Ski-Legende: Deshalb ist Österreich nicht mehr Nummer 1
Ski-Legende Hermann Maier sieht in Österreichs Formtief die Nachwuchsbreite als Grund. Lobende Worte findet der einstige Dominator für Marco Odermatt.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut Hermann Maier schmälert sich in Österreich die Nachwuchsbasis – viele würden den Aufwand nicht voll auf sich nehmen.
- Dadurch nehme die Dichte an späteren Champions ab, so die Legende.
- Bei Marco Odermatt beeindruckt Maier vor allem die Konstanz.
Am Wochenende geht in Sölden die neue Weltcup-Saison los. Nach zuletzt schwierigen Jahren kriegen die Österreicher beim Riesenslalom auf heimischem Boden eine gute Chance, neue Hoffnung zu schöpfen.
Gerade in den Speed-Disziplinen hat die Schweiz Österreich längst den Rang abgelaufen. Anders war das noch zu Zeiten des grossen Hermann Maier (53). Der «Herminator» selbst fuhr zwischen 1998 und 2004 sieben Speed-Kristallkugeln ein. Dazu gesellten sich vier Gesamtweltcupsiege.
Im Interview mit «Eurosport» wurde der einstige Dominator nun darauf angesprochen, was sich in seiner stolzen Ski-Nation ändern muss.
Maier: «Wenn man nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann …»
«Ich glaube, dass es heute viele Dinge gibt, die angenehmer sind, als seine gesamte Zeit dem Skisport zu widmen», antwortet Hermann. «Der Aufwand ist enorm, gerade für Kinder und ihre Familien. Da lasse ich den finanziellen Aspekt noch völlig aussen vor.»
Er sei überzeugt, dass nicht mehr jeder diesen Aufwand mitmachen wolle, sagt der 54-fache Weltcupsieger. «Dadurch wird die Nachwuchsbasis kleiner. Früher hatte man einen riesigen Topf und konnte diejenigen herausfiltern, die sich durchgesetzt haben.»

In Österreich müsse man sich nun «viel intensiver um den Nachwuchs kümmern. Wenn man nicht mehr aus dem Vollen schöpfen kann, nimmt automatisch auch die Dichte ab.»
Die Folge: «Das spiegelt sich irgendwann auch in den Leistungen wider.»
Maier: Odermatt «bereit, an seine Grenzen zu gehen»
Deutlich weniger Grund zur Sorge hatten in den letzten Jahren die Schweizer. Angeführt vom überragenden Marco Odermatt sammelte das Swiss-Ski-Team viele Siege, Kristallkugeln und Medaillen.
Angesprochen auf Marco Odermatt (29) sagt Hermann, dass ihn vor allem dessen Konstanz beeindrucke: «In verschiedenen Disziplinen ganz vorne zu sein, zeichnet einen Siegfahrer aus. Man merkt bei Odermatt nach wie vor den Ehrgeiz, gewinnen und sich immer weiter verbessern zu wollen.»

In den schnellen Disziplinen habe Odermatt zudem viel Mut. «Speziell im Super-G, wo er bei gewissen Schwüngen immer wieder bereit ist, an seine Grenzen zu gehen.»
Mit Blick auf das Schweizer Team gefällt Hermann auch die Gruppendynamik «und dieses Kumpelhafte».
Zwei Riesenslaloms in Sölden
Wie sich die Schweizer und Österreicher zum Saisonauftakt schlagen, stellt sich am Sonntag heraus. Der erste Riesenslalom-Lauf in Sölden startet um 10 Uhr, der zweite um 13 Uhr.
Schon am Samstag stehen die Frauen im Einsatz. Ihre beiden Riesenslalom-Läufe finden um dieselbe Uhrzeit statt.
















