Bildung: Das sind die Alternativen zum Kurzzeitgymnasium
Die Aufnahmeprüfung ans Kurzzeitgymnasium gilt als grosse Hürde. Doch wer sie nicht schafft oder nicht will, hat weit mehr Möglichkeiten, als viele denken.

Das Wichtigste in Kürze
- BMS, FMS und HMS führen ebenfalls zur Maturität und an eine Hochschule.
- Je nach Recherche gibt es verschiedene Bildungswege zur Auswahl.
- Mit der Passerelle steht sogar der Weg an die Universität offen.
Für Eltern mit Kinder ist es jedes Mal ein Kampf. Klappt der Übertritt ans Gymnasium oder nicht? Für manche Jugendliche scheint an diesem Entscheid die ganze Zukunft zu hängen, entsprechend gross ist der Druck.
Die Aufnahmebedingungen unterscheiden sich je nach Kanton. So ist in Zürich der Eintritt ins Kurzzeitgymnasium beispielsweise nach der zweiten oder dritten Sekundarklasse möglich.
Das Schweizer Bildungssystem ist bewusst durchlässig aufgebaut und bietet mehrere Wege zu einem anerkannten Abschluss. Berufsmaturitätsschule, Fachmittelschule und Handelsmittelschule haben jeweils ein eigenes Profil und sprechen unterschiedliche Talente und Interessen an.
Bildung: Die Maturität
In der Schweiz gibt es drei Arten der Maturität: die gymnasiale Maturität, die Berufsmaturität und die Fachmaturität. Alle drei berechtigen zum Studium an einer Hochschule, allerdings an unterschiedlichen Hochschultypen und teilweise nur für bestimmte Studiengänge.

Aus einer Auswertung des Bundesamts für Statistik vom Juni 2026 geht folgendes vor: rund 42 Prozent der untersuchten Jugendlichen bis zum 25. Lebensjahr erhielten die Maturität. Selbst innerhalb einzelner Kantone wie Bern oder Zürich variieren die Werte je nach Gemeinde zwischen unter 20 und rund 60 Prozent.
Berufsmaturitätsschule: Lehre und Maturität verbinden
Die Berufsmaturitätsschule (BMS) richtet sich an Jugendliche und Erwachsene, die eine drei- oder vierjährige Berufslehre mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis absolvieren oder bereits abgeschlossen haben.
Die Berufsmaturität kann entweder lehrbegleitend erworben oder nach dem Lehrabschluss in einem separaten Lehrgang nachgeholt werden. In der Regel dauert dieser Lehrgang ein Jahr in Vollzeit bzw. eineinhalb bis zweieinhalb Jahre in Teilzeit.

Zur Wahl stehen fünf Ausrichtungen, von Technik über Wirtschaft bis zu Gesundheit und Soziales sowie Gestaltung und Kunst. Der grosse Vorteil liegt in der Kombination aus praktischer Berufsausbildung und erweiterter Allgemeinbildung.
Fachmittelschule: Fokus auf Gesundheit, Soziales und Pädagogik
Die Fachmittelschule (FMS) ist eine dreijährige Vollzeitschule, die an die obligatorische Schulzeit anschliesst. Neben einer breiten Allgemeinbildung legt sie den Schwerpunkt auf ein bestimmtes Berufsfeld, beispielsweise Gesundheit, Soziale Arbeit oder Pädagogik.
Je nach Kanton können weitere Bereiche wie Kommunikation und Information, Gestaltung und Kunst oder Musik und Theater hinzukommen. Das Angebot ist also nicht überall gleich.

Nach drei Jahren erhalten die Schülerinnen und Schüler den Fachmittelschulausweis. Dieser ermöglicht den Zugang zu bestimmten Bildungsgängen an höheren Fachschulen, wobei zusätzliche Aufnahmebedingungen gelten können.
Wer danach weitergehen möchte, kann in der Regel in einem zusätzlichen Jahr die schweizweit anerkannte Fachmaturität erwerben. Je nach Berufsfeld gehören dazu Praktika, zusätzliche Unterrichtseinheiten oder andere ergänzende Leistungen sowie eine Fachmaturitätsarbeit.
Die Fachmaturität eröffnet den Zugang zu passenden Fachhochschulstudiengängen, teilweise mit zusätzlichen Eignungsabklärungen. Die Fachmaturität Pädagogik ermöglicht den direkten Zugang zur Ausbildung für die Primarstufe einschliesslich Kindergarten an einer Pädagogischen Hochschule. Für die Ausbildung zur Lehrperson auf der Sekundarstufe I reicht sie allein hingegen nicht aus.
Handelsmittelschule: Schulbank und kaufmännische Praxis
Die Handelsmittelschule, kurz HMS, eignet sich für Jugendliche, die sich für Wirtschaft interessieren und eine schulisch organisierte Berufsausbildung bevorzugen. Das verbreitete Ausbildungsmodell umfasst drei Jahre Unterricht an der Schule und anschliessend ein Praxisjahr in einem Unternehmen.

Am Ende stehen gleich zwei Abschlüsse: das eidgenössische Fähigkeitszeugnis als Kauffrau oder Kaufmann sowie die Berufsmaturität in der Ausrichtung Wirtschaft und Dienstleistungen, Typ Wirtschaft. Damit ist grundsätzlich der prüfungsfreie Zugang zu einem fachlich passenden Fachhochschulstudium möglich, beispielsweise in Betriebsökonomie.
Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die Informatikmittelschule. Sie verbindet Schule und Praxis und führt zum Fähigkeitszeugnis als Informatikerin oder Informatiker sowie zur Berufsmaturität.
Mit der Passerelle doch noch an die Universität
Wer eine Berufs- oder Fachmaturität hat und später an eine Universität oder ETH möchte, kann die Passerelle absolvieren. Dabei handelt es sich um eine Ergänzungsprüfung, auf die man sich in der Regel vorbereitet.
Das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation organisiert zweimal jährlich zentrale Prüfungssessionen. Daneben bieten ermächtigte Schulen eigene Prüfungen an.

Geprüft werden die erste Landessprache, die zweite Landessprache oder Englisch sowie Mathematik, Naturwissenschaften und Geistes- und Sozialwissenschaften.
Wer die Prüfung besteht, erfüllt zusammen mit der Berufs- oder Fachmaturität die allgemeinen Zulassungsvoraussetzungen für Universitäten und Pädagogische Hochschulen in der Schweiz. Die besonderen Zulassungsbedingungen einzelner Studiengänge, etwa beim Medizinstudium, bleiben bestehen.
Auch Erwachsene können die gymnasiale Maturität nachholen. Möglich sind entsprechende Schulen oder die Schweizerische Maturitätsprüfung, für die man sich auch selbstständig vorbereiten kann.
So finden Jugendliche den passenden Weg
Bei der Entscheidung zwischen Gymnasium, BMS, FMS und HMS spielen nicht nur die Noten, sondern auch die Interessen, die bevorzugten Lernformen und die beruflichen Ziele eine Rolle.
Wer gerne praktisch arbeitet , für den ist eine Lehre mit Berufsmaturität die richtige Wahl. Jugendliche, die sich für Gesundheit, Soziales oder Unterricht interessieren, finden an der Fachmittelschule ein passendes und gut strukturiertes Umfeld.














