Fussball-Talk: Was bringt Rauswurf von Magnin? YB muss ausmisten
Der FCB gewinnt den Klassiker – trennt sich aber trotzdem von Ludovic Magnin. YB verliert in Thun und liegt 17 Punkte zurück! Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- Der FCB gewinnt den Klassiker beim FCZ – trennt sich aber dennoch von Ludovic Magnin.
- YB taucht auch gegen Leader Thun und hat mittlerweile 17 Punkte Rückstand.
- GC holt einen Punkt in Lausanne, der FC Winterthur taucht in Lugano.
- Sportchef Christoph Böhlen und Chefreporter Mischi Wettstein im Gespräch.
Nau.ch: Mischi, du warst am Klassiker. Trotz der Shaq-Gala beim 4:3 muss Ludovic Magnin beim FC Basel gehen. Was sagt ihr zu diesem Entscheid?
Mischi Wettstein: Es ist bekannt, dass ich Ludovic Magnin sehr schätze, er ist einer meiner Lieblings-Zeitgenossen. Daher tut es mir persönlich sehr leid für ihn.
Schauen wir es aber mal neutral an: Man geht schon mit einem angeschlagenen Vertrauen in ihn in die Rückrunde. Beim 1:1 gegen Sion werden die Erwartungen nicht erfüllt, dann folgt die desolate erste Halbzeit in Salzburg. Die blieb hängen und hat das Fass zum Überlaufen gebracht.

Anhand der klaren Aussagen von Sportchef Daniel Stucki war klar, dass das Vertrauen nicht mehr da ist. Und wenn das fehlt, ist es aus Sicht des FC Basel nur konsequent, zu handeln. Ob es der richtige Entscheid ist, das wird uns die Tabelle am Ende der Saison zeigen. Und wir werden nie erfahren, ob auch Ludo Magnin die Ziele mit dem FCB erreicht hätte.
Christoph Böhlen: Ich kann den Entscheid nicht verstehen. Man hat nach dem schwachen Auftritt in Österreich eine Reaktion gefordert – und die ist gekommen. Der FCB hat gezeigt, dass er Moral besitzt, zurückschlagen kann und Charakter hat. Dass man jetzt trotzdem die Bremse zieht, macht aus meiner Sicht keinen Sinn.
Mischi Wettstein: Wie ich schon am Samstag geschrieben habe, schienen die Würfel vor dem Klassiker gegen Magnin gefallen zu sein. Und wahrscheinlich war man nach der Aufarbeitung des gestrigen Spiels der Meinung, dass nicht der FCB gewonnen hat – sondern Captain Xherdan Shaqiri.

Ohne ihn können die Bebbi das Spiel nämlich auch verlieren, wenn ich da zum Beispiel an die Grosschance von FCZ-Reverson kurz vor Schluss denke… Und wie man hört, hat sich der FCB-Club-Boss David Degen im Letzigrund während des Spiels mehr als einmal lautstark über den Auftritt seiner Bebbi geärgert.
Christoph Böhlen: Aber hast du das Gefühl, dass der Trainerwechsel einen direkten Einfluss haben kann? Auch wenn die Bebbi gestern vier Tore erzielen: Es fehlt doch nach wie vor ein Stürmer, da konnte Magnin nichts dafür – und auch sein Nachfolger wird vor dem gleichen Problem stehen.
Mischi Wettstein: Dass ein Trainerwechsel nicht immer etwas bringt, sieht man ja bei deinen Bernern. Deine Saison ist ja gelaufen und du kannst das Wochenende künftig im Schwimmbad verbringen…
Christoph Böhlen: Zu YB kommen wir später noch, Mischi. Aber mir kommt hier etwas zu kurz: Dein FCZ verliert den Klassiker und wir sprechen nur über die Basler? Das geht doch nicht…
Mischi Wettstein: Ich kann nach dem gestrigen Auftritt nicht nur Schlechtes sagen. Geärgert habe ich mich über zwei fürchterliche Schnitzer von Miguel Reichmuth, der einen rabenschwarzen Tag einzieht.
Da verstehe ich nicht, wieso Dennis Hediger und sein Staff nicht früher reagieren und den jungen und sehr talentierten Mann auswechseln– auch zum Selbstschutz.

Ansonsten war es eindrücklich, wie der FCZ in diesem Klassiker mehrmals reagiert hat. Und Stürmer Keny macht ein starkes Spiel. Nicht nur vorne, sondern auch hinten, er rettet sogar einmal auf der Linie.
Was aber sicher dem hintersten und letzten FCZ-Beobachter aufgefallen sein muss: Dem Hediger-Team fehlt einfach ein Abwehrchef. Wie Shaqiri vor seinem dritten Tor in der Nachspielzeit durch die Verteidigung spaziert: haarsträubend!

Nau.ch: Dann schliessen wir den Klassiker jetzt und wechseln zum Berner Derby, das Leader Thun klar mit 4:1 für sich entscheidet.
Mischi Wettstein: Mussten deine Young Boys jetzt eigentlich nach Hause laufen – oder kam mein «Straf-Wunsch» nicht bis nach Bern durch, Böhli?

Christoph Böhlen: Das entzieht sich meiner Kenntnis… Aber nach dem Spiel muss man festhalten: Die YB-Saison ist gelaufen – und das schon Ende Januar!
Dabei fand ich die erste Halbzeit noch in Ordnung, das war ein stabiler Auftritt. Dann wird Fassnachts 1:0 einkassiert und Verteidiger Andrews verletzt sich. Die Einwechslung von Tanguy Zoukrou als Rechtsverteidiger wird dann zum Rohrkrepierer.
Mischi Wettstein: Niemand will diese Schönrednerei lesen, Böhli. YB ist gegen Thun untergegangen!
Christoph Böhlen: Lass mich doch ausreden. Nach der Pause ist es ein sehr schlimmer Auftritt der Berner. Ein Gegentor – ausgerechnet von YB-Leihgabe Imeri, und das Berner Kartenhaus bricht zusammen. So tritt keine Mannschaft auf, die mit Meisterambitionen in die Saison startet. Der FC Thun zeigt dafür, wie man es machen würde...
Man weiss bei aller Kritik derzeit kaum, wo man beginnen soll. Die Abwehr ist löchrig, das ist aber schon vor dem Derby klar. Der eingewechselte Zoukrou sieht schlecht aus, auch Rückkehrer Gregory Wüthrich kann nicht zeigen, weshalb er in Graz Abwehrchef war. Und im Mittelfeld zeigt einzig Alvyn Sanches, dass er zu Höherem berufen ist.

Was etwa vermeintliche Leader wie Rayan Raveloson oder auch Edimilson Fernandes zeigen, ist einfach zu wenig. Es sind jetzt 17 (!) Punkte Rückstand auf Thun – die Saison ist gelaufen. Am besten legt man den Fokus jetzt bereits auf die kommende Saison und mistet aus.
Mischi Wettstein: Du kritisierst nur die Spieler. Aber das Team wurde ja von der sportlichen Leitung zusammengestellt. Ich glaube eher: Zu viele Köche verderben bei YB den Brei. Man hat aktuell das Erfolgsrezept verloren, da hat die sportliche Führung offensichtlich nicht alles richtig analysiert.
Christoph Böhlen: Man liess sich vielleicht zu lange von grossen Namen blenden. Das Kader soll ja auf dem Papier vor Qualität nur so strotzen – aber YB bringt es einfach nicht auf den Platz. Vielleicht ist die Qualität doch nicht so gross?
YB ist für mich ein ständiges Flickwerk – da stimmt nicht viel zusammen. Und man muss jetzt auch mal die heiklen Themen ansprechen: satte Spieler, Leistungsträger über dem Zenit etc.

Das einzig Gute: Trainer Gerardo Seoane sitzt trotz allem fest im Sattel. YB muss jetzt ausmisten und ein Team zusammenstellen, mit dem es wieder aufwärts geht. Diese Woche warten mit Stuttgart und dem FCZ zwei schwierige Aufgaben – ich bin nicht gerade zuversichtlich.
Mischi Wettstein: Du könntest dich täuschen. Jetzt ist der Druck weg, der Rückstand ist zu gross. Gut möglich, dass das im Kopf hilft und deine Berner befreit aufspielen lässt.
Nau.ch: Beenden wir den Sonntag mit der Niederlage des FCSG gegen Servette. Dort gibt der Penalty für die Genfer zu reden, die Espen sprechen von einem klaren Fehlentscheid.
Mischi Wettstein: Ein Fehlentscheid? Der FCSG-Verteidiger trifft Stevanovic doch klar mit dem Ellbogen? Für mich ist das ein Penalty, diese Reklamationen kann ich nicht ernst nehmen. Aber als Fan würde ich jetzt auch eine Erklärung für diese Heimpleite suchen.
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Christoph Böhlen: Da muss ich dir widersprechen, Mischi: Für mich hat der FCSG recht, das war eine natürliche Armbewegung, der Servettien läuft ja direkt in den Ellbogen hinein. Der Ärger ist verständlich.
Mischi Wettstein: Dass ausgerechnet du die Espen verteidigst? Für einmal ziehe ich in dieser Diskussion vorzeitig den Joker, sonst geraten wir uns noch in die Haare.
Nau.ch: Wechseln wir zum Samstag, der FCL punktet beim 1:1 in Sion.
Christoph Böhlen: Müssen wir überhaupt über den Samstag sprechen? Die grossen Spiele fanden doch alle am Sonntag statt…
Mischi Wettstein: Bitte mehr Respekt, Böhli – auch der Samstag war interessant. Der FCL holt einen wichtigen Punkt für Mario Frick. Von Sions Auftritt war ich dafür eher enttäuscht. Aber die Walliser sind jetzt seit sechs Spielen zuhause ungeschlagen. Man muss nicht in jeder Partie einen Sieg verlangen, manchmal ist auch ein Punkt in Ordnung. Und Sion steht schliesslich verdient unter den Top 6.

Christoph Böhlen: Was mir aufgefallen ist: Mario Frick wechselt im Wallis nur gerade einmal! Dabei sitzt mit Lucas Ferreira, Adrian Bajrami oder Oscar Kabwit doch einiges an Qualität auf der Bank. Gerade gegen die physisch starken Walliser hätte ich gedacht, dass Frick noch einmal nachlegen würde.
Mischi Wettstein: Aber meine Forderung nach Knezevic in der Innenverteidigung wurde von Mario Frick erhört. Und schon gab es einen Punkt…
Nau.ch: Der FC Lugano lässt gegen Winterthur nichts anbrennen und setzt sich mit 4:1 durch. Der verweigerte Handschlag zwischen Koutsias und Behrens ist der einzige Aufreger des Spiels.
Mischi Wettstein: Über dieses Spiel müssen wir nicht gross sprechen. Winterthur muss aufpassen, die 100‑Gegentore‑Marke nicht zu erreichen. Nach 20 Spielen stehen sie bereits bei 56 Stück!
Aber mich ärgert vor allem, dass da wieder ein Theater um Behrens gemacht wird. Es sind zwei Menschen – und wenn es Koutsias nicht passt, dann soll er halt gehen. Denn Stürmer Behrens liefert einfach ab, also lasst ihn in Ruhe. Die alte Phrase «11 Freunde müsst ihr sein» kannst du sowieso vergessen.
Christoph Böhlen: Das sehe ich anders: Ein gesunder Team-Kitt ist ein Erfolgsgeheimnis – schau doch nur nach Thun. Solange Behrens trifft, wird man ihm sein Verhalten im Team vielleicht durchgehen lassen. Aber wehe, wenn er Ladehemmung hat. Dann kann sich so ein Konflikt schnell auf die Resultate ausdehnen.

Mischi Wettstein: Hör doch auf. Es ist heute ganz schwierig mit dir. Aber ich verstehe dich nach deinem YB-Frust vom Wochenende.
Nau.ch: Zum Abschluss der Runde: GC holt sich ein 1:1 in Lausanne – überrascht?
Mischi Wettstein: Es ist ein sehr schmeichelhafter Punkt für die Hoppers. Aber sie belohnen sich für ihre Bemühungen. Und wenn Winterthur doch noch eine Aufholjagd startet, kann dieses 1:1 vielleicht sogar Gold wert sein.
Christoph Böhlen: Aus Lausanne werde ich einfach weiterhin nicht schlau… Nach Siegen über Servette und YB folgt zuhause ein Punktverlust gegen den Vorletzten. Dem Zeidler-Team fehlt es im Rennen um die Top 6 nach wie vor an Konstanz.
Nau.ch: Was ist euch sonst noch aufgefallen?
Mischi Wettstein: Ich finde es bedauerlich, dass Ricardo Rodriguez bei Betis Sevilla zuletzt nur noch auf der Bank sitzt. Ich möchte ihn unbedingt an der WM im Nati-Kader dabei haben! Dazu braucht er Spielpraxis – vielleicht wäre eine Leihe für die Rückrunde das Beste für «Rici»?

Warum klopft der FCZ nicht mal bei seinem Eigengewächs an? Er würde dem Team auf und neben dem Platz viel bringen. Das wäre eine Win-Win-Entscheidung. Ich kenne «Rici» als sehr ehrgeizigen Spieler. Er wird sich sicher zuerst seinen Platz bei Betis zurückkämpfen wollen.
Christoph Böhlen: Mein Aufstiegstipp ist nach wie vor auf Kurs: Zwar gewinnt auch Vaduz den Auftakt ins Challenge-League-Jahr – aber der FC Aarau holt sich den Heimsieg gegen Bellinzona. Gegen die Tessiner haben die Aarauer im November noch 1:5 verloren.

| Super League - Super League: Regular Season (26.01.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 21 | 15 | 5 | 1 | 46:25 | 46 | |
| 2. | ![]() | 21 | 12 | 6 | 3 | 37:26 | 39 | |
| 3. | ![]() | 20 | 12 | 7 | 1 | 40:26 | 37 | |
| 4. | ![]() | 21 | 10 | 5 | 6 | 33:24 | 36 | |
| 5. | ![]() | 21 | 8 | 5 | 8 | 31:25 | 32 | |
| 6. | ![]() | 21 | 8 | 8 | 5 | 40:45 | 29 | |
| 7. | ![]() | 21 | 7 | 7 | 7 | 32:29 | 28 | |
| 8. | ![]() | 21 | 7 | 10 | 4 | 32:40 | 25 | |
| 9. | ![]() | 21 | 6 | 9 | 6 | 35:40 | 24 | |
| 10. | ![]() | 21 | 5 | 9 | 7 | 38:41 | 22 | |
| 11. | ![]() | 21 | 4 | 11 | 6 | 28:39 | 18 | |
| 12. | ![]() | 20 | 2 | 14 | 4 | 24:56 | 10 | |
| Super League - Super League: Regular Season (26.01.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 21 | 46 | |
| 2. | ![]() | 21 | 39 | |
| 3. | ![]() | 20 | 37 | |
| 4. | ![]() | 21 | 36 | |
| 5. | ![]() | 21 | 32 | |
| 6. | ![]() | 21 | 29 | |
| 7. | ![]() | 21 | 28 | |
| 8. | ![]() | 21 | 25 | |
| 9. | ![]() | 21 | 24 | |
| 10. | ![]() | 21 | 22 | |
| 11. | ![]() | 21 | 18 | |
| 12. | ![]() | 20 | 10 | |
























