Bäckerei Lanz: «Nach 68 Jahren Familienbetrieb aufzugeben, ist hart»
Baustellen und ausbleibende Kundschaft setzen der Bäckerei Lanz in Köniz BE zu. Inhaber Michael Lanz (38) muss den Familienbetrieb Ende 2026 schliessen.

Michael Lanz (38) ist mit der Bäckerei seiner Grosseltern und später seines Vaters aufgewachsen. Vor sechs Jahren hat er sie übernommen. Nun muss er den Familienbetrieb in Köniz BE Ende 2026 schliessen.
Als Hauptgrund nennt er die Baustellen, die monatelange Umfahrungen auf der Schwarzenburgstrasse erforderlich machten und zu erheblichen Umsatzeinbussen führten.
Im Interview spricht er über ausbleibende Kundschaft, gesundheitliche Probleme und die Frage, wie es für ihn nach der Schliessung der Bäckerei Lanz weitergeht.
BärnerBär: Michael Lanz, wie geht es Ihnen?
Michael Lanz: Nicht so gut. Nach 68 Jahren den Familienbetrieb aufzugeben, den meine Grosseltern und mein Vater aufgebaut haben, ist hart. Auch die Ungewissheit, wie es weitergeht, belastet mich. Körperlich bin ich am Anschlag. Letzten Monat landete ich wegen einer Thrombose im Spital. Nun stehe ich bereits wieder im Laden.
Im Verkauf fehlt uns längerfristig jemand, und das Geld für einen Ersatz ist nicht vorhanden. Deshalb arbeite ich von Montag bis Freitag von 5.30 bis 19 Uhr und am Samstag bis 14 Uhr hinter der Theke. Das Büro kommt im Moment zu kurz.

BärnerBär: Was sind die Gründe für die Schliessung?
Lanz: In erster Linie die Baustellen vor dem Laden. Zudem wird es immer schwieriger, gelernte Bäckerinnen und Bäcker sowie gutes Ladenpersonal zu finden, insbesondere in der Produktion. Auch meine gesundheitliche Verfassung spielt eine Rolle.
BärnerBär: Inwiefern haben die Baustellen Einfluss auf das Geschäft?
Lanz: Die Laufkundschaft mit dem Auto bleibt aus, aber auch die Velofahrer meiden mehrheitlich die Baustellen. Handwerker, die vorher bei uns ihr Znüni gekauft haben, müssen auf eine andere Strecke ausweichen. Nach dem Ende der Bauarbeiten kehrt leider nicht einfach wieder Alltag ein. Wer einmal ein halbes Jahr auf einem anderen Weg zur Arbeit fährt, sein Gipfeli anderswo kauft, kehrt nicht automatisch zurück.
BärnerBär: Glauben Sie, dass es die Bäckerei Lanz ohne diese Baustellen 2027 noch geben würde?
Lanz: Ja.
BärnerBär: Haben Sie während der Bauarbeiten versucht, gemeinsam mit der Gemeinde Köniz oder den Verantwortlichen Lösungen zu finden?
Lanz: Natürlich habe ich mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen. Meine Mails wurden teilweise gar nicht oder erst sehr spät beantwortet. Mit einem Gemeinderat habe ich mich in dessen Büro getroffen. Ich hätte mir gewünscht, dass sich die Verantwortlichen selbst vor Ort ein Bild von der Situation machen.
Mir wurden lediglich ein paar zusätzliche Aufträge in Aussicht gestellt. Diese hätten aber bei Weitem nicht ausgereicht, um meine massiven Umsatzeinbussen aufzufangen. Seit dem Entscheid, die Bäckerei zu schliessen, habe ich nichts mehr von der Gemeinde gehört. Das ist schade, weil sie eigentlich die KMU fördern will.
BärnerBär: Wie geht es am Standort an der Schwarzenburgstrasse 105 im Liebefeld weiter?
Lanz: Für das Bistro und den Laden haben wir eine Nachfolgelösung gefunden. Beide werden weitergeführt. Die Produktion wird per Ende Jahr eingestellt. Für die mobile Bäckerei – einen ausgebauten Märitwagen – suchen wir noch einen Abnehmer.
BärnerBär: Wie erleben Sie den Kontakt mit der Kundschaft seit der Ankündigung der Schliessung?
Lanz: Den Leuten begegne ich weiterhin immer motiviert. Sie können ja nichts dafür. Ich bin froh um alle, die etwas kaufen oder eine grössere Bestellung aufgeben – gerade auch jetzt, in den letzten zwei Monaten. Die Stammkunden reagierten natürlich erschrocken und traurig, auch für sie bedeutet unsere Schliessung einen Abschied. Teilweise haben wir sogar noch neue Kunden dazugewonnen. Darüber freue ich mich natürlich. Gleichzeitig frage ich mich aber auch: Wo waren die vorher?
BärnerBär: Was bedeutet dieser Moment für Sie persönlich, nach so vielen Jahren den Betrieb aufgeben zu müssen?
Lanz: Es ist sehr hart. Ich bin hier aufgewachsen und war nach der Schule immer im Laden. Sechs Jahre lang habe ich das Geschäft geführt, und nun geht es so schnell bachab. Klar fragt man sich auch, was man falsch gemacht hat. Aber ich kann mir eigentlich nichts vorwerfen.
Mit der mobilen Bäckerei haben wir vor anderthalb Jahren noch einmal etwas Neues gewagt. Wir wollten zu den Kunden gehen, wenn sie nicht zu uns kommen. Das hat nach anfänglichen Schwierigkeiten sehr gut funktioniert. Doch wenn dir dann das Hauptstandbein abgesägt wird ...
BärnerBär: Wie war der Moment, als Sie Ihre Mitarbeitenden informieren mussten?
Lanz: Das war sehr emotional. Alle hatten zwar bereits gemerkt, dass es nicht gut läuft und etwas im Busch ist. Trotzdem war es für mich sehr hart, und es hat uns alle stark mitgenommen. Einige von ihnen arbeiten seit vielen Jahren bei uns.
BärnerBär: Sind die Löhne der Angestellten gesichert?
Lanz: Dass ich meine Angestellten bezahlen kann, ist für mich das Wichtigste. Dafür muss ich andere Rechnungen – immer in Rücksprache mit den Lieferanten – und den eigenen Lohn zurückstellen.

BärnerBär: Wie geht es für Sie und Ihre Angestellten beruflich weiter?
Lanz: Die meisten meiner rund 15 Angestellten haben inzwischen eine Anschlusslösung gefunden. Wie es bei mir weitergeht? Keine Ahnung. Mir fehlen im Moment die Zeit und die Kraft, wirklich zu suchen. Und da sind ja auch noch meine Frau und meine Tochter, die ebenfalls Zeit brauchen. Meine Frau arbeitet weiterhin in ihrem angestammten Beruf als Ernährungsberaterin. Als gelernter Koch hoffe ich, mit den Kompetenzen, die ich mir in den letzten Jahren erarbeitet habe, ebenfalls wieder etwas zu finden.
BärnerBär: Wenn Sie heute auf die 68 Jahre der Bäckerei Lanz zurückblicken: Was möchten Sie Ihren langjährigen Kundinnen und Kunden zum Abschied noch mitgeben?
Lanz: Ich möchte mich bei allen bedanken, die uns so toll unterstützt haben sowie für die vielen guten Gespräche und Begegnungen.
Stellungnahme der Gemeinde Köniz
Die Gemeinde Köniz bedauert, dass die Bäckerei Lanz ihre Produktion nach 68 Jahren einstellen muss. Für Michael Lanz, seine Familie und die Mitarbeitenden ist dies ein einschneidender Schritt. Der traditionsreiche Familienbetrieb gehört für viele Menschen im Liebefeld zum Alltag.
Bei den Bauarbeiten ging es um die Umgestaltung der Bushaltestellen in hindernisfreie Haltestellen. Es war wie üblich unser Ziel, die Einschränkungen möglichst gering zu halten und die betroffenen Betriebe frühzeitig und laufend zu informieren. Die Bäckerei blieb während der Arbeiten erreichbar; die Strasse war durchgehend in einer Fahrtrichtung befahrbar. Einschränkungen durch Baustellen können den Betrieb eines Geschäfts erschweren, weshalb wir stets bemüht sind, diese im Rahmen unserer Möglichkeiten so weit wie möglich zu reduzieren.
Wir nehmen die von Michael Lanz geschilderten Belastungen ernst. Welchen Anteil die Bauarbeiten an der Schliessung haben, können wir als Gemeinde nicht abschliessend beurteilen. Der Gemeinde ist es wichtig, dass lokale Unternehmen gute Bedingungen vorfinden und bei Anliegen Unterstützung erhalten.
Der zuständige Gemeinderat und die Verantwortliche für Wirtschaftsförderung waren deshalb mit Michael Lanz in Kontakt. Dazu gehörten ein Besuch vor Ort und Gespräche über mögliche Unterstützung. Ebenso waren die Projekt- und die Bauleitung vor Ort im wiederholten Austausch mit Michael Lanz. Er hätte sich in dieser schwierigen Situation mehr Unterstützung und raschere Rückmeldungen gewünscht. Wir bedauern, dass bei ihm trotz des mehrfachen Kontakts dieser Eindruck entstanden ist.












