700’000 Franken Umsatz weg: Farmy-Aus trifft Bio-Bauern hart!
Das Online-Startup Farmy ist pleite. Der Kollaps des Bio-Online-Markts trifft nicht nur Kunden, sondern bringt Bio-Bauern in Existenznot.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Bio-Onlineshop Farmy stellt seinen Betrieb ein – nach finanziellen Problemen.
- Farmy lieferte regionale und biologische Produkte direkt vom Bauernhof.
- Für die Lieferanten ist das ein harter Schlag – und führt zu hohen finanziellen Verlusten.
Fast zwölf Jahre lang liess das Startup Farmy Bio-Herzen höherschlagen. Der Online-Lebensmittelhändler hatte sich einen Namen gemacht mit einem klaren Versprechen: Regionale, biologische Produkte direkt vom Bauernhof – frisch an die Haustür geliefert.
Doch jetzt ist abrupt Schluss. Hinter der einst so innovativen Idee stehen offenbar schon länger massive finanzielle Probleme.
Der Bio-Traum ist somit endgültig ausgeträumt.
Wer jetzt die Website aufruft, liest nur noch: «Wir haben unseren Betrieb eingestellt.»
Weiter heisst es: «Schweren Herzens verabschieden wir uns von euch, geschätzte Kundinnen und Kunden.» Die Kundschaft sei das «zentrale Element der visionären Geschäftsidee» gewesen.
Für viele ist das Aus ein harter Schlag. Nicht nur für Kundinnen und Kunden, sondern vor allem auch für die Produzenten, die auf Farmy gesetzt haben.
Besonders bitter trifft es einen Familienbetrieb aus dem Aargau.
700’000 Franken Umsatz – jetzt ein Scherbenhaufen
Die Familie Kyburz aus Lupfig AG steht plötzlich vor einem wirtschaftlichen Desaster.
Seit 80 Jahren ist der Familienbetrieb im Vieh- und Fleischhandel tätig.
Der Name Kyburz steht für Fleisch auf höchstem Niveau: Mit Labels wie Qualitätsmanagement Schweizer Fleisch, IP-Suisse und Bio Suisse.
Das nachhaltige Versprechen zieht sich durch das gesamte Sortiment: «Edle Stücke, Nose to Tail, Würste, Charcuterie und Convenience vom Rind, vom Schwein, Geflügel, Wild und vom Lamm.» So wird das Angebot auf der Website des Familienbetriebs angepriesen.

Über Jahre war Farmy ein zentraler Vertriebskanal für das Unternehmen. Inhaber und Geschäftsführer Hansruedi Kyburz sagt zu Nau.ch: «Für unsere Bio-Metzgerei «Bio-Logisch» war Farmy ein wichtiger Vertriebspartner im Online-Bereich. Der Jahresumsatz lag bei rund 700'000 Franken.»
Offene Forderungen im fünfstelligen Bereich
Jetzt ist dieser Absatzkanal weg – und die Folgen sind dramatisch. «Aktuell gehen wir davon aus, dass wir einen hohen fünfstelligen Betrag an offenen Forderungen verlieren werden. Zusätzlich haben wir bereits produzierte und vorbereitete Ware an Lager, welche nun kurzfristig anderweitig vermarktet werden muss.»
Die Konsequenz: Hochwertige Fleischprodukte liegen plötzlich auf Lager, während die Vermarktung ungewiss ist. Für den Familienbetrieb ist das ein bitterer Einschnitt.

Kyburz blickt dennoch nach vorne: «Wir sehen im Direktvertrieb und im Onlinehandel weiterhin grosses Potenzial. Wir versuchen nun, einen Teil des Umsatzrückgangs über unseren eigenen Onlineshop Meat4you zu kompensieren und den direkten Kontakt zu unseren Kunden weiter auszubauen.»
Nebst dem Schock bleibt Bedauern, auch für andere kleinere Betriebe: «Grundsätzlich bedauern wir die Entwicklung sehr, da Farmy in den vergangenen Jahren für viele Schweizer Produzenten und kleinere Betriebe ein wichtiger Partner war.»
«Lieferungen rückläufig»
Weniger überraschend kam das Farmy-Ende für die Biofarm Huttwil BE. Präsident Hans-Ulrich Held erklärt gegenüber Nau.ch: «Unsere Lieferungen waren schon seit längerer Zeit rückläufig.» Das Betriebsende habe sich abgezeichnet.
Der Präsident beruhigt aber: «Es bestehen zurzeit keine existenzbedrohenden Engpässe.» Die Situation müsse auf jeden Fall weiterhin beobachtet werden.
Die Höhe des Schadens? «Dies können wir noch nicht abschliessend beantworten», so Held.
Herausforderung für kleinere Produzenten
Doch auch er warnt: «Grundsätzlich zeigt der Fall, dass Abhängigkeiten in Lieferketten und Absatzkanälen für kleinere Produzenten Herausforderungen mit sich bringen können.»
Die Lehre daraus ist klar: Breite Abstützung statt einseitiger Abhängigkeit.
Vom Startup selbst erhielt Nau.ch bis zum Redaktionsschluss keine Rückmeldung. In einer standardisierten E-Mail an die Kundschaft schreibt Farmy: «Rückerstattungen, Guthaben, Gutscheine sowie Pfand- und Leergutthemen werden momentan intern geprüft. Da die Situation erst Ende letzter Woche eingetreten ist, erhalten wir voraussichtlich im Verlauf dieser Woche genauere Informationen zum weiteren Vorgehen.»
















