Kameras am Bahnhof Bern: «Man vergisst, dass sie da sind»
Im Rahmen des Umbaus am Bahnhof Bern werden auch die Gleise angepasst. Warum hängt beim bereits umgebauten Gleis 9/10 alle 20 Meter eine Kamera von der Decke?

Das Wichtigste in Kürze
- Auf dem umgebauten Gleis 9/10 am Bahnhof Bern hängt alle 20 Meter eine auffällige Kamera.
- Auf Anfrage von Nau.ch erklärt eine SBB-Mediensprecherin, wozu es die Kameras braucht.
- Die Kameras seien auch auf den anderen Gleisen vorhanden, jedoch weniger gut sichtbar.
Das erste Gleis am Bahnhof Bern, Gleis 9/10, ist fertig umgebaut. Was dabei besonders auffällt: Etwa alle 20 Meter hängt eine auffällige Kamera vom neu installierten sogenannten Deckensegel.
Bereits Ende 2024 gab die Projekt-Website «Zukunft Bahnhof Bern» den Bau der neuen Deckensegel bekannt. Von den unzähligen Kameras, die dort nun hängen, war damals nicht die Rede. Auch auf der Visualisierung von 2024 fehlen sie.
Doch wozu braucht es diese vielen Kameras? Nau.ch hat bei der SBB nachgefragt.
Im ersten Augenblick scheint es, als wären auf dem neuen Gleis mehr Kameras installiert als auf den nicht umgebauten Gleisen. Dies sei jedoch nicht der Fall: «Sie sind einfach besser sichtbar», sagt Sabrina Schellenberg, Mediensprecherin der SBB, zu Nau.ch.
Zugreisende werden also auch nach dem Umbau des Bahnhofs nicht stärker überwacht als bisher. Dennoch werden sich einige Pendler fragen: Wozu braucht es diese vielen auffälligen Kameras?
Kameras helfen den Zugbegleitern
Des Rätsels Lösung liegt laut Sabrina Schellenberg in der Lage des Bahnhofs Bern: «Weil der Bahnhof in einer Kurve liegt, ist es für Kundenbegleiterinnen und -begleiter schwer, den Zug im Überblick zu behalten.»

Besonders bei langen Zügen sehe man aufgrund der Kurve nicht, ob alle Türen frei seien. «Die Kundenbegleiterinnen und -begleiter können die Türen über einen Bildschirm auf dem Perron überwachen», erklärt Schellenberg. Dies sei der einzige Verwendungszweck der Kameras.
Je nach Lage des Gleises braucht es mehr Kameras
Auch die anderen Gleise des Bahnhofs Bern sind laut der Mediensprecherin mit Kameras ausgestattet. «Die Anzahl der Kameras hängt davon ab, wie stark das Gleis in der Kurve liegt.»
Die Kameras werden auch in anderen Bahnhöfen eingesetzt, die in einer Kurve liegen. Auch am Zürcher Hauptbahnhof findet man sie.

Hinsichtlich des Datenschutzes sind die vielen Kameras unbedenklich. Die Verordnung über die Videoüberwachung im öffentlichen Verkehr regelt nicht, wie viele Kameras zugelassen sind.
Auffällige Kameras haben nicht unbedingt eine abschreckende Wirkung
Durch die bessere Sichtbarkeit könnte man meinen, dass die Kameras eine abschreckende Wirkung für Straftäter haben. Laut Datenschutz-Expertin Ursula Uttinger von der Hochschule Luzern sei dieser Effekt jedoch überschaubar.
«Man vergisst schnell, dass es überall Kameras hat», so Uttinger. Und veranschaulicht das so: «London ist mit den vielen Überwachungskameras auch nicht unbedingt viel sicherer geworden.»
Der Umbau des Bahnhofs und somit der Gleise wird voraussichtlich 2031 fertig sein, zwei Jahre später als ursprünglich geplant.
Grund für die Verzögerung sind statische Probleme, lückenhafte Pläne und Schadstoffbefunde. Die Mehrkosten, die dadurch zustande kommen, betragen 200 bis 250 Millionen Franken.














