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    Talk – YB: Von Bären zu Gummibärli! Wo ist der FCB-Trainereffekt?

    Nau Sport
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    Bern,

    Der FCZ siegt 5:3 bei YB, das nach der Pause brutal nachlässt. FCB-Trainer Jokanovic wartet noch immer auf einen Liga-Sieg. Willkommen beim Fussball-Talk.

    Fussball-Talk
    Ein Thema im Fussball-Talk: Der 5:3-Sieg des FCZ bei YB. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • YB stellt nach der Pause den Betrieb ein und kassiert gegen den FCZ eine 3:5-Heimpleite.
    • Leader Lugano bezwingt auch den FCB und zieht in der Tabelle davon.
    • Das Remis im Tabellenkeller hilft weder GC noch dem FC Vaduz.
    • Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.

    Nau.ch: Wir starten mit dem Nau.ch-internen Duell: Mischis FCZ gewinnt im Wankdorf gegen Böhlis YB mit 5:3.

    Mischi Wettstein: Ich danke dem FCZ, dass er meine Genesung nach meiner Fuss-OP beschleunigt hat. Bei diesem Spiel wäre ich extrem gerne im Stadion gewesen – aber immerhin konnte ich vor dem TV jubeln. Böhli, kannst du mir erklären, warum deine Berner als Bären in die Pause gehen – und als Gummibärli zurückkommen?

    FC Zürich
    Der FC Zürich bodigt YB. - keystone

    Christoph Böhlen: Zunächst: Gratuliere zum Sieg, Mischi. In der Pause habe ich mit einigen Kollegen über das Spiel gesprochen. Wir waren uns einig: Offensiv ist es das beste YB-Kader, das wir je gesehen haben. Es macht einfach Spass, diesem Team zuzuschauen.

    Was nach der Pause passiert ist, kann ich bis heute nicht verstehen. Es gibt einige Aspekte, die zu diesem Leistungs-Abfall geführt haben könnten. Aus YB-Sicht bleibt zu hoffen, dass diese 45 Minuten ein Unfall und kein Rückfall waren.

    Mischi Wettstein: Ist einer dieser Gründe der Dreifachwechsel nach einer Stunde? Lauper, Virginius und Fassnacht haben dem Spiel danach nicht gerade den Stempel aufgedrückt.

    Christoph Böhlen: Ich habe den Zeitpunkt des Wechsels verstanden: YB hatte nach der Pause keinen Zugriff mehr auf den FCZ und musste frische Kräfte bringen. Dass man eine Minute später das 3:3 kassiert, ist dann natürlich bitter.

    YB
    YB zeigt zuhause gegen den FCZ eine schwache zweite Halbzeit. - keystone

    Aber auch Schiri Urs Schnyder hat keinen guten Nachmittag eingezogen: Er hat seine Linie aus meiner Sicht nicht bei beiden Teams durchgezogen. Und Umeh Emmanuel müsste nach seiner Tätlichkeit gegen Armin Gigovic vom Platz fliegen. Über den VAR mag ich mich aber auch gar nicht mehr ärgern.

    Zudem hat man gestern gesehen, dass der gesperrte Edimilson Fernandes wichtig für dieses Team ist. Er hat gefehlt, der junge Pech konnte ihn nicht ersetzen.

    Mischi Wettstein: Jetzt ist auch noch der Schiri schuld – ich glaube, ich spinne! Wegen deiner Fan-Brille drehe ich durch… Ich habe dir letzte Woche gesagt, dass ich vom FCZ in diesem Spiel nichts erwarte. Und genau das war die Basis: Ohne Druck ist so ein Auftritt möglich – das ist typisch Fussball.

    Christoph Böhlen: Ich gebe Schiri Schnyder nicht die Schuld. Ich sage nur, dass er keinen guten Tag eingezogen hat. Sonst wäre FCZ-Emmanuel wohl vom Platz geflogen.

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    Umeh Emmanuel trifft Armin Gigovic im Zweikampf mit dem Arm im Gesicht. - SRF

    Aber: Du hast zuletzt in Bezug auf den FCZ immer von einem zarten Pflänzchen gesprochen. Siehst du das immer noch so – oder sind deine Zürcher jetzt oben angekommen?

    Mischi Wettstein: Nein, daran hat sich nichts geändert – ich halte den Ball weiterhin flach. Dass der FCZ dort steht, wo er aktuell steht, hat ganz viel mit dem Trainer zu tun: «Mäse» Koller macht einen Riesenjob.

    Nau.ch: Von der ersten YB-Niederlage profitiert Leader Lugano, der mit dem Heimsieg über den FCB den Vorsprung auf YB ausbauen kann.

    Mischi Wettstein: Es ist schon erstaunlich, dass die Tessiner auch dann gewinnen, wenn sie keinen Sahnetag einziehen. Seit 23 Spielen sind die Luganesi ohne Niederlage, liegen schon neun Punkte vor YB – und 20 Punkte vor dem FC Basel! Das muss sich auf der Zunge zergehen lassen, Wahnsinn!

    Marschiert Lugano jetzt durch?

    Christoph Böhlen: Das stimmt, Mischi: Aber vor allem liegt der FC Basel nur acht Punkte vor Schlusslicht Lausanne. Wo ist der Trainereffekt beim FCB?

    Mischi Wettstein: Fussball ist Tabelle und Resultate. Unter Jokanovic gab es noch keinen Sieg in der Liga. Rein nüchtern betrachtet, hat der Trainerwechsel noch nichts gebracht. Aber, ich sehe dennoch tatsächlich eine kleine Entwicklung unter Slavisa Jokanovic.

    Der FCB hat im Tessin ordentlich gekämpft, aber die Probleme bleiben die gleichen. Das stellt man nicht innerhalb von ein paar Tagen ab. Aber wenn man weiterhin kontinuierlich arbeitet, wird man sehen, was beim FCB noch möglich ist. Es ist sicher nicht alles schlecht – der FC Lugano ist derzeit einfach deutlich besser.

    FC Basel
    Slavisa Jokanovic wartet noch auf den ersten Liga-Sieg mit dem FC Basel. - keystone

    Christoph Böhlen: Mischi, dann sind die Ansprüche beim FC Basel aber brutal gesunken? Die Bebbi können doch mit Platz sieben unmöglich zufrieden sein?

    Mischi Wettstein: Nach diesem verkorksten Saisonstart sind die Top 6 schon fast ein Erfolg. Aber es sind auch erst 12 von 33 Runden gespielt, zudem wird der FCB im Winter auch noch nachrüsten.

    Und muss vielleicht einige Positionen überdenken: Ich verstehe nicht, wieso Tsunemoto in der Hierarchie der Aussenverteidiger so abgerutscht ist. Da muss Jokanovic nochmals über die Bücher.

    Nau.ch: Auf dem Papier war Lausanne-Thun nicht die spannendste Affiche am Sonntag. Aber der 5:4-Sieg der Berner Oberländer nach 1:4-Rückstand war schon unfassbar?

    Mischi Wettstein: Was Lausanne gezeigt hat, sind für mich klare Anzeichen eines Absteigers: Du führst zuhause 4:1 und verlierst dann doch noch. Als Lausanne-Fan würde ich mir grosse Sorgen machen nach diesem Slapstick-Auftritt. Und sorry: Trainer Luka Elsner muss nach diesem Desaster weg – es braucht eine neue Energie bei Lausanne.

    FC Thun
    Lausanne verspielt gegen Thun einen 4:1-Vorsprung. - keystone

    Christoph Böhlen: Das Beste am Lausanne-Spiel waren die Retro-Shirts zum Vereins-Jubiläum… Dafür darf man dem FC Thun mal ein Kränzchen winden: Der amtierende Meister hat schliesslich keine einfachen Monate hinter sich – trotzdem scheint die Moral im Team intakt. Das wird in der unteren Tabellenhälfte noch wichtig sein.

    Traust du Lausanne den Klassenerhalt zu?

    Nau.ch: Wechseln wir zum 2:2 im Keller-Duell zwischen GC und Vaduz. Euer Fazit?

    Mischi Wettstein: Das Remis ist eigentlich ein logisches Resultat, schliesslich hat Vaduz auswärts noch nie gewonnen. Der Aufsteiger ist ein Team mit klarem Konzept, das war für GC nicht so einfach. Die Hoppers können eher gegen Teams überzeugen, denen es an Automatismen fehlt – wie beim Unentschieden gegen den FCB.

    Nach dem 2:2 ist aber auch klar: Der Punkt im Joggeli ist nur noch halb so viel wert für die Hoppers. Wenn du die direkte Konkurrenz nicht schlägst: Wen dann noch? Jetzt reist mit Lausanne ein Team in den Letzigrund, das noch schlechter ist. Da muss ein Dreier her.

    Mischi Wettstein
    Mischi Wettstein ist Fussball-Chefreporter bei Nau.ch. - Nau.ch

    Christoph Böhlen: Wenn ich mir die Tabelle ansehe: Nur Thun hat mehr Gegentore kassiert als GC, bei den Hoppers fehlt es an allen Ecken und Enden. Aber ich bin mit dir einig: Alles andere als ein Sieg gegen Lausanne ist für GC zu wenig. Damit könnte man die Waadtländer distanzieren.

    Nau.ch: Dann wechseln wir zum Remis zwischen Luzern und Sion.

    Christoph Böhlen: Gratuliere Mischi: Du hast letzte Woche Matteo Di Giusto im FCL-Zentrum gefordert. Und auch Owusu und Ferreira reicht es nach den Auftritten letzte Woche nicht für die Startelf. Deine Mängelliste wurde von FCL-Coach Udo Portmann umgesetzt.

    Mischi Wettstein: Das zeigt mir, dass ich keine Tomaten auf den Augen habe – und Udo auf gutem Weg ist.

    Christoph Böhlen: Aber zum Sieg hat es für den FCL trotzdem nicht gereicht…

    Mischi Wettstein: Ich habe versucht, das Spiel in der ersten Halbzeit intensiv zu verfolgen. Aber es war ganz schwierig, dabei einen Unterhaltungswert zu erkennen.

    Nach dem Spiel ist klar: Sion müsste die Partie gewinnen. Den Dreier haben sie mit dem Eigentor, dem verschossenen Penalty und der Mega-Chance von Surdez selber liegengelassen.

    00:00 / 00:00

    Franck Surdez vergibt eine hundertprozentige Chance. - srf

    Christoph Böhlen: Vor der Nati-Pause geht es für den FC Luzern jetzt zuhause gegen YB weiter. Da zeigt sich, ob die Lernkurve der Innerschweizer nach oben zeigt – oder nicht.

    Mischi Wettstein: Es war nicht alles schlecht beim FCL, man war von Anfang an wach. Aber dass YB nach dem 3:5 sicher eine Reaktion zeigen will, ist keine gute Nachricht für das Portmann-Team. Wie sagte Cedric Zesiger gestern: «Wir sind die ganze zweite Halbzeit gefühlt in der Kabine geblieben.» Das wird YB nicht nochmal passieren.

    Nau.ch: Zum Abschluss der Runde: Der FCSG feiert einen 2:1-Heimsieg gegen Servette.

    Mischi Wettstein: Zuhause erwarte ich, wie die Espen und ihre grossartigen Fans auch, eigentlich immer einen Dreier. Das war zuletzt aber nicht immer so – umso besser aus FCSG-Sicht, dass sie den Sieg gegen den formstarken Tabellennachbarn über die Zeit bringen. Aber es hätte auch anders enden können, wenn ich an die Schlussphase denke.

    FC St.Gallen
    Lukas Görtler verwandelt beim 2:1 über Servette einen Penalty für den FC St.Gallen. - keystone

    Christoph Böhlen: Das interessiert am Ende niemanden: Der FCSG kämpft mit einigen anderen Teams um den Einzug in die Top 6. Da ist so ein Sieg gegen die direkte Konkurrenz Gold wert.

    Nau.ch: Was ist euch sonst noch aufgefallen?

    Christoph Böhlen: Heute darf ich es mal wieder sagen: Der FC Aarau gewinnt bei Xamax und feiert den ersten Liga-Sieg seit Anfang September.

    Mischi Wettstein: Über den FC Aarau musst du mit mir erst wieder diskutieren, wenn er in den Top 4 der Challenge League ist.

    Kann der FC Aarau in dieser Saison noch um den Aufstieg in die Super League spielen?

    Christoph Böhlen: Abgemacht. Ich muss dir übrigens noch ein zweites Mal gratulieren: Du hast immer gesagt, dass Granit Xhaka und Breel Embolo für den nächsten Nati-Zusammenzug wieder aufgeboten werden. Sogar ohne Konsequenzen. Du hast mal wieder recht gehabt, da spielt es keine Rolle, ob ich das für die richtige Entscheidung halte…

    Mischi Wettstein: Musst du denn immer noch das letzte Wort haben? Unfassbar… Diesen Entscheid gilt es auch für dich zu akzeptieren. Aber ich verstehe: Nach gestern muss ich besonders einfühlsam mit dir sein, du Gummibärli-Fan.

    Nau.ch
    Christoph Böhlen, Sportchef bei Nau.ch. - Nau.ch
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