Real Madrid: Rassismus-Skandal überschattet CL-Spiel gegen Benfica
Ein möglicher Rassismus-Eklat hat das Champions-League-Spiel zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon überschattet.

Das Wichtigste in Kürze
- Das Real-Spiel wurde nach Rassismus-Vorwürfen gegen einen Benfica-Spieler unterbrochen.
- Mehrere Spieler und frühere Profis verurteilten den Vorfall deutlich.
- Auch die Aussagen von José Mourinho sorgten im Anschluss für Kritik.
Der Champions-League-Abend zwischen Real Madrid und Benfica Lissabon (1:0) wird von schweren Rassismus-Vorwürfen überschattet. Die Partie im Estádio da Luz wurde nämlich am Dienstagabend rund zehn Minuten unterbrochen.
Der Grund: Real-Stürmer Vinicius Junior hatte dem Schiedsrichter eine mutmassliche rassistische Beleidigung durch Benficas Gianluca Prestianni gemeldet.
Auslöser der Szene war das Führungstor der Madrilenen. Vinicius brachte Real Madrid kurz nach der Pause mit einem spektakulären Treffer (50.) in Front. Danach zeigte er einen ungewöhnlichen Jubel und tanzte an der Eckfahne.
Wenig später ging er auf Gegenspieler Prestianni zu und lief anschliessend aufgebracht in Richtung Schiedsrichter. Auf TV-Bildern ist zu sehen, wie sich der Argentinier das Trikot vor den Mund hält. Möglicherweise, um eine mutmassliche Beleidigung zu verdecken.
Mourinho erhält Gelb-Rot bei Spiel gegen Real Madrid
Vinicius erhielt für seinen Protest beim Schiri jedoch ein gelbe Karte – Prestianni erhielt keine Verwarnung. Die Stars von Real Madrid verliessen daraufhin vorübergehend den Platz. Nach knapp zehn Minuten – inklusive einer Rede von Benfica-Trainer José Mourinho – kehrten die Madrilenen schliesslich zurück.
Brisant: Im Spiel forderte Mourinho später nach einem Foul von Vinicius am eigenen Strafraum wohl zu recht eine gelbe Karte. Der Schiri verzichtete aber wohl darauf, da er zuvor eine Gelbe zeigte, als der Brasilianer den mutmasslichen Rassismus-Skandal meldete.

Daraufhin drehte Mourinho völlig durch und sah dafür selber eine Gelbe-Karte. Weil er sich auch danach nicht beruhigte, erhielt der Benfica-Trainer direkt die Gelb-Rote. Also die Karte, die er vom Schiri für Vinicius gefordert hatte.
Aussagen von Mourinho sorgen für Diskussionen
Vinicius, der bereits mehrfach Ziel rassistischer Anfeindungen war, schrieb nach dem Spiel in den sozialen Medien: «Rassisten sind vor allem Feiglinge». Deutliche Kritik kam auch von Mitspieler Trent Alexander-Arnold. Der englische Nationalspieler bezeichnete den Vorfall als «Schande für den Fussball».
Für zusätzliche Kontroversen sorgten Aussagen von Mourinho nach dem verlorenen Match. Er erklärte, Vinicius habe sein Tor «nicht respektvoll» gefeiert. Er deutete gar an, dass in Stadien, in denen der Brasilianer spiele, «immer etwas passiere». Auf die Frage, ob Vinicius das Publikum provoziert habe, antwortete Mourinho: «Ja, das glaube ich.»

Der Portugiese betonte zugleich, Benfica sei «alles andere als ein rassistischer Klub» und verwies auf Vereinslegende Eusébio als Beispiel. Er habe von Vinicius und Prestianni unterschiedliche Darstellungen gehört und wolle «unabhängig bleiben».
Diese Aussagen lösten scharfe Reaktionen aus. Ex-Real-Profi Clarence Seedorf kritisierte gegenüber der «BBC», Mourinho habe «einen grossen Fehler gemacht». Die Worte könnten als Rechtfertigung rassistischer Beleidigungen verstanden werden, so der Niederländer. Auch Theo Walcott meinte, Mourinho hätte sich an diesem Abend besser nicht vor die Kameras gestellt.
Wird Benfica-Spieler ausgeschlossen?
Real-Star Kylian Mbappé forderte Laut Berichten direkte Konsequenzen für Benficas Gianluca Prestianni. Der französische Teamkollege von Vinicius erklärte, ein Spieler, der sich so verhalte, verdiene es nicht, in der CL zu spielen.
Die Uefa dürfte sich nun mit dem Fall rund um Real Madrid befassen. Das Rückspiel findet kommende Woche in Spanien statt – unter besonders grosser Beobachtung.
















