Markus Ritter

    Markus Ritter: Bin ich ein richtiger Biobauer?

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    Rheintal,

    In der neuesten Kolumne spricht Markus Ritter über seinen Ruf und den Biolandbau. Ritter erklärt, wo Wunschdenken nicht mit der Realität übereinstimmt.

    markus ritter
    Markus Ritter, Präsident des Bauernverbands. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Markus Ritter ist gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.
    • Auf Nau.ch schreibt der Mitte-Nationalrat regelmässig Kolumnen.
    • Heute schreibt Ritter über die biologische Landwirtschaft.

    Wir bewirtschaften unseren Milchbetrieb am Hang in Richtung Stoss in Altstätten SG seit Jahrzehnten gemäss den Richtlinien von «Bio Suisse». Der Dachverband «Bio Suisse» ist ein Zusammenschluss von Organisationen der biologischen Landwirtschaft in der Schweiz.

    Trotzdem lese ich in Kommentaren oder Leserbriefen immer wieder, ich sei kein «richtiger» oder ausreichend überzeugter Biobauer. Das ist Unsinn. Denn: Ich stehe zu hundert Prozent dahinter. Doch die Welt ist komplexer.

    85 Prozent kaufen konventionelle Lebensmittel

    Deshalb setze ich mich genauso überzeugt auch für alle anderen Produktionsrichtungen – und speziell die konventionelle Landwirtschaft ein. Der wichtigste Grund: Nicht jede Schweizerin und nicht jeder Schweizer kauft «Bio». Im Gegenteil: Rund 85 Prozent des Absatzes entfallen auf konventionelle Lebensmittel.

    Kaufst du Bio ein?

    Mich stört, dass man das den Landwirtschaftsbetrieben zum Vorwurf macht. Tatsache ist: Wer konventionell kauft, bestellt konventionell. Und solange die Nachfrage fehlt, können wir den Biolandbau nicht beliebig ausbauen.

    Bio hat seinen berechtigten Preis

    Biologische Landwirtschaft geht mit zusätzlichen Auflagen und Einschränkungen einher. Diese erhöhen die Produktionskosten für die Landwirtschaftsbetriebe und reduzieren das Ertragspotential im Pflanzenbau.

    Ein Beispiel: Bei uns in der Milchproduktion soll das Futter möglichst vom eigenen Betrieb sein. Und es muss zu hundert Prozent aus einheimischer Knospenproduktion stammen.

    Praktisch täglicher Weidegang ist ebenfalls vorgeschrieben. Das kostet, ist aber mit einem entsprechenden Milchpreis machbar und wirtschaftlich.

    Entsprechend ist der Biolandbau im Berggebiet, wo wir vor allem Raufutterverzehrer halten, sehr verbreitet. Auch mein Betrieb befindet sich im Berggebiet.

    Grenzen im Pflanzenbau

    Anders sieht es im Mittelland auf Betrieben mit Ackerbau, Gemüse, Obstbau oder Beeren aus.

    Im Pflanzenbau stellen Krankheiten, Schädlinge und auch Unkräuter enorme Herausforderungen dar. Je nach Wetter und Befallsdruck drohen Qualitätsverluste bis hin zu Totalausfällen, wenn keine wirksamen Behandlungsmöglichkeiten vorhanden sind.

    Monilia-Krankheit.
    Die bei Kirschen oft auftretende Monilia-Krankheit. - zvg

    In einigen Fällen gibt es gute biologische Mittel, alternative Methoden oder resistente Sorten, die auch konventionelle Betriebe nutzen.

    Teilweise fehlen solche Lösungen jedoch vollständig. Oder sie wirken nicht immer. Deshalb gibt es gewisse einheimische Lebensmittel kaum in Bio-Qualität.

    Ein Schädling: Der Kartoffelkäfer.
    Ein Schädling: Der Kartoffelkäfer. - zvg

    Ein Beispiel ist Raps: Bei ungünstigen Wetterbedingungen können Schadinsekten die Ernte nahezu vollständig zerstören, weil wirksame biologische Mittel fehlen. Das Risiko ist entsprechend hoch, weshalb kaum ein Biobetrieb Raps anbaut. Um rentabel zu sein, müsste man Rapsöl sozusagen als flüssiges Gold verkaufen.

    Zum Schluss: Wir sollten so viel Bio produzieren, wie wir verkaufen können.

    Ergänzend dazu hat die konventionelle Landwirtschaft eine hohe Bedeutung. Diese Realität zu akzeptieren, hilft dem gegenseitigen Verständnis. Und Verständnis schadet nie.

    Markus Ritter Bauern Fleisch
    Markus Ritter ist Bauernpräsident und Nationalrat. Er schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. - zvg

    Zum Autor:

    Markus Ritter (58) ist Nationalrat (Die Mitte) und gewählter Präsident des Schweizer Bauernverbandes.

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    Kommentare

    User #3177 (nicht angemeldet)

    Ja,ja, wer erinnert sich noch an die Coop-Werbung :„Mir si der Bio und Sofie“

    User #6292 (nicht angemeldet)

    Er wäre ein sehr guter Bundesrat

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