Fussball-Talk: Murat Yakins Nati ist nicht von Namen abhängig
Die Nati startet mit zwei Siegen in die Nations League – auch ohne Xhaka und Embolo. Und beim FCB ist der neue Trainer da. Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- 3:0 in Skopje und 3:0 in Glasgow: Die Nati startet optimal in die Nations League.
- Das Schweizer Team überzeugt auch ohne die fehlenden Granit Xhaka und Breel Embolo.
- Beim FC Basel wird Slavisa Jokanovic als neuer Trainer geholt.
Nau.ch: Die Nati startet souverän in die Nations League und gewinnt zweimal 3:0. Euer Eindruck?
Mischi Wettstein: Ich bin nicht überrascht – schliesslich kenne ich unsere Mannschaft. Wir waren ja auch im WM-Halbfinal… Ah nein, pardon: Wir mussten ja im Viertelfinal ausscheiden, damit es keinen europäischen Halbfinal gibt. Aber lassen wir das.
Mein Fazit nach den beiden Spielen: Wahrscheinlich kann Gregor Kobel mit dem gleichen Trikot auch am Samstag auflaufen – schmutzig wurde es gegen Nordmazedonien und Schottland ja nicht.

Christoph Böhlen: Mir hat die Spielfreude über weite Strecken sehr gut gefallen. Zudem sehen wir auch neue Spieler, die zu überzeugen wissen. Zum Beispiel Zachary Athekame, der mir sehr gut gefallen hat.
Die jungen Spieler konnten sich in der Nati problemlos einfügen. Trotzdem darf man auch auf die Euphoriebremse treten: Gefordert wurde die Nati nicht.
Mischi Wettstein: Das hat nichts mit Euphorie zu tun: Der Nati-Anzug auf dem Feld passt einfach. Und dass sich die Jungen gut einfügen können, ist logisch: Muri Yakins Konstrukt funktioniert. Da darf man auch den ganzen Staff loben.
Aber wo ich dir recht geben muss: Diese beiden Gegner spielten nicht in unserer Liga. Nordmazedonien war erschreckend harmlos und die schottische Abbruch-GmbH hat mich an den üblen Kick-and-Rush-Fussball aus der Vergangenheit erinnert. Am Samstag wird die Nati gegen Slowenien mehr gefordert sein – das hoffe ich auch für das Heimpublikum.

Christoph Böhlen: Bei den Slowenen bin ich gespannt, aber eigentlich sollte die Nati in dieser Form auch in Luzern einen Dreier holen. Zeki Amdouni wird seinen Bogen bestimmt wieder auspacken können. Da spielt es auch keine Rolle, dass es Ardon Jashari noch nicht gelungen ist, eine dominante Rolle einzunehmen.
Mischi Wettstein: Wenn wir schon bei einzelnen Spielern sind: Happy Birthday, Nico Elvedi! Der Nati-«Eisvogel» wird heute 30 Jahre alt und hat sich gestern mit seinem Tor das schönste Geschenk gleich selber gemacht. Aber Böhli, etwas fehlt noch…
Christoph Böhlen: ... du hast recht: Ein Riesenkompliment an Ricardo Rodriguez für seinen Auftritt und seinen schönen Treffer. Er ist einfach nicht aus dieser Nati wegzudenken. Aber apropos «Wegdenken»: Wir müssen schon noch kurz über die Vorfälle vor dem Zusammenzug reden? Schliesslich fehlen Granit Xhaka und Breel Embolo.
Mischi Wettstein: Die beiden Namen fehlen aus bekannten Gründen. Bei dieser Diskussion finde ich genügend Argumente für beide Optionen. Sicher ist jeder ersetzbar – wie du und ich auch. Und wie jeder Fussballspieler. Deshalb stehen das System und das Konstrukt, die Muri Yakin mit seinem Staff erschaffen hat, über allem. Und sind nicht von Namen abhängig.
Aber selbstverständlich sind Breel und Granit überdurchschnittlich gute Fussballer – das müssen wir nicht diskutieren. Granit hat mit seiner unfassbaren Siegermentalität seinen Anteil an der Entwicklung der Schweizer Nati. Aber auch das hat zwei Seiten, wenn ein Captain so dominant ist wie Granit. Übrigens, Herr Scharfrichter Böhlen: Du hast ja in deinem Kommentar sogar die Absetzung Xhakas als Nati-Captain gefordert…

Christoph Böhlen: Mir geht es nicht in erster Linie um den sportlichen Wert – den haben aus meiner Sicht beide Spieler mehr als genug bewiesen. Mir geht es einzig um die Vorbildfunktion, die ich von einem Nati-Spieler erwarte. Und da haben Vorstrafen meiner Meinung nach keinen Platz. Richtlinien und Gesetze gelten auch für Fussball-Profis.
Nau.ch: Wie soll es denn jetzt weitergehen?
Mischi Wettstein: Wer den Nati-Spielern nach den beiden Spielen zugehört hat, hat rausgehört: Die Mitspieler erwarten eine Rückkehr der beiden. Betrachten wir es neutral: Der SFV muss jetzt klare Richtlinien festlegen. Und dann müssen alle mit den Konsequenzen leben.
Christoph Böhlen: Wo ich dir recht gebe: Der Verband ist gefordert und muss das lösen – auch für zukünftige Vorfälle. Aus rein sportlicher Sicht: Vielleicht wäre dieser «erzwungene» Generationenwechsel gar nicht so verkehrt? Das Yakin-Team hat es auch ohne Xhaka und Embolo gut gemacht – wenn auch gegen schwache Gegner. Aber irgendwann müsste es ja eh zur Wachablösung kommen…
Nau.ch: Dann machen wir noch rasch den «Schlungg» in die Super League. Beim FC Basel übernimmt Slavisa Jokanovic als Nachfolger von Stephan Lichtsteiner. Eine gute Lösung?
Mischi Wettstein: Da habe ich eine klare Meinung: Ich werde noch nicht warm mit dieser Idee und würde aktuell nicht auf ein Happy-End wetten. Für mich stimmen einfach einige Voraussetzungen nicht: Er kennt die Liga nicht, hat eine andere Mentalität – und spricht nicht Deutsch.

Aus meiner Sicht wäre es wichtig, die Muttersprache zu sprechen, die rund um den Club gängig ist. Aber vielleicht liegt das auch daran, dass Fremdsprachen nicht in meiner Kernkompetenz liegen. Auch wenn ich in den wichtigen Sprachen viel verstehe.
Christoph Böhlen: Ach hör doch auf, Mischi! Wie viele Spieler beim FCB sprechen denn Deutsch? Und um unsere Liga kennenzulernen, braucht man weiss Gott nicht zehn Jahre – da findet man heute genügend Daten und Fakten dazu.
Für Jokanovic wird es wichtig sein, die richtige Rolle für Shaqiri zu finden und den FCB wieder anständig kicken zu lassen.
Mischi Wettstein: Du bist ein Optimist. Dass Jokanovic nicht die 1a-Lösung war, ist so sicher wie die Tatsache, dass heute nicht Weihnachten ist. Es wurden Kompromisse gemacht und das ist selten ideal.
Aber das muss nichts heissen: Vincent Kompany war bei den Bayern auch nicht die Wunschlösung und hat trotzdem eingeschlagen. Darum hat der neue FCB-Coach eine faire Chance verdient. Ich bin gespannt und lasse mich gerne positiv überraschen.
Christoph Böhlen: Noch vor der Pressekonferenz mit Slavisa Jokanovic hat sich David Degen den kritischen Medien-Fragen gestellt. Aus meiner Sicht wirkte der Club-Boss angefressen! Klar hört man nicht gerne Kritik, schon gar nicht aus der eigenen Stadt. Aber Degen machte einen ungewöhnlich dünnhäutigen Eindruck auf mich.

Mischi Wettstein: So ein Seich, Böhli. Dave hat sich gegen die lokalen Medien cool «gemetzget». Ich bin in vielen Themen auf seiner Seite. Und wie er gesagt hat, war er bei der Trainerwahl nicht involviert – also ist er auch nicht verantwortlich, wenn es schief geht.
Aber machen wir uns nichts vor: Auch wenn Dave in der Findungsphase nicht im Lead war – er ist der Club-Boss und muss am Schluss «Ja» oder «Nein» sagen. Wer zahlt, befiehlt.
Nau.ch: Wechseln wir nach Zürich: Im Gegensatz zum FCB hat GC noch keinen neuen Trainer. Dafür seit Dienstag einen dritten Assistenzcoach.
Christoph Böhlen: Das sind schräge Vorgänge… Es zeigt mir, dass der neue Coach wohl ohne eigenen Staff arbeiten muss – damit werden wohl schon viele Kandidaten ihre Bewerbung zurückziehen. Aus meiner Sicht verliert GC viel Zeit, die man aktuell nutzen könnte. Denn zu tun gäbe es viel…
Mischi Wettstein: Da halte ich dagegen: Wenn es am Ende der richtige Trainer am richtigen Ort ist und alles passt, spielen diese paar Tage keine grosse Rolle. Die neuen Eigentümer haben noch nie einen Trainer zu GC geholt – das kann halt länger dauern als beim FCB, der das schon gewohnt ist.
Nau.ch: Ist euch in der Natipause sonst noch etwas aufgefallen?
Christoph Böhlen: Ja: Gemäss einem Video auf Instagram arbeiten Cédric Zesiger und Moritz Jenz an ihrem Comeback bei YB. Sollten beide nach der Nati-Pause fit sein, geht es bei den Bernern auch in der Defensive aufwärts. Daran kannst du mich festnageln, Mischi.
Mischi Wettstein: Wow, der ewige «YB-Botschafter» Böhli… Hast du auch noch News zum FC Engstringen aus der Zürcher 5. Liga? Dort kenne ich auch noch jemanden…













