Patrick Fischer spricht: «Mein damaliger Entscheid war falsch»
Ex-Naticoach Patrick Fischer bricht sein Schweigen: «Mein damaliger Entscheid war falsch!» Der Trainer musste die Nati kurz vor der Heim-WM verlassen.

Das Wichtigste in Kürze
- Patrick Fischer spricht erstmals nach seiner Entlassung als Coach der Hockey-Nati.
- Rückblickend sagt er, sein Entscheid mit dem gefälschten Zertifikat sei falsch gewesen.
Kurz vor der Heim-WM muss Patrick Fischer seinen Posten als Nati-Trainer räumen. Im Zuge einer SRF-Dokumentation kommt raus: Fischer hatte für Olympia 2022 ein Covid-Zertifikat gefälscht.

Der Nati-Coach liess sich nicht impfen, lügt die Öffentlichkeit an – und wird für die Urkundenfälschung verurteilt.
Das fällt ihm kurz vor seinem letzten Turnier als Nati-Trainer auf die Füsse: Fischer muss gehen, Nachfolger Jan Cadieux übernimmt vorzeitig. Und führt das Team in den Final, wo sich die Nati erneut mit Silber begnügen muss.
Nach der Heim-WM äussert sich Ex-Coach Patrick Fischer nun erstmals in der Öffentlichkeit. In einem Interview auf seinem Youtube-Kanal erklärt er seine Sicht der Dinge.
Fischers Haltung zur Impfung war dem Verband bekannt
Patrick Fischer macht deutlich, dass seine klare Haltung zur Covid-Impfung innerhalb des Verbands bekannt gewesen sei. Vor diesem Hintergrund habe ihm der SIHF im Herbst 2021 einen Vertrag mit einer Covid-Klausel vorgelegt.

Diese verpflichtete ihn, sämtliche geplanten Einsätze als Nationaltrainer wahrzunehmen: «Der Vertrag sah hohe finanzielle Sanktionen vor, falls ich aufgrund des fehlenden Impfzertifikats bestimmte Verpflichtungen in der Funktion als Head Coach nicht wahrnehmen könnte», so Fischer.
Der Druck, eine Lösung für die Teilnahme für Olympia 2022 in Peking zu finden, sei entsprechend gross gewesen. Die Lösung war die Fälschung des Covid-Zertifikats.
Heute sei Fischer bewusst, dass sein damaliger Entscheid falsch gewesen sei. «Rückblickend wäre es der richtige Entscheid gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben. Und die Konsequenzen zu tragen.»

Fischer trennt im Interview zwischen seinen persönlichen Überzeugungen und seiner Rolle als Coach. «Mit der Verantwortung als Nationaltrainer war das nicht richtig. Ich hätte damals als Nati-Coach nicht mit einem gefälschten Covid-Zertifikat einreisen dürfen.»
Hat Fischer also seine Vorbildfunktion verletzt? «Als Nati-Trainer definitiv, da gibt es nichts schönzureden.»
Patrick Fischer: «Wurden täglich auf Corona getestet»
Ein Vorwurf, der Fischer in der Folge gemacht wird: Er habe mit seiner verweigerten Impfung das ganze Team – und damit die Olympia-Mission gefährdet.
Dieser Ansicht widerspricht der 50-Jährige. Und bezieht sich dabei auf das umfassende Test- und Schutzregime in Peking.

Fischer: «Weil wir vor der Abreise, bei der Einreise und während der gesamten Olympischen Spiele täglich getestet wurden. Positive Fälle wurden sofort isoliert.»
«Jetzt ist der richtige Zeitpunkt gekommen»
Dass sich der Ex-Naticoach erst Wochen nach seinem Rauswurf zu Wort meldet, habe einen einfachen Grund: «Ich wollte die Weltmeisterschaft abwarten. Aus Respekt gegenüber der Mannschaft, den Fans, dem Turnier und allen Menschen, die mit viel Leidenschaft zu diesem Anlass beigetragen haben.»

Es sei viel spekuliert worden, jetzt sei der richtige Moment gekommen, seine Sicht darzulegen, erklärt Fischer. Und er blickt dabei auch auf die abgelaufene Heim-WM zurück, bei der die Nati erneut Silber holte.
Fischer war beim Final sogar im Stadion. Und sagt mit Blick auf das dritte verlorene Endspiel in Serie: «Drei WM-Finals in Folge erreicht man nicht zufällig. Das ist das Resultat von harter Arbeit, Vertrauen und einer aussergewöhnlichen Mannschaft.»
«Erfüllt mich mit Stolz»
Auch wenn er festhält, dass Silber nicht das angestrebte Ziel gewesen sei. «Aber es erfüllt mich mit Stolz, dass die Schweiz erneut einen WM-Final erreicht und während des Turniers erstmals die Nummer 1 der Weltrangliste geworden ist.»
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Tief bewegt zeigt sich Fischer auch von der Unterstützung, die er und seine Familie in den vergangenen Wochen erfahren haben: «Die Solidarität war überwältigend. Meine Familie und ich haben unzählige Nachrichten erhalten. Dafür werden wir immer dankbar sein.»

Als Fischer über seine Frau spricht, die in dieser Zeit gelitten habe, bricht ihm die Stimme mehrfach und er ist den Tränen nahe.












