Bildung im Alter – Chancen für Körper und Geist
Bildung endet nicht mit der Pensionierung. Erfahren Sie, warum es sich lohnt, auch im höheren Alter neugierig zu bleiben und Neues zu lernen.

Das Wichtigste in Kürze
- Wer im höheren Alter Neues lernt, stärkt sein Geist nachhaltig.
- Geistige und körperliche Aktivität im Alter fördert Lebensfreude und die soziale Teilhabe.
- Freiwilliges Engagement bietet Senioren die Möglichkeit, Neues zu lernen.
«Use it or lose it» – zu Deutsch «Nutze es oder verliere es» – ist eine bekannte Redewendung in der Neurowissenschaft. Gemeint ist die erstaunliche Fähigkeit unseres Gehirns, sich bis ins hohe Alter zu verändern und Neues zu lernen. Wer seinen Geist fordert, stärkt ihn. Wer ihn vernachlässigt, riskiert, dass Fähigkeiten nach und nach verloren gehen.
Bildung endet deshalb nicht mit der Pensionierung, sondern kann gerade dann neue Türen öffnen. Das Ziel muss nicht primär der Wissenserwerb sein, sondern im Vordergrund soll die geistige Aktivität und Lebensfreude stehen. Wer in sein Pensionsalter kommt, kann noch eine Menge lernen – und das lohnt sich.
Bildung kennt kein Alter
Doch sind Körper und Geist auch dazu in der Lage, im Alter noch Neues zu lernen? Die Antwort der Wissenschaft lautet eindeutig «Ja». Studien haben gezeigt, dass Menschen, die sich im Alter körperlich und geistig fit halten, langfristig davon profitieren. Es stimmt zwar, dass ältere Menschen nicht ganz so schnell Neues lernen, doch das sollte niemanden davon abhalten, sich weiterzubilden.

Geistiges und körperliches Lernen zusammen können dabei helfen, das Risiko einer Alzheimer-Erkrankung zu verringern. Wer zudem auf Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol oder chronische Überlastung verzichtet, kann den Alterungsprozess zusätzlich positiv beeinflussen.
Viel Zeit, um Neues zu lernen
Speziell in der Phase der Pensionierung haben Pensionierte viel Freizeit und können neue Interessen entdecken. Zum Beispiel Sprachkurse, Computerkurse oder Engagement in Vereinen und Organisationen.
Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts WEMF für Werbemedienforschung von 2025 nutzen 79,8 Prozent der Schweizer Pensionierten ab 65 Jahren das Internet. Diese Zahl zeigt, dass Pensionierte gerne Neues lernen und neue Fähigkeiten erwerben. Viele wuchsen noch ohne Internet auf und mussten sich das Wissen selbst aneignen.
Das Forschungs- und Entwicklungsprojekt «Bildung 65+» der Fachhochschule Nordwestschweiz bestätigt, dass Pensionierte gerne Neues lernen. Deshalb wurden die Bildungsangebote für Personen ab 65 Jahren untersucht. Mit den Ergebnissen sollen Empfehlungen für Verbesserungen der Angebote erarbeitet werden.

Bildungsangebote für Pensionierte
Für Pensionäre gibt es mehrere Anlaufstellen. Die Schweizer Volkshochschulen, Pro Senectute und Seniorenuniversitäten gehören zu den grössten Anbietern von Bildungsangeboten.
An der Universität Bern können Personen ab 60 Jahren eine Mitgliedschaft für 80 Franken erwerben. Sie erhalten damit Zugang zu Exkursionen, Seminaren und Museumsbesuchen. Das Angebot stösst auf reges Interesse.
Zusätzlich gibt es auch Kurse, die Pensionierte auf die Pensionierung vorbereiten. So erarbeitet beispielsweise die Bildung Bern mit ihren Kursteilnehmenden konkrete Ziele und Pläne für die Pensionierung.
Neben klassischen Kursen und Mitgliedschaften spielt freiwilliges Engagement eine grosse Rolle. Viele Pensionierte engagieren sich in Vereinen, Nachbarschaften oder gemeinnützigen Projekten. Die Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft hat in ihrer Studie «Freiwilligen-Monitor 2025» herausgefunden, dass Menschen nach dem Pensionsalter am meisten Freiwilligenarbeit leisten: 63 Prozent der 65- bis 74-Jährigen engagieren sich.

Dieses Engagement ist nicht nur gesellschaftlich wertvoll, sondern fördert auch Kommunikation, Teamarbeit und Problemlösefähigkeiten. Wer sich einbringt, lernt ständig Neues und bleibt aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt.
Bildung sollte Spass machen
Das Gehirn erreicht schon im Alter von 25 Jahren den Höhepunkt seiner Leistungskraft. Mit dem vielen Wissen, das wir im Laufe des Lebens sammeln, kann unsere kurzfristige Aufnahmefähigkeit in manchen Situationen etwas abnehmen. Auch die Neurowissenschaften bestätigen, dass der Geist in dieser Lebensphase manchmal weniger flexibel ist.
Deshalb ist es wichtig zu verstehen, dass unser Denken im Alter oft mehr Zeit benötigt. Um Frust zu vermeiden, ist es sinnvoll, beim Lernen auf Bekanntes aufzubauen. Wer eine neue Sprache lernen möchte, fährt beispielsweise besser, wenn er eine weitere europäische Sprache wählt. Statt gleich Arabisch zu lernen, ist es sinnvoll, zunächst auf eine verwandte Sprache zu setzen.
Das Wichtigste ist, dass einem das Lernen Freude bereiten und dass man auch im höheren Alter offen für Neues ist. Das führt zu mehr Lebensfreude und stärkt das Selbstbewusstsein.











