Bildung: Lehrperson oder Fachpersonal – so entwickelt sich Schule
Die Schulen setzen zunehmend auf Teams aus Lehrpersonen, Assistenzen und Fachkräften. Sinkende Schülerzahlen könnten den Lehrermangel künftig verstärken.

Das Wichtigste in Kürze
- Immer mehr Fachkräfte in der Schweiz unterstützen Lehrpersonen.
- Bis 2034 dürfte die Zahl der Primarschulkinder schweizweit um rund 52'000 sinken.
- Die Hauptverantwortung bleibt bei den Lehrpersonen.
Wir haben es alle so gelernt: Eine Lehrperson unterrichtet eine Klasse und trägt die Verantwortung für sämtliche Abläufe im Klassenzimmer. Inzwischen hat sich dieses traditionelle Modell an zahlreichen Schulen gewandelt.
Neben der Klassenlehrperson gehören heute vielerorts schulische Heilpädagoginnen, Klassenassistenzen, Fachkräfte, sowie Mitarbeitende der Schulsozialarbeit zum Schulalltag.
Hinter dieser Entwicklung steht vor allem die integrative Schule. Ihr Ziel ist es, Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf möglichst gemeinsam mit anderen Kindern in Regelklassen zu unterrichten. Schulen arbeiten immer häufiger mit Teams, in denen verschiedene Berufsgruppen zusammenwirken.
Welche Aufgaben Assistenzen übernehmen dürfen
In zahlreichen Kantonen hat insbesondere die Beschäftigung von Klassen- und Schulassistenzen zugenommen. Für diese Tätigkeiten wird häufig keine pädagogische Ausbildung vorausgesetzt.
Die Mitarbeitenden kümmern sich um einzelne Schülerinnen und Schüler, unterstützen kleinere Lerngruppen bei Übungen oder übernehmen praktische Aufgaben, während die Lehrperson die gesamte Klasse unterrichtet.

Ihre Funktion besteht demnach darin, Lehrpersonen zu entlasten und bei der Betreuung der Kinder mitzuwirken. An der eigentlichen Unterrichtsgestaltung sind sie hingegen nicht unmittelbar beteiligt. Da ihnen die entsprechende Lehrerausbildung fehlt, dürfen sie weder Klassen- noch Fachlehrpersonen ersetzen.
Bildung: Bringen sinkende Schülerzahlen Entlastung?
In den vergangenen Jahren herrschte vielerorts ein Mangel an qualifizierten Lehrkräften. Verschiedene Kantone reagierten darauf, indem sie auch Menschen ohne Lehrdiplom unterrichten liessen. Inzwischen zeichnet sich jedoch eine Veränderung ab. Ausschlaggebend dafür ist insbesondere der deutliche Rückgang der Geburtenzahlen in der Schweiz seit 2022.
Gemäss den aktuellen Prognosen des Bundesamts für Statistik dürfte die Zahl der Primarschülerinnen und Primarschüler ab 2027 landesweit merklich zurückgehen. Für den Zeitraum von 2025 bis 2034 erwartet das BFS einen Rückgang um etwa sieben Prozent.

Das entspricht rund 52'000 Kindern weniger. Noch stärker verändert sich der jährliche Bedarf an neu einzustellenden Primarlehrpersonen: Dieser dürfte innerhalb derselben Zeitspanne um 40 Prozent sinken. Von dieser Entwicklung sind sämtliche Kantone betroffen.
Nach Einschätzung des BFS könnten ab 2032 in fast allen Schweizer Regionen genügend neu diplomierte Lehrpersonen zur Verfügung stehen, um den Bedarf zu decken. Anders präsentiert sich die Situation auf der Sekundarstufe eins. Dort steigen die Schülerzahlen zunächst noch mehrere Jahre, ehe gegen Ende des Jahrzehnts eine Stabilisierung erwartet wird.
Lehrdiplom bleibt entscheidend
Die absehbare Entlastung wirkt sich bereits auf die Personalplanung in einzelnen Kantonen aus und beeinflusst damit auch den Schulbetrieb. So hat Zürich die Sonderregelung für Lehrkräfte ohne Diplom beendet.

Wer dort ohne Lehrdiplom unterrichten möchte, muss inzwischen zumindest ein Studium an einer Pädagogischen Hochschule aufgenommen haben. In anderen Kantonen bleiben die bisherigen Regelungen vorläufig bestehen. Dort können Personen weiterhin unterrichten und gleichzeitig eine berufsbegleitende Nachqualifikation absolvieren.
Wie sich die Schulen künftig entwickeln
Eine vollständige Rückkehr zum früheren Schulmodell mit ausschliesslich einer Lehrperson pro Klasse erscheint eher wahrscheinlich. Denn selbst bei rückläufigen Schülerzahlen bleiben die Herausforderungen im Unterricht vielfältig.

Stattdessen dürfte sich eine Zusammenarbeit etablieren, bei der die Lehrperson die Leitung übernimmt, für den Unterricht zuständig ist und den Einsatz weiterer Fachkräfte abstimmt.
Diese unterstützen mit eindeutig definierten Aufgaben, fördern einzelne Kinder entsprechend ihren Bedürfnissen und sorgen für Entlastung im anspruchsvollen Schulalltag.














