WM 2026 – Vonlanthen: Manzambi-Momentum macht Nati zum Favorit
Schafft die Nati an der WM 2026 den Viertelfinal-Einzug? Johan Vonlanthen (40) sieht die Schweiz im Vorteil. Warum? Das erklärt er im Nau.ch-Interview.

Das Wichtigste in Kürze
- Johan Vonlanthen kennt die Schweizer Nati und Kolumbien bestens.
- Für den Ex-Nati-Star ist die Schweiz Favorit – auch wegen Johan Manzambi.
Am Dienstag um 22 Uhr Schweizer Zeit kann die Nati Geschichte schreiben: Das Team von Murat Yakin trifft im Achtelfinal der WM 2026 auf Kolumbien. Einer, der sich mit beiden Teams bestens auskennt, ist Johan Vonlanthen (40).

Der 40-fache Schweizer Nationalspieler (7 Tore) ist in Kolumbien geboren. Jahrelang war er der jüngste EM-Torschütze aller Zeiten, ehe er 2024 von Lamine Yamal abgelöst wurde. Nau.ch hat mit Vonlanthen über den WM-Achtelfinal und Johan Manzambi gesprochen.
Mischi Wettstein: Jo, die Schweizer Nati trifft an der WM 2026 im Viertelfinal auf Kolumbien. Wem hilfst du?
Johan Vonlanthen: (lacht) Grad so direkt?
Wettstein: Natürlich, wir starten gleich so!
Vonlanthen: Ich helfe natürlich der Schweiz, das ist klar. Aber natürlich ist es für mich ein Riesenspiel und sehr speziell. Ich bin die ganze Zeit mit meiner Familie am Telefon. Alle wollen wissen, wie es mir geht. Ich sage einfach: Wenn die Nati gewinnt, bin ich ein bisschen traurig wegen Kolumbien. Und umgekehrt natürlich genau gleich.

Wettstein: Es wird also gelacht und geweint am gleichen Tag?
Vonlanthen: Ja genau, es schlagen zwei Herzen in meiner Brust.
Wettstein: Kolumbien steht in der Weltrangliste vor der Nati. Wer ist aus deiner Sicht Favorit in diesem Spiel?
Vonlanthen: Im bisherigen Turnierverlauf hat mir die Schweiz besser gefallen, auch mit Ball. Die Nati tritt viel kontrollierter auf, erspielt sich gute Chancen. Kolumbien lauert er auf Umschaltmomente und Kontersituationen, da werden sie sehr gefährlich. Geht es um die Spielkontrolle, finde ich die Schweiz besser.
Wettstein: Hatte Kolumbien bisher nicht einfach die anspruchsvolleren Gegner als die Nati?
Vonlanthen: Beim 0:0 gegen Portugal haben sie es gut gemacht. Aber auch in diesem Spiel hatten die Portugiesen mehr Ballbesitz. Kolumbien hat sehr gut gekontert und sie wurden ein paar Mal sehr gefährlich.

Aber eben: Rein von der kontrollierten Spielweise her, ist die Nati viel eingespielter. Dafür gibt es auch bei der Nati Momente, bei denen sie den Ball im Mittelfeld verlieren. Und sie haben gegen alle Gegner bisher Chancen zugelassen. Das wird gegen Kolumbien gefährlich!
Wettstein: Ist Kolumbien der Nati nicht physisch überlegen?
Vonlanthen: (überlegt) Das würde ich so nicht sagen. Aus meiner Sicht sind die beiden Teams physisch ziemlich auf Augenhöhe.

Wettstein: Wie man hört, gibt es im Lager Kolumbiens einige angeschlagene und kränkelnde Spieler. Zudem müssen sie nach Vancouver fliegen und haben weniger Erholungszeit. Kann das eine Rolle spielen? Dafür werden sie ja die Fans im Rücken haben.
Vonlanthen: Das stimmt, die Erholungsphase ist schon wichtig, da hat es die Schweizer Nati ein bisschen angenehmer.
Wettstein: Dein Tipp für das Spiel?
Vonlanthen: Ich hoffe auf ein 1:1 und dann ein Penaltyschiessen. Dann ist es «fifty-fifty» (lacht).
Wettstein: Sprechen wir noch über Nati-Shootingstar Johan Manzambi. Der Hype um ihn ist vergleichbar mit dem um dich im Jahr 2004. Du kennst diese Situation – verstehst du, wie es ihm derzeit gehen muss?

Vonlanthen: Ja sicher verstehe ich das. Darum sage ich, dass die Schweizer Nati für mich ein bisschen zu favorisieren ist: Manzambi hat sein Momentum! Er macht seine Tore, es läuft bei ihm. Und es funktioniert, wenn er eine Idee hat.
Bei Kolumbien wäre Luis Diaz der Typ, der jetzt kommen müsste. Er ist auch sehr gefährlich, war bisher an der WM 2026 aber noch nicht entscheidend für Kolumbien.
Zurück zu Manzambi: Er spielt eine Riesen-WM, sein Umfeld scheint zu stimmen. Auch wenn ich mir seine Saison mit Freiburg anschaue. Da wurde einiges richtig gemacht, er soll einfach so weitermachen.

Der Druck wird dann mit den Erwartungen automatisch steigen. Weil er gezeigt hat, dass er Spiele entscheiden kann. Wenn er damit umgehen kann, werden wir in der Schweiz für die nächsten Jahre einen Riesenspieler haben.
Wettstein: Offenbar hat auch Bayern München die Fühler nach Manzambi ausgestreckt. Blicken wir noch zurück in die Vergangenheit: Die Bayern hatten auch mal an dir Interesse, du gingst dann aber nach Eindhoven. Was würdest du Manzambi raten: Zu den Bayern gehen, wenn die Möglichkeit besteht?

Vonlanthen: Er spielt bereits in Deutschland, kennt die Bundesliga. Wenn er zum Top-Verein Bayern München gehen kann, die mit Vincent Kompany auch international etwas reissen können, würde ich ihm diesen Wechsel schon empfehlen.
















