. Gallen zum Beispiel hält dazu fest, dass rund die Hälfte der gesamten WAH-Unterrichtszeit für den Bereich Haushalt einschliesslich praktischer Nahrungszubereitung vorgesehen ist. Wie viele Lektionen in Halbklassen stattfinden, entscheidet der Schulträger vor Ort.
Wer eine Mahlzeit plant, kann gleichzeitig Preise vergleichen, ein Budget einhalten und Lebensmittelreste verwerten. Die Schulküche bietet somit Gelegenheit, mehrere Alltagskompetenzen gemeinsam zu üben.
Bildung: Finanzwissen als Argument für das Pflichtfach
Wie wichtig der Umgang mit Geld ist, zeigt auch eine politische Diskussion im Kanton Bern. Dort verlangte eine Motion von 2023 ein schulisches Programm zur Prävention von Überschuldung. Der Regierungsrat unterstützte das Anliegen grundsätzlich, verwies jedoch auf bereits bestehende Lehrplaninhalte und Angebote.

Auch Zürich möchte wirtschaftliche Themen im Klassenzimmer stärken. Das Projekt «Eusi Wirtschaft verstah – Wirtschaft im Klassenzimmer» richtet sich zunächst an die Mittelstufe der Primarschule.
Bestehende Angebote sollen für Lehrpersonen leichter zugänglich und besser mit dem Lehrplan verknüpft werden. Bezüge zur späteren Berufswahl und zum Fach WAH auf der Sekundarstufe werden dabei mitgedacht.
Welche Bildung brauchen Jugendliche für den Alltag?
Die Bedeutung von WAH hängt auch mit dem Bildungsauftrag der Volksschule zusammen. Jugendliche brauchen Kenntnisse für ihre weitere Ausbildung ebenso wie Fähigkeiten für das tägliche Leben.
Dazu gehören Entscheidungen über Einkäufe, Ernährung, Arbeit und die Organisation eines Haushalts. Ein gemeinsamer Unterricht kann dabei unterschiedliche Erfahrungen aus dem Elternhaus ergänzen. Die Schule bietet Raum, diese Kenntnisse aufzugreifen und weiterzuentwickeln.
Ein Fach mit Zukunft?
WAH verbindet Themen, die Jugendliche auch nach der Schulzeit begleiten. Ein Budget für die erste eigene Wohnung, die Planung günstiger Mahlzeiten oder der Vergleich verschiedener Kaufangebote sind mögliche Anwendungen. Auch digitale Zahlungsmittel und Ratenkäufe bieten Anknüpfungspunkte, um über Ausgaben und finanzielle Verpflichtungen nachzudenken.

Entscheidend ist, dass die Inhalte verständlich bleiben und sich praktisch erproben lassen. Ein Budget wird anschaulicher, wenn Jugendliche damit einen Einkauf planen. Wissen über Ernährung gewinnt an Bedeutung, wenn daraus eine selbst zubereitete Mahlzeit entsteht.














