Sportarzt zu Fall Musiala: Diese Risiken muss man berücksichtigen
Jamal Musiala kollabierte in zwei Testspielen und spricht von «neurologischen Dysfunktionen». Ein Sportmediziner ordnet gegenüber Nau.ch mögliche Risiken ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Bayern Münchens Jamal Musiala ist in zwei Testspielen nacheinander zusammengebrochen.
- Der 23-Jährige schreibt: «Es wurden bei mir temporär kurz auftretende Absencen festegstellt.»
- Sportmediziner Dr. Walter O. Frey warnt: «Ein Leistungssportler spürt Warnsignale nicht.»
- Er sieht gefährliche Situationen «wenn der Spieler mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist und im Moment des Gegnerkontaktes».
Kurz vor Saisonstart versetzt Jamal Musiala die Fussball-Welt in Sorge: Der Spieler von Bayern München kollabiert gleich in zwei aufeinanderfolgenden Testspielen. Gegen Heidenheim geht der 23-Jährige am Dienstag nur wenige Minuten nach seiner Einwechslung zu Boden.

Musiala schreibt daraufhin via Instagram: «Es wurden bei mir temporär kurz auftretende Absencen festgestellt, welche auf neurologische Dysfunktionen zurückzuführen sind.» Es sei aber trotz Diagnose sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, weiterhin zu spielen.
Sportmediziner Frey: «Leistungssportler spürt Warnsignale nicht»
Wie gross die Risiken dabei sind, lasse sich ohne genaue Diagnose schwer beurteilen, sagt Sportmediziner Dr. med. Walter O. Frey von der Klinik Hirslanden gegenüber Nau.ch.
Für ihn steht aber fest: «Ein Athlet wie Jamal Musiala wird von Top-Ärzten betreut, die ihn nur spielen lassen, wenn dies von der Risikoseite her vertretbar ist.»

Gleichzeitig müsse bei einem Leistungssportler berücksichtigt werden, dass er häufig über seine eigenen Grenzen hinausgehe. «Er ist dann einzig seiner Leistung verpflichtet und spürt seinen Körper und dessen Warnsignale nicht mehr», sagt Frey.
Das müsse bei «der Risikoanalyse der Spielfähigkeit» unbedingt berücksichtigt werden. Im Fall von Musiala wurde offenbar entschieden, dass er trotzdem weiterhin trainieren und spielen kann.
Zwei gefährliche Situationen
Beim Fussball sieht der erfahrene Sportmediziner Frey im Vergleich zu anderen Sportarten einen Vorteil: «Während sich Wassersportler oder Kletterer in sehr gefährlicher Umgebung bewegen, steht der Fussballspieler auf sicherem Boden.»

Ganz ohne Risiken ist ein neurologischer Aussetzer auf dem Fussballplatz allerdings nicht. Frey sieht zwei gefährliche Situationen: «Wenn der Spieler mit hoher Geschwindigkeit unterwegs ist und im Moment des Gegnerkontaktes.»
In Musialas bisherigen Fällen kam es allerdings jeweils ohne Gegnerkontakt zum Zusammenbruch.
«Solche Episoden sollten behandelbar sein»
Im Fall von Musiala gibt es wohl reelle Chancen auf Besserung. «Prinzipiell sollten solche Episoden behandelbar sein», sagt Frey. «In der Regel gibt dann erst der Verlauf endgültig Bescheid über den Erfolg einer Behandlung.»

Für Musiala setzt sich eine schwierige Zeit fort. Das einstige Wunderkind verpasste wegen eines Wadenbeinbruchs einen grossen Teil der letzten Saison. Im Anschluss konnte er seinen Stammplatz bei Bayern München nicht mehr zurückerobern.
Am kommenden Samstag (20.30 Uhr) startet Bayern München mit dem Supercup-Final gegen Borussia Dortmund in die Saison. Das erste Spiel in der Bundesliga steht am darauffolgenden Freitag gegen den VfB Stuttgart an.












