Stadt Bern

    «Die Band ist ein Abenteuer – aber ein schönes!»

    Peter Widmer
    Peter Widmer

    Bern,

    Musikstudierende, Profis und Amateure bilden die Berner Monday Night Rehearsal Band (MNRB). Der BärnerBär hat die Gründer und den Bandleader besucht.

    Die 18-köpfige Berner Monday Night Rehearsal Band (MNRB).
    Die 18-köpfige Berner Monday Night Rehearsal Band (MNRB). - zVg

    2017 gegründet, probt und spielt die 18-köpfige Berner Monday Night Rehearsal Band (MNRB) seither mit unveränderter Begeisterung. Sie vereinigt Musikstudenten, Professionals sowie Amateure auf Topniveau in klassischer Big Band-Besetzung.

    Der BärnerBär hat die beiden Gründer und den Bandleader vor ihrer Probe im Gymnasium Kirchenfeld besucht.

    Die Gründer

    Heinz Wolf: In jungen Jahren klassische Ausbildung am Konservatorium Bern, 2017 Diplom als Semi Professional an der Swiss Jazz School. Hat über viele Jahre als Sideman in zahlreichen Projekten der Berner Bandszene mitgewirkt, von Funk über Salsa bis Rock und Pop. Seit über 30 Jahren auch im Big Band Jazz zu Hause: Take Off BB, Uptown BB, BB Thun.

    Felix Hochuli: 1978 Lehrdiplom klassische Gitarre, 1988 Diplom Schulmusik II auf gymnasialer Stufe, 1990 Beginn mit Trompetenspiel. Seither Mitwirkung in verschiedenen Bands und Big Bands.

    BärnerBär: Wie kam es 2017 zur Gründung der MNRB?

    Heinz Wolf: Felix Hochuli und ich musizierten zusammen in einer Big Band in Thun. Aus internen Gründen verliessen wir die Band und ich konnte Felix einige Zeit danach für die Idee begeistern, eine eigene Band mit «handverlesenen» Musikerinnen und Musikern zu gründen.

    Im Frühjahr 2017 war die Zeit reif, es drängte mich «etwas zu unternehmen». Bei einem Mittagessen im Restaurant Ambassador im Kirchenfeld traf ich mich mit Felix und wir konkretisierten die Idee.

    Heinz Wolf.
    Heinz Wolf. - Daniel Zaugg

    Während eines halben Jahres setzten wir uns mit vielen Musikerinnen und Musikern in Verbindung, wobei wir darauf achteten, dass sie auch menschlich in eine Formation passen werden. Nach den Sommerferien 2017 war es dann so weit und wir konnten im Dachstock des Gymers Kirchenfeld mit 18 Leuten die erste Probe abhalten!

    Als Bandleader engagierten wir Matthias Kohler, der bereits die Band in Thun leitete. Zu Beginn hatten wir noch einige Wechsel, weil nicht alle mit dem schnellen Aufwärts-Tempo der Band mithalten konnten.

    Seit einigen Jahren sind wir als Verein organisiert, damit es weitergeht, wenn Felix und ich dereinst nicht mehr dabei sind.

    BärnerBär: Der Name ist zwar treffend, aber nicht gerade einfach zu memorisieren …

    Wolf: Der Montag ist der einzige freie Abend, der es allen Bandmitgliedern ermöglicht, den Proben beizuwohnen. Den Namen «Übungsband» haben wir deshalb bewusst gewählt.

    Wir sehen uns selbst als «Labor», das unterschiedlichen Menschen die Möglichkeit bietet, gemeinsam in der Welt des Jazz ein Repertoire zu erarbeiten.

    BärnerBär: Warum waren Sie nicht gleich auch Bandleader?

    Wolf: Weil Felix und ich nach wie vor leidenschaftliche Trompeter sind und das auch bleiben möchten!

    BärnerBär: Sie nehmen bewusst Abstand vom herkömmlichen Big Band Sound. Weshalb?

    Wolf: Es gibt eine stattliche Anzahl Bands, welche die Swing-Epoche der 1930er- und 1940er-Jahre von Glenn Miller, Duke Ellington, Quincy Jones, Count Basie usw. abdecken.

    Wir haben uns auf die Fahne geschrieben, fast ausschliesslich zeitgenössische Kompositionen zu spielen, also von noch lebenden Komponisten und Komponistinnen. Hie und da intonieren wir auch sogenannte klassische Big Band-Literatur, zum Beispiel aus den 1950er-Jahren.

    Hörst du gerne Big-Band-Musik?

    BärnerBär: Wie setzt sich die Band zusammen: Alter, Profis, Amateure?

    Wolf: Unser ältester Solist, der Pianist, ist 74-jährig, und die jüngsten Mitglieder bewegen sich zwischen 30 und 32 Jahren.

    Felix Hochuli: Wir haben sieben Professionals, welche von der Musik leben. Aber sämtliche Bandmitglieder haben eine Musikausbildung.

    BärnerBär: In der Band spielen zurzeit nur drei Frauen mit. Ist es schwierig, Frauen zu rekrutieren?

    Hochuli: Es liegt wohl an den Instrumenten. Es gibt nicht viele Frauen, die Blechinstrumente spielen. Bei den Saxophonen, die als Holzblasinstrumente gelten, siehts etwas besser aus. Dafür haben wir – erstaunlicherweise – eine Frau am Schlagzeug!

    Felix Hochuli.
    Felix Hochuli. - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Welches sind derzeit die grössten Herausforderungen?

    Wolf: Das ist die permanente Erarbeitung eines neuen Repertoires. In «normalen» Jahren bestreiten wir etwa zwei Konzerte, aber 2027 werden wir im Rahmen unseres 10-Jahr-Jubiläums vier bis fünf Auftritte bewältigen, was auch eine Herausforderung darstellt. Die Band ist für uns alle ein permanentes Abenteuer – aber ein schönes!

    BärnerBär: Verraten Sie uns etwas zum bevorstehenden Konzert vom 6. November in der Mahogany Hall?

    Hochuli: Mit dem Jazz-Violonisten Simon Heggendorn als Gast haben wir ein eher ungewohntes Jazz-Instrument. Wir werden am 6. November auch Kompositionen von Simon Heggendorn spielen, ebenso von einer dänischen Komponistin, welche schon mit dem Swiss Jazz Orchestra aufgetreten ist.

    Wolf: Es ist bei uns Tradition, bei den Mahogany-Konzerten Gastsolistinnen und -solisten zu verpflichten.

    Der Bandleader

    Matt Stämpfli: Engagiert sich als musikalischer und künstlerischer Leiter in verschiedenen Formationen: Matt Stämpfli Big Band, Monday Night Rehearsal Band, Concert Band of SWISS International Airlines, Lucerne Concert Band.

    Nebst der Tätigkeit als Bandleader und Trompeter coacht Matt Stämpfli Orchester, Bands und Dirigenten von der Probearbeit als kreativer Prozess über die Programmgestaltung bis hin zur wirkungsvollen Live Performance.

    Matt Stämpfli.
    Matt Stämpfli. - Daniel Zaugg

    BärnerBär: Sie engagieren sich in verschiedenen Klangkörpern. Wodurch unterscheidet sich die MNRB von den anderen, von Ihnen geleiteten Bands?

    Matt Stämpfli: Die Monday Night Rehearsal Band probt zweiwöchentlich, andere Bands sehe ich wöchentlich.

    Bei der MNRB finden sich völlig unterschiedliche Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Berufen und Lebensgeschichten zusammen und begeistern sich für die von der Band vor Jahren festgelegte Literatur – das ist aussergewöhnlich und spannend. Stilistisch unterscheidet sich die MNRB auch von den anderen Bands, die ich leiten darf.

    BärnerBär: In der MNRB spielen sowohl Profis als auch Amateure. Spüren Sie das in der Leitung?

    Stämpfli: Nein, weil Profis und Amateure eine gewisse musikalische Grundqualität mitbringen, die erforderlich ist, um überhaupt mitmachen zu können. Der Anspruch an sich selbst ist bei allen Bandmitgliedern hoch. Die MNRB erlebe ich als sehr zuverlässig, was die Zusammenarbeit angenehm macht.

    INFO

    Freitag, 6. November 2026, 20.30 Uhr Konzert in der Mahogany

    Hall, Bern

    Die Monday Night Rehearsal Band konnte für dieses Konzert als Gastsolist Simon Heggendorn gewinnen. Mit seinem virtuosen Geigenspiel verbindet er Klassik, Jazz und improvisierte Musik. Er arbeitete u. a. mit namhaften Künstlern wie Stephan Eicher, Michael Zisman, Joe Haider, Nik Bärtsch zusammen. Seit 2018 doziert er an der Lucerne Academy of Applied Sciences and Arts (HSLU) das Fach Jazzvioline.

    BärnerBär: Wer legt das Repertoire fest?

    Stämpfli: Wir haben eine sogenannte Repertoiregruppe, welche das Programm jährlich festlegt. Das hängt auch von den jeweiligen Special Guests ab. Wir sammeln die Literatur, hören uns alles an und bestimmen gemeinsam, war wir interpretieren wollen.

    BärnerBär: Gibt es eine besondere Herausforderung bei der Leitung der MNRB?

    Stämpfli: Wir haben nicht vier Trompeten oder Saxophone, die gleich tönen. Das kann eine Herausforderung sein, aber es ist zugleich spannend, die verschiedenen Charaktere der Spielenden zu erkennen und in den Vordergrund zu stellen.

    BärnerBär: Sie stehen stets barfuss auf der Bühne …

    Stämpfli: Ich nehme die Musik barfuss unmittelbarer wahr als mit Schuhen. Ich bin so näher bei den Leuten. Als ausgebildeter Barfuss-Coach begleite ich zudem Menschen beispielsweise bei Fussbeschwerden oder beim Wunsch, die Füsse zu stärken und die Beweglichkeit und Lauftechnik weiterzuentwickeln.

    Mehr zum Thema:

    Kommentare

    Weiterlesen

    Natacha in ihrem Studio an der Münstergasse in Bern.
    «Bärndütsch»-Serie
    Buskers Bern
    11 Interaktionen
    Tausende dabei
    AERO festival
    1 Interaktionen
    Besucherrekord!

    MEHR AUS STADT BERN

    hadj
    Gruss an FCZ-Fans
    «Nach 68 Jahren den Familienbetrieb aufzugeben, ist hart»
    Ende nach 68 Jahren
    Die Bilder zum Maroni-Plausch!
    Die Bilder
    rüedu
    60 Interaktionen
    Pleite vor Monaten