Marlen Reusser führt: «BH-Zoff» an der Tour de France der Frauen
Marlen Reusser liegt in Führung! Rund um die Tour de France der Frauen sorgt aber auch eine Diskussion um die BHs für Wirbel.

Das Wichtigste in Kürze
- An der Tour de France der Frauen wird über die BHs diskutiert.
- Eigentlich ist die «Brustverkleidung» verboten.
- Einige Teams beschweren sich nun, weil Athletinnen die Funks zusätzlich vergrössern.
- Die Kontrollen wurden verschärft. Es gibt aber zu wenige Frauen, die kontrollieren können.
Marlen Reusser geht heute im Gelben Trikot in die 5. Etappe der Tour de France. Ihr Vorsprung auf Demi Vollering beträgt 14 Sekunden. Gestern entscheidet die 34-jährige Bernerin das Zeitfahren von Gevrey-Chambertin nach Dijon für sich.
Für Aufruhr sorgt auch ein ungewöhnlicher Betrugsvorwurf. Mehrere Teams werfen einzelnen Fahrerinnen vor, ihre BHs mit Einlagen aufzupolstern. Darüber berichtete das niederländische Radsportmagazin «WielerFlits».
SRF-Expertin Michelle Andres erklärt dazu in der Live-Übertragung des Zeitfahrens:
«Es geht um Windverwirblungen, idealerweise geht der ganze Wind um dich herum. Wenn du einen grossen Brustumfang hast, dann ist das Loch zwischen Helm und Armen kleiner.»

Bedeutet: Frauen mit grösserem Brustumfang haben einen natürlichen Vorteil. Dies gilt insbesondere im Zeitfahren.
Der Funk im Sport-BH wird mit Klebeband umwickelt
Andres weiter:
«Nun haben die gescheiten Wissenschaftler herausgefunden: Man könnte doch den Funk auf die Brust statt auf den Rücken kleben. Männer kleben es, Frauen können es einfach in den Sport-BH reintun, das ‹hebet›.»

Doch damit nicht genug. «Man hat damit begonnen, den Funk mit Klebeband zu umwickeln, damit es noch grösser ist.»
Bereits in Paris war dies ein Thema. Eine Fahrerin hatte plötzlich um mehrere Körbchen-Grössen grössere Brüste. Die Diskussionen wurden immer grösser – und Teams haben sich beschwert.
Grosser Brustumfang bringt einen grossen Zeitvorteil
Die Vorteile durch künstlich vergrösserte Brüste sind riesig. Bis zu einer Sekunde pro Kilometer können Athletinnen so herausholen. «Das ist viel», so Andres.

Die sogenannte «Brustverkleidung» ist im Radsport verboten. Schaumstoff, Polster oder anderes, das die Aerodynamik begünstigt, darf nicht «angezogen» werden. Verwendet werden dürfen nur Strukturen, die direkt im Stoff verarbeitet sind.
Zwar spricht Andres davon, dass es eine etwas «lustige Debatte» sei. Doch die Beschwerden einiger Teams haben Konsequenzen.
Verschärfte Kontrollen – doch es gibt ein Problem
Vor dem Zeitfahren wurden die Kontrollen der Fahrerinnen-Kleidung verschärft. In einer offiziellen Anordnung der UCI-Jury hiess es, die Kontrollen müssten «spätestens 10 Minuten vor dem jeweiligen Start erfolgen».
Allerdings hinterfragt SRF-Expertin Andres, ob die Kontrollen auch wirklich durchgeführt werden können. Da es vor allem männliche Funktionäre gibt im Rad-Sport, gibt es ein Problem mit der Privatsphäre der weiblichen Athletinnen.
Im Skispringen kam es zum Anzugs-Skandal
Der «BH-Zoff» bei den Frauen erinnert an die Vierschanzentournee Anfang Jahr. Dort sorgten Diskussionen um Penisvergrösserungen bei den Skispringern für Wirbel.
Es gab Behauptungen, dass einige Skispringer Hyaluronsäure in ihre Genitalien injizierten, um die Oberfläche ihres Skianzugs zu vergrössern. Beweise gab es nicht – ganz im Gegensatz zu den Weltmeisterschaften im letzten Jahr.
Dort manipulierte das norwegische Team heimlich Wettkampfanzüge im Schrittbereich mit zusätzlichen Nähten für mehr Aerodynamik und Stabilität. Ein anonymes Video entlarvte den Riesen-Skandal. Marius Lindvik verlor schliesslich seine Silbermedaille, obwohl er vom Betrug nichts gewusst hatte.












