Borussia Dortmund will als ernsthafter Bayern-Jäger auftreten. Doch auf die Schlappe im Supercup gegen den Rekordmeister folgt mit dem überraschenden 1:2 in Freiburg die nächste Ernüchterung.
BVB-Stürmer Erling Haaland (l) musste den Freiburgern beim Jubeln zuschauen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa
BVB-Stürmer Erling Haaland (l) musste den Freiburgern beim Jubeln zuschauen. Foto: Philipp von Ditfurth/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die schnelle Titel-Euphorie um Erling Haaland und Marco Reus scheint gleich wieder gedämpft.

Die Topstars von Borussia Dortmund sind erst mal ernüchtert.

Der maue Auftritt und das 1:2 beim SC Freiburg erinnerten an die Defizite, die der BVB mit dem neuen Trainer Marco Rose eigentlich abschütteln will. Zu oft verspielten die Dortmunder in den vergangenen Jahren gegen vermeintliche Aussenseiter die Meisterschaftschancen. Eilig stapfte der diesmal harmlose Haaland am Samstag in die Kabine. Für Manuel Akanji war der überraschende Rückschlag Anlass zur eindringlichen Warnung.

BVB-Profi Akanji ist wütend

«Wir machen dumme Fehler, zweimal», schimpfte der Abwehrspieler bei Sky: «Wir können den Gegner nicht zum Toreschiessen einladen. Das darf nicht passieren, schon gar nicht, wenn wir den Anspruch Champions League haben.» Und die Ambitionen, ein ernsthafter Konkurrent für den FC Bayern um die Meisterschaft zu sein. Vier Tage nach der Schlappe im Supercup gegen die Münchner zeigte sich der BVB erneut ohne Stammspieler wie Mats Hummels und Emre Can in der Startelf jedoch längst nicht in der Gala-Form vom 5:2 gegen Eintracht Frankfurt.

«Wir haben vorne nicht den Zugriff bekommen. Wir haben uns zu selten durchgespielt, weil wir uns zu wenig bewegt haben», kritisierte Reus. Der eingewechselte Julian Brandt klagte in der ARD: «Momentan schlagen wir uns nur selbst.»

Tormaschine Haaland erfolglos

Auch Haaland, zum Saisonauftakt sofort wieder als norwegische Naturgewalt gefeiert, enttäuschte. Anders als im DFB-Pokal und am ersten Bundesliga-Spieltag trat der 21-Jährige gegen die leidenschaftlich rackernden Freiburger nicht als der herausragende Anführer auf. Dortmunds Lizenzspieler-Chef Sebastian Kehl hatte vor dem Anpfiff zur rasanten Entwicklung Haalands gesagt: «So viel Hunger, so viel Ehrgeiz, da sind auf jeden Fall noch ein paar Schritte möglich, auch in dieser Saison.»

Doch an diesem sommerlichen Fussballnachmittag im Breisgau gelang auch dem umworbenen Topangreifer Haaland - wie schon gegen die Bayern - kein Tor. Seine Abschlüsse blieben harmlos. Für den Anschluss sorgte allein ein Eigentor von Yannik Keitel (59.). Schöne Tore, wie sie von Dortmund zu erwarten gewesen wären, schossen die Freiburger, die als Club nicht mehr so klein sind wie sie sich gern darstellen.

Der herrlich direkt verwandelte Freistoss von Vincenzo Grifo setzte den BVB früh unter Druck (6. Minute). Fein spielten Wooyeong Jeong, Lucas Höler und Torschütze Roland Sallai einen Konter aus (53.) - etwa so, wie man es vorher eher von Reus oder Haaland erwartet hätte. Mit Effizienz und geschicktem Verteidigen entzauberten die Badener den BVB zum zweiten Mal nacheinander. Erst im Februar war eine Serie von 19 sieglosen Partien des SC gegen Dortmund zu Ende gegangen.

«Das war zwar ein super Freistoss, aber den hätten wir verhindern können», meckerte Akanji: «Und das zweite Gegentor ist ein Konter nach Ballverlust. Das darf uns nicht passieren. Es kann ja mal sein, dass jemand besser ist als wir. Aber so dürfen wir die Spiele nicht verlieren.» Es half den Dortmundern nichts, dass mit 70 Prozent Ballbesitz, 19:8-Torschüssen und 10:0-Ecken die Statistiken für sie sprachen und Freiburgs Trainer Christian Streich einräumte, «Glück» gebraucht zu haben. In den drei Pflicht-Duellen mit Erstligisten in der Saison hat sich der Pokalsieger schon sieben Gegentore geleistet.

BVB-Coach Rose ändert seinen Anspruch nicht

«Es ändert sich nichts an unserem Anspruch. Wir haben heute ein Spiel verloren. Unser Anspruch ist, dass wir das nächste Spiel gewinnen», stellte Trainer Rose klar, dem damit auch kein besserer Saisonstart gelungen ist als seinem Vorgänger Edin Terzic.

Immerhin wertete es der Coach als Schritt in die richtige Richtung, dass die Rückkehrer Hummels, Can und Brandt erste Spielpraxis sammelten. Raphael Guerreiro musste nach nur einem Teamtraining Ende der ersten Hälfte für den angeschlagenen Nico Schulz ran. Schon am Freitag gegen die TSG 1899 Hoffenheim dürfte Rose von Beginn an auf den einen oder anderen zuletzt schmerzlich vermissten Profi setzen. Und er wird darauf hoffen, dass Haaland wieder in Gala-Form spielt.

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