Fussball-Talk: GC-Knall keine Überraschung! – Wer wird FCB-Trainer?
GC erlebt eine Woche zum Vergessen und trennt sich vom Trainer. YB bodigt Servette – und bei Lugano läuft es einfach rund. Willkommen beim Fussball-Talk.

Das Wichtigste in Kürze
- YB macht gegen Servette aus einem 0:2 ein 3:2 – der FCB taucht zuhause gegen den FCSG mit 1:3.
- Der FCZ holt in Unterzahl einen Punkt im Wallis, Lugano lässt Lausanne keine Chance.
- GC kassiert in zwei Spielen zehn Tore und trennt sich von Trainer Peter Zeidler.
- Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.
Nau.ch: Die letzte Runde vor der langen Nati-Pause ist gespielt, wir starten beim 1:3 des FCB gegen St.Gallen. Mischi, du hast letzte Woche noch von Interimscoach Luigi Nocentini geschwärmt – ist der Zauber schon verflogen?
Mischi Wettstein: Seine Souveränität nach dem Sieg in Luzern scheint eine Eintagsfliege gewesen zu sein. Aber das hängt logischerweise mit dem Resultat zusammen. Nach einem Dreier ist es einfacher, als nach einer Heimpleite.
Gestern war ich nicht mit all seinen Entscheidungen einverstanden. Aber auch sein Team hat nicht geliefert. Nach dem Spiel war allen klar: Luigi Nocentini wird es nicht werden.

Christoph Böhlen: Es bringt wohl nicht viel, aktuell über den neuen Trainer zu spekulieren. Lassen wir uns überraschen. Aber wie sind solche Leistungsunterschiede beim FCB zu erklären?
Mischi Wettstein: Böhli, bezüglich des Trainer-Entscheids werden wir heute möglicherweise überholt. Aber jetzt zu deiner Frage: Vielleicht ist es eine Kopfsache?
Der FCSG hatte zuvor vier von fünf Ligaspielen verloren, so was kann sich in die Köpfe der FCB-Spieler einschleichen. Wenn du dann nur ein paar Prozente weniger abrufst, verlierst du eben.
Christoph Böhlen: Ich bleibe dabei: Aus meiner Sicht ist das Kader des FCB nicht so gut, wie viele meinen. Die vielen Talente können bisher nicht regelmässig ihr Potenzial abrufen.

Mischi Wettstein: Naja Böhli: Ich erkenne die Qualität. Aber es braucht Zeit, die es im Fussball nicht gibt. Man sieht bei den ungeschliffenen Diamanten Malachowski und Harder, dass sie noch nicht zusammenspielen können.
Aber auch einzeln ist das nicht das Gelbe vom Ei. Harder wirkt wie eine Wespe: Er zeigt viel Wille – aber auch sehr viele wirre Wege. Zur Pause kommt Malachowski dann für Harder – besser wird es aber nicht!
Ich verstehe nicht, wie man in so einem Spiel nicht auf den routinierteren Becir Omeragic setzen kann. Ausser Mirko Salvi im Tor konnte keiner vom FCB seine Standard-Leistung abrufen. Und wenn dann auch der sonst souveräne Abwehrchef Flavius Daniliuc wackelt, wird es sehr schwierig.

Christoph Böhlen: Dafür war ich vom FCSG überrascht. Ich ging davon aus, dass man mit einer Niederlage in die Nati-Pause gehen muss. Jetzt haben sich die Espen mit dem Auswärtssieg noch einen Moralschub geholt.
Mischi Wettstein: Vor dem FCSG ziehe ich meinen Hut, damit konnte man nicht rechnen. Trotz englischer Woche und angeschlagenen Spielern hat sich das Maassen-Team nochmal aufgerafft. Jetzt stimmt das Bild mit Platz 5 in der Tabelle schon eher. Und das erst noch ohne Leithammel Lukas Görtler.

Nau.ch: Dann wechseln wir zu Leader Lugano, der in Lausanne gleich 4:0 gewinnt. Die Tessiner sind bisher das Team der Stunde?
Mischi Wettstein: Wenn jetzt sogar Verteidiger Delcroix dreifach trifft und Lugano ohne Steffen und Behrens gewinnt – das muss eine Schocknachricht für die Konkurrenz sein. Bei Lausanne hingegen dürfte Trainer Lukas Elsner gefährdet sein: 6 Punkte und ein Torverhältnis von 7:15 – mit diesen Zahlen steigt man Ende Saison ab.
Christoph Böhlen: Bei Lugano bin ich nach der Länderspielpause gespannt, wie man mit der Doppelbelastung umgeht. Das könnte die Tessiner dann schon noch ausbremsen – sie wären nicht das erste Team, das damit Mühe hat. Aber was sagst du zu Vaduz? Der Aufsteiger verliert zuhause gegen Thun und hat – wie Lausanne – nur sechs Zähler…
Mischi Wettstein: Die Chance von Milos Cocic kurz vor Schluss ist sinnbildlich: Wenn du solche Tore nicht schiesst, musst du dich nicht wundern, wenn du nicht punktest. Die Vaduzer würden lieber mal einen Grottenkick zeigen, aber dafür gewinnen.
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Christoph Böhlen: Dafür holt der FC Thun einen eminent wichtigen Sieg – pünktlich zum Thuner Stadtfest «Fulehung» an diesem Wochenende. Bei einer Niederlage wären es unangenehme Wochen geworden. Jetzt ist die Lage zwar immer noch angespannt, aber immerhin kann man im Berner Oberland mal kurz durchschnaufen.
Nau.ch: Wir bleiben im Kanton Bern und wechseln zu YB, das am Samstag gegen Servette aus einem 0:2 ein 3:2 macht.
Mischi Wettstein: Böhli, jetzt muss ich dir wohl zum Doppelpack von Samuel Essende gratulieren… Von deinen angekündigten 20 Toren hat er bereits die Hälfte erreicht. Aber merk dir meine Worte: Es wird bei YB nicht immer aufgehen, dass man vorne drei Tore machen muss, wenn man gewinnen will. Und ja, ich kenne dich haargenau und weiss, was jetzt kommt…

Christoph Böhlen: Die Defensivarbeit ist eine Sache des ganzen Teams. Aber mit Cedric Zesiger wird nach der Nati-Pause der Abwehrchef zurückkehren. Dazu erhoffe ich mir auch von Neuzugang Moritz Jenz sehr viel. Diese beiden werden dafür sorgen, dass man zumindest ein bisschen weniger Gegentore kassiert.
Mischi Wettstein: Genau diese Worte habe ich erwartet… Schöner hättest du es nicht sagen können.
Christoph Böhlen: Aber abgesehen von den 18 Gegentoren: YB hat schon 31 Mal getroffen, ist dazu in der Liste mit den meisten Latten- und Pfostentreffern die Nummer 1. Es ist Wahnsinn, was die Berner für ein Offensiv-Potenzial haben. Klar wird es mit zwei Gegentoren im Schnitt wohl nicht zum Titel reichen. Aber das ist ein unterhaltsamer Fussball, der Spass macht.
Nau.ch: Und was ist mit Servette?
Christoph Böhlen: Trainer Jocelyn Gourvennec hat sich nach dem Spiel beklagt, dass sein Team dreimal in Folge auf Kunstrasen spielen musste… Abgesehen davon: Die Genfer sind eine Wundertüte, da kann aktuell alles passieren. Aber mit Stürmer Mutandwa haben sie eine neue Attraktion in die Liga geholt. Mischi, kann ich dir eigentlich zum FCZ-Punkt in Sion gratulieren?
Mischi Wettstein: Das ist für einmal eine gute Frage… Kann man wirklich gratulieren, wenn man eine Stunde in Überzahl spielen darf und mit einem Mann mehr den Ausgleich kassiert? Ich weiss es nicht. Aber ein Punkt beim formstarken FC Sion ist sicher akzeptabel und schadet dem Punktestand nicht.
Christoph Böhlen: Also bitte: Eine Stunde in Überzahl, da müsste doch auch für den harmlosen FCZ mehr drin liegen? Bei allem Respekt für die Walliser, aber wenn du nicht mal in so einem Spiel, in dem vieles für dich läuft, drei Punkte holst, wird es schwierig.

Mischi Wettstein: Nur ruhig Böhli, der FC Zürich wird nicht das einzige Team sein, das so ein Szenario nicht ausnützen kann. Jetzt rede mir diesen Punkt nicht schlecht – ich bleibe zufrieden.
Nau.ch: Bei GC hats heute geknallt, Trainer Peter Zeidler muss gehen. Mischi, du warst unter der Woche beim 2:5 gegen Sion und beim 1:5 in Luzern. Bist du überrascht?
Mischi Wettstein: Wer die Tabelle lesen kann und die zehn Gegentore unter der Woche miteinrechnet und sich dazu die richtig schlechte Leistung in Luzern vor Augen führt… Das hat Captain Amir Abrashi bei mir im Interview unterstrichen, als er sagte: «Schlechter geht es nicht!» Da muss man nicht überrascht sein, wenn die Clubführung reagiert.
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Christoph Böhlen: Noch vor einer Woche war ja bei GC eine Art Aufschwung auszumachen. Ich habe keine Ahnung, was mit den Hoppers in den letzten beiden Spielen los war. Liegt das wirklich nur am Trainer?
Mischi Wettstein: Das liegt klar am Spielsystem von Peter Zeidler. Wenn man nicht die Spieler dazu hat, dann ist dieser Fussball schwer umzusetzen. Vor allem bei der Aufgabe: Nach drei Barrage-Teilnahmen in Serie geht es vom ersten Spieltag an darum, seinen Arsch zu retten. Dann wird es schwierig, wenn man mit dem Spielermaterial, das man hat, mehr oder weniger immer das Gleiche spielt.
Christoph Böhlen: Peter Zeidler ist mir zuletzt nach den Spielen bei dir im Interview vor allem mit Durchhalteparolen aufgefallen. Es ging meist um «üben» und «viel trainieren» – das will niemand hören. Ein klarer Plan klingt anders… Mischi, eine doofe Frage: Wer will sich das jetzt antun?
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Mischi Wettstein: Meine Glaskugel ist derzeit ein wenig trüb. Aber ich könnte mir einen Mario Frick gut vorstellen. Er kann mit jungen Spielern arbeiten und ist flexibel im System. Er möchte wohl ins Ausland, aber warum auf ein Angebot warten? GC ist eigentlich eine gute und attraktive Aufgabe, um sich zu profilieren.
Nau.ch: Was sagt ihr zum FC Luzern?
Mischi Wettstein: Ins Auge sticht natürlich Daniel Mikolajewski, der Mann mit dem polnischen Zungenbrecher-Namen. Er erzielt seine Tore zwei bis vier, dazu kommen drei Assists in sieben Spielen. Stark! Das ist ein guter Kicker, in Polen spricht man schon vom neuen Lewandowski… Angeblich war das der erste FCL-Hattrick seit Daniel Lezcano.

Christoph Böhlen: Der FCL hat auch einen Blitzstart hingelegt. Aber gegen dieses inferiore GC darf man sich auf den Sieg nichts einbilden. Nach der Nati-Pause warten Leader Lugano in der Liga und Winterthur im Cup – da bin ich sehr gespannt.
Mischi Wettstein: An dieser Stelle ein grosses Lob an Trainer Udo Portmann! Er ist ein erfrischender Typ und gehört nach den ersten neun Runden zu den Gewinnern der Liga. Auch wenn ich taktisch noch nicht mit allem einverstanden bin: Ich sähe Matteo Di Giusto lieber ganz in der Zentrale, da wäre er noch besser, als auf dieser Halbposition. Und Stefan Knezevic wäre bei mir in der Innenverteidigung sowieso gesetzt.
Nau.ch: Es wartet die lange Nati-Pause, gleich vier Spiele warten auf das Team von Murat Yakin. Granit Xhaka wird aber nicht mit dabei sein.
Mischi Wettstein: Böhli, das Thema Granit Xhaka hast du mit deinem Kommentar ja schon abgedeckt.
Christoph Böhlen: Merci Mischi, hast du dazu noch eine Ergänzung?

Mischi Wettstein: Also diese vier Spiele werden wir auch ohne Xhaka schaukeln. Es kann auch eine grosse Chance sein: Ein paar Spieler können jetzt zeigen, dass sie bereit sind. Die Ereignisse bieten auch Nati-Trainer Murat Yakin die Möglichkeit, unter anderen Voraussetzungen auch neue Lösungen zu finden.
Nau.ch: Zum Schluss wie immer: Was ist euch sonst noch aufgefallen?
Mischi Wettstein: Die Tabelle der Challenge League nimmt langsam aber sicher Konturen an. Lausanne-Ouchy steht mit 21 Punkten und 17:3 Toren sehr stark da. Für Aarau ist der direkte Aufstieg derzeit in die Ferne gerückt: Nach neun Spielen schon neun Punkte Rückstand – Das wird schwierig!
Christoph Böhlen: Mischi, du hast mir noch gar nicht zum zweiten Sieg am Wochenende gratuliert: Nicht nur YB holt ein 0:2 – auch Werder Bremen schafft die «Remontada» gegen Fabian Rieders Augsburg!
Mischi Wettstein: Danke für Info, und in China ist noch ein Sack Reis umgefallen. Viel wichtiger: Nati-Juwel Johan Manzambi führt Aston Villa bei seinem Startelf-Debüt mit einem Tor und einem Assist zum Sieg über Tottenham!

| Super League (21.09.2026) | Sp | S | N | U | Tore | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 9 | 8 | 0 | 1 | 27:7 | 25 | |
| 2. | ![]() | 9 | 5 | 0 | 4 | 31:18 | 19 | |
| 3. | ![]() | 9 | 6 | 2 | 1 | 23:14 | 19 | |
| 4. | ![]() | 9 | 4 | 4 | 1 | 17:17 | 13 | |
| 5. | ![]() | 9 | 4 | 4 | 1 | 16:19 | 13 | |
| 6. | ![]() | 9 | 3 | 3 | 3 | 17:18 | 12 | |
| 7. | ![]() | 9 | 3 | 4 | 2 | 14:20 | 11 | |
| 8. | ![]() | 9 | 3 | 5 | 1 | 11:13 | 10 | |
| 9. | ![]() | 9 | 3 | 5 | 1 | 15:23 | 10 | |
| 10. | ![]() | 9 | 2 | 5 | 2 | 13:24 | 8 | |
| 11. | ![]() | 9 | 2 | 7 | 0 | 18:21 | 6 | |
| 12. | ![]() | 9 | 1 | 5 | 3 | 7:15 | 6 | |
| Super League (21.09.2026) | Sp | Pkt | ||
|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() | 9 | 25 | |
| 2. | ![]() | 9 | 19 | |
| 3. | ![]() | 9 | 19 | |
| 4. | ![]() | 9 | 13 | |
| 5. | ![]() | 9 | 13 | |
| 6. | ![]() | 9 | 12 | |
| 7. | ![]() | 9 | 11 | |
| 8. | ![]() | 9 | 10 | |
| 9. | ![]() | 9 | 10 | |
| 10. | ![]() | 9 | 8 | |
| 11. | ![]() | 9 | 6 | |
| 12. | ![]() | 9 | 6 | |
























