Fussball-Talk

    Fussball-Talk: «FC Basel zittert vor Ajeti – FCZ vor YB-Fassnacht!»

    Nau Sport
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    Bern,

    Beim YB-Sieg über den FCSG fliegt Edimilson nach Witz-Rot vom Platz. Jetzt wird er gesperrt. Und: Der FCB trifft auf Ajeti! Willkommen beim Fussball-Talk.

    YB
    Edimilson Fernandes fehlt YB für zwei Spiele. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach der Nullnummer gegen GC reist der FCB ins Tessin – und trifft auf Ex-Stürmer Albian Ajeti.
    • YB bezwingt den FCSG, jetzt wartet der FCZ. Doch am meisten Ärger verursacht ein Witz-Platzverweis.
    • Der neue GC-Anzug von Olaf Janssen scheint besser zu den Hoppers zu passen.
    • Fussball-Chefreporter Mischi Wettstein und Sportchef Christoph Böhlen im Gespräch.

    Nau.ch: Wir starten mit dem 0:0 zwischen dem FCB und GC. Mischi, du wurdest im Joggeli nicht gerade verwöhnt?

    Mischi Wettstein: Das stimmt überhaupt nicht, ich wurde bestens unterhalten! In erster Linie von den vielen Fehlern, die sich die FCB-Verteidigung geleistet hat. So kam GC zu zahlreichen Chancen – damit hätte ich nicht gerechnet. Es hat mich überrascht, war die FCB-Defensive so unstabil.

    FC Basel
    Zwischen dem FC Basel und GC fallen keine Tore. - keystone

    Christoph Böhlen: So richtig eingeschlagen hat der neue Trainer beim FCB noch nicht, wenn ich mir die Resultate anschaue…

    Mischi Wettstein: Slavisa Jokanovic macht auf mich einen besonnenen Eindruck, er scheint etwas vom Fussball zu verstehen. Aber er kann auch nur mit den Karten spielen, die ihm zur Verfügung stehen. Er ist ein armer Kerl, wenn er mit Aussenverteidiger Moussa Cissé starten muss. Ich wiederhole mich, aber das reicht einfach nicht.

    Und bei Clément Michelin denke ich nach wie vor zuerst an einen Pneu, als an den neuesten FCB-Aussenverteidiger. Wenn dazu auch noch Abwehrboss Flavius Daniliuc ausser Form ist, wird das beim FCB eben sehr wackelig.

    Christoph Böhlen: Mischi, du sagst in deiner heutigen «Nachspielzeit», dass der FCB derzeit nur noch Mittelmass ist. Aber das sage ich doch schon seit Wochen?

    Dieses Kader ist nicht so gut, wie viele denken: Es hat zwar einige Talente, aber das allein reicht nicht. Auf mich wirkt das Team wie ein wild zusammengewürfelter Haufen Spieler, die man gerne bald einmal teuer verkaufen will.

    Aber wer soll das Team führen, ausser Xherdan Shaqiri? Und wie soll man sich als Fan mit diesem Team identifizieren, bei all den Wechseln?

    FCB
    Auch Captain Xherdan Shaqiri kann den FCB nicht zum Sieg über GC führen. - keystone

    Mischi Wettstein: Wo ich dir recht gebe: Der FCB ist noch keine Einheit auf dem Platz. Aber man kann dem Team die Mentalität nicht absprechen. Die Basler wollten!

    Was mir als Basler aber Sorgen machen würde: Das Joggeli ist keine Festung mehr! Es wirkt eher wie ein Kartenhaus, das beim kleinsten Windstoss arg wackelt und Einsturzgefahr herrscht.

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    FCB-Goalie Jonas Omlin nach dem 0:0 gegen GC im Interview. - Nau.ch

    Nau.ch: Am Sonntag reist der FCB zu Leader Lugano ins Tessin. Ist das der Ort, an dem man den Bock umstossen kann?

    Mischi Wettstein: Böhli, du wirst jetzt lachen – aber das kann ich mir vorstellen! Alle erwarten eine Niederlage, das kann die Chance für den FCB sein. Auch wenn der Blick in meine Glaskugel aktuell etwas anderes voraussieht.

    Was traust du dem FCB in Lugano zu?

    Christoph Böhlen: In dieser Form hat der FCB in Lugano keine Chance. Die Bebbi zittern sicher schon vor Ex-Stürmer Albian Ajeti, der im Tessin richtig aufblüht: Sechs Tore in zehn Einsätzen – auch beim 3:2-Sieg bei Meister Thun trifft er.

    Für diesen Sieg reicht dem Team von Croci-Torti sogar eine mittelmässige Leistung. Das könnte übel werden für den FCB. Aber nochmal zurück zu gestern: Wie fandest du eigentlich GC?

    FC Lugano
    Albian Ajeti findet beim FC Lugano zu alter Form zurück. - keystone

    Mischi Wettstein: «Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben», sang ja bereits Schlagerstar Jürgen Marcus. Bei den Hoppers ist unter Olaf Janssen eine andere Handschrift sichtbar. Und Olaf ist mit seiner sympathischen Art und seinem Auftreten nicht so weit vom Schlagerstar entfernt.

    GC hat eine klare Philosophie, trägt mehr Sorge zum Ball – das gibt dem Team Sicherheit. Ich habe aktuell das Gefühl, dieser neue Anzug könnte GC weiterbringen. Bei Manex Guibelalde habe ich jetzt gesehen, dass er den Hoppers helfen kann. Wenn er so spielt wie gegen den FCB.

    GC
    GC spielt unter Trainer Olaf Janssen einen anderen Fussball. - keystone

    Christoph Böhlen: Also Mischi, bei allem Respekt für deine Lobeshymne…

    Mischi Wettstein: Halt, Böhli: Das ist keine Lobeshymne. Aber ich weiss, worauf du hinaus willst.

    Christoph Böhlen: Eben: Die beiden kommenden Spiele gegen Lausanne und Vaduz sind eminent wichtig für die Hoppers! Will man nicht zum vierten Mal in die Barrage (oder noch tiefer) fallen, muss man gegen diese beiden Gegner den Aufwärtstrend bestätigen.

    Schafft GC unter Olaf Janssen den Klassenerhalt?

    Nau.ch: Wollt ihr zum Sonntag noch etwas loswerden?

    Mischi Wettstein: Ich habe mich bei Lugano gegen Thun geärgert: Wie kann es sein, dass die Aktion von Bürgy gegen Lugano-Stürmer Kevin Behrens kein Penalty ist? Da habe ich kein Verständnis.

    Das war für mich die «Krönung» des Schiri-Ärgers vom Wochenende. Aber zu diesem Thema willst du sicher noch explodieren, Böhli?

    Christoph Böhlen: «Kein Verständnis» ist ein gutes Stichwort. Was sich der VAR und Schiri Lukas Fähndrich bei YB gegen den FCSG erlaubt haben, ist eine Frechheit: Die Rote Karte gegen Edimilson Fernandes spottet jeder Beschreibung, sogar der betroffene FCSG-Captain Görtler sagt, Gelb hätte gereicht…

    Ich war immer gegen den VAR, aber es wird immer schlimmer. Warum meldet sich der Videoschiri in dieser Szene überhaupt?

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    Dieser Platzverweis gegen YB-Edimilson sorgt für Diskussionen. - srf

    Zunächst habe ich positiv darauf reagiert, dass der Verband am Sonntag zum Fehlentscheid steht. Dass Edimilson heute jetzt aber doch für zwei Spiele gesperrt wird, ist eine Frechheit.

    Mischi Wettstein: Was ich nicht verstehe: Der Schiri wird vor den Bildschirm geholt – aber warum setzt er sich mit seiner ursprünglichen Meinung nicht durch? Hat er eine Sehschwäche – oder warum zeigt er Rot?

    Dieses Zwei-Sperren-Urteil ist ein Kasperlitheater. Ich kann es nicht mehr ernst nehmen.

    Nau.ch: Was gibt es zum YB-Sieg sonst noch zu sagen?

    Christoph Böhlen: Es ist schade, geht der Auftritt wegen der Rot-Diskussion unter. YB zeigt gegen den FCSG ein gutes Heimspiel. Die Berner wirken stabil und haben die nötige Geduld gegen die Espen, die zuletzt zweimal im Wankdorf gewonnen haben.

    Mit Cédric Zesiger und Moritz Jenz sind die Berner jetzt auch defensiv eine Bank – es ist das dritte zu-Null-Spiel in Serie. Und: Die YB-Offensivkraft scheint sich übrigens herumgesprochen zu haben: Noch selten habe ich einen so ultradefensiven FCSG gesehen.

    YB
    YB bleibt weiterhin ungeschlagen. - keystone

    Mischi Wettstein: Ihr Berner braucht ja nicht mal mehr einen Trainer, um zu gewinnen… An dieser Stelle: Gute Besserung, Gerry Seoane! Und selbstverständlich braucht es dich in Bern. Aber Böhli, was läuft jetzt eigentlich mit Christoph «Wuschu» Spycher und Eintracht Frankfurt?

    Christoph Böhlen: Wir haben beide unsere Meinung platziert. Du rätst ihm, diese einmalige Ausgangslage mit Trainer Adi Hütter zu nutzen und diese Top-Chance zu packen. Ich hingegen denke, er wird in Bern bleiben. In den nächsten Tagen werden wir es erfahren.

    Mischi Wettstein
    Mischi Wettstein ist Fussball-Chefreporter bei Nau.ch. - Nau.ch

    Nau.ch: Am Sonntag kommt es zu eurem Direktduell: YB empfängt den FCZ!

    Mischi Wettstein: Böhli, Du hast vorhin gesagt, dass der FCB vor Ajeti zittert. So wird es dem FCZ mit Christian Fassnacht gehen: Ich erwarte erneute «Fasi-Festspiele» gegen seinen Ex-Club. Ich kann mich an kaum ein Spiel erinnern, in dem er nicht gegen die Zürcher getroffen hätte.

    Ich kenne die Qualitäten «meiner» FCZ-Defensive, inklusive der Abwehr, und erwarte am Sonntag nicht unbedingt das Punkte-Maximum… Oder eigentlich gar nichts!

    Wer setzt sich am Sonntag im Wankdorf durch?

    Christoph Böhlen: Ich hätte mehr Optimismus von dir erwartet. Du warst doch am Samstag im Letzigrund beim FCZ-Sieg gegen den FC Luzern?

    Mischi Wettstein: Natürlich, wo hätte ich sonst sein sollen? Bis zur 60. Minute war ich mit dem FCZ richtig zufrieden. Dann hat FCL-Coach Udo Portmann, der in der Pause richtig laut wurde, die bitternötigen Wechsel gemacht. Toggenburger und Winkler haben einen neuen Drive ins Spiel gebracht – und der FCZ musste plötzlich ein Schwimmkürsli nehmen.

    Christoph Böhlen: Zum Sieg hat es ja trotzdem gereicht. Der FCZ steht jetzt mit diesem Kader auf Rang 4 – ist Marcel Koller ein Zauberer? Für mich sind die Zürcher die Überperformer der aktuellen Saison.

    Mischi Wettstein: Du willst mich schon zum Wochenstart aus der Reserve locken, aber ich lasse mich nicht kitzeln. Zur Wiederholung: Der FCZ ist ein zartes Pflänzchen, ich erinnere dich an das Cup-Aus in Aarau, ich hätte lieber dort gewonnen. Aber lassen wir das.

    Ich sehe noch einige Schwachstellen beim FCZ, es fehlt beispielsweise ein Sheriff. Und wenn ich da an deine YB-Schnellzüge denke, heisst es für Sonntag: Anschnallen, bitte!

    FC Zürich
    Marcel Koller feiert einen Heimsieg mit dem FC Zürich. - keystone

    Nau.ch: Für den FCL geht es am Wochenende gegen Sion weiter.

    Christoph Böhlen: Die Walliser haben sich von der Derby-Klatsche gegen Servette erholt und mit dem 1:0-Sieg über Lausanne wieder eingespurt. Bei Schlusslicht Lausanne stehen die Zeichen aber eher auf Entgleisen. Ich bin gespannt, wie lange Luka Elsner noch im Amt bleibt. Sion hingegen geht als klarer Favorit ins Spiel gegen den FC Luzern, oder Mischi?

    Mischi Wettstein: Nach dem Spiel am Samstag gab es von mir einige Fragen an FCL-Coach Udo Portmann. Ich verstehe dort einiges nicht ganz: Man spielt eine Stunde einen Bockmist zusammen und sieht dann aber, dass es eigentlich funktionieren würde.

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    FCL-Trainer Udo Portmann beantwortet die Fragen von Nau.ch. - nau.ch

    Ich stelle mir beim FCL auch Fragen nach der Aufstellung, da bin ich anderer Meinung als Trainer Portmann. Aber ich wiederhole mich: Er muss Punkte sammeln, nicht ich.

    Dass er in der Pause laut wurde, ist das eine. Fussballer sind aber keine Klosterschüler – da musst du nicht zuerst kuscheln und zusätzliche Chancen auf Besserung anbieten. Klare Zeichen setzen, mit Auswechslungen schon in der Pause. So, dass man es nicht nur hört – sondern auch sieht und spürt.

    Nau.ch: Gibt es noch andere Spiele vom Wochenende, die euch aufgefallen sind?

    Mischi Wettstein: Servette bodigt Aufsteiger Vaduz 2:1 und bestätigt mich in meiner Meinung: Die Genfer sind neben Lugano und YB das Team der Stunde. Man stelle sich nur vor, wo Servette stehen würde, hätten sie den Saisonstart nicht dermassen in den Sand gesetzt. Aber die vielen Wechsel haben Zeit gebraucht – jetzt ist Servette offensichtlich im «Flow».

    Christoph Böhlen: Bevor du es sagst, erwähne ich es lieber selber: Mein «Aufstiegsfavorit» Aarau kann den Schwung aus dem Cup nicht mitnehmen und verliert zuhause nach früher Führung gegen Carouge.

    Damit nehmen sich die Aargauer langsam aber sicher endgültig aus dem Rennen. Ich frage mich, ob es nicht mal Zeit für einen neuen Impuls wäre.

    Glaubst du noch an einen Aarau-Aufstieg?

    Mischi Wettstein: Zu diesem Thema möchte ich mich eigentlich nicht mehr äussern. Aber ich habe gehört, dass man zuletzt über eine Vertragsverlängerung mit Brunello Iacopetta nachgedacht hat. Diese Idee dürfte man vielleicht nochmal überdenken, falls man doch noch irgendwann in die Super League aufsteigen möchte.

    Nau.ch: Zum Schluss wie immer: Was ist euch sonst noch aufgefallen?

    Mischi Wettstein: Im Joggeli haben die FCB-Fans gestern ein Plakat gezeigt: «E Brandstifter als Füürlöscher – verzwiiflet, wär e Böni muess iistelle». Die Muttenzerkurve schiesst also gegen FCB-Neuzugang Andreas Böni – aus meiner Sicht ist dieses Transparent ein Ritterschlag für Andi!

    FC Basel
    Die FCB-Fans wettern gegen Andreas Böni. - x.com/@Andy_123454321

    Denn: Böni wird beim FCB gar nichts anzünden, ausser vielleicht mal einen Grill. Er war vielleicht einst eine Art Brandstifter in einer anderen Rolle. Dort war es sein Job. Aber er kann auch das Gegenteil sein: Ein Vermittler und Friedensstifter!

    Er kennt das Klavier des Schweizer Fussballs in- und auswendig und ist ein Gewinn für den FC Basel. Wenn er richtig eingesetzt wird. Böni ist ein toller Typ und überhaupt nicht auf «Lämpe» aus, im Gegenteil.

    Christoph Böhlen: Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Ausser: Mein Werder Bremen gewinnt jetzt sogar bei Urs Fischers Mainz. Cedric Itten kam wieder zu einem Teileinsatz.

    Er hat Pech, dass der 33-jährige «Fülle» gerade im zweiten Karriere-Frühling ist und wie zu seinen besten Tagen performt. Ittens Konkurrent ist sogar wieder ein Thema bei Bundestrainer Jürgen Klopp.

    Nau.ch
    Christoph Böhlen, Sportchef bei Nau.ch. - Nau.ch
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    Kommentare

    User #4778 (nicht angemeldet)

    Zu seinen Entscheidungen stehen können einfach nicht alle.

    User #6460 (nicht angemeldet)

    Der Einsatz eines VAR hat sehr wohl seine Berechtigung; aber dessen Kompetenzzuteilung ist arg verbesserungswürdig.

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