Universitäts-Niveau: So erlebte Zuger Schüler die Physik-Olympiade

Uwe Guntern
Uwe Guntern

Region Zug,

Kai Spirk aus Oberägeri gehörte zum Schweizer Team an der Internationalen Physik-Olympiade in Kolumbien – statt Sommerferien warteten Formeln und Experimente.

Physik-Olympiade
Die Schweizer Teilnehmenden (von links): Kai Spirk, Laetitia Orglmeister, Leo Swedenborg, Léonard Duparc und Levin Glatz. - Physik-Olympiade

Für viele bedeuten Sommerferien Ausschlafen, Reisen oder Zeit mit Freunden. Für Kai Spirk aus Oberägeri standen stattdessen Formeln, Experimente und anspruchsvolle Prüfungen auf dem Programm.

Der Schüler der Kantonsschule Zug gehörte zu den Schweizern an der Internationalen Physik-Olympiade, die vom 4. bis 12. Juli im kolumbianischen Bucaramanga stattfand.

Gemeinsam mit den besten Nachwuchsphysikerinnen und -physikern aus insgesamt 95 Ländern stellte sich der Zuger einer der anspruchsvollsten Wissenschaftswettbewerbe der Welt. Obwohl es für ihn am Ende nicht zu einer Auszeichnung reichte, blickt er auf eine unvergessliche Woche zurück.

Die Elite der jungen Physik trifft sich

Die Internationale Physik-Olympiade gilt als Weltmeisterschaft für physikbegeisterte Jugendliche. Wer teilnehmen darf, hat sich zuvor in einem mehrstufigen Auswahlverfahren gegen zahlreiche Konkurrentinnen und Konkurrenten durchgesetzt.

Für die Schweiz reisten fünf Jugendliche nach Kolumbien, dazu kamen zwei Teilnehmer aus dem Fürstentum Liechtenstein. Alle verbindet die Begeisterung für Naturwissenschaften – und die Bereitschaft, sich freiwillig mit Themen auseinanderzusetzen, die weit über den Schulstoff hinausgehen.

physik
Formeln auf einer Tafel (Symbolbild) - Pexels

«Zweimal Bronze und zwei Ehrenmeldungen sind ein gutes Resultat für die Schweiz», bilanziert Teamleiterin Clémence Bachmann. Besonders in der theoretischen Prüfung habe sich die Schweizer Delegation stark präsentiert.

Von gewöhnlichem Unterricht konnte in Kolumbien keine Rede sein. Die Teilnehmenden mussten zwei Prüfungen absolvieren, die jeweils fünf Stunden dauerten. In der theoretischen Runde ging es unter anderem um die Frage, wie sich Sonnenlicht möglichst effizient zum Kochen nutzen lässt.

Dabei waren nicht nur physikalisches Wissen, sondern auch mathematische Präzision und kreatives Denken gefragt. Ebenso anspruchsvoll verlief die praktische Prüfung.

Dort untersuchten die Jugendlichen die Eigenschaften eines idealen Gases und mussten experimentelle Messungen durchführen sowie ihre Resultate auswerten. Die Aufgaben orientieren sich an Universitätsniveau und verlangen weit mehr als das, was im regulären Gymnasialunterricht vermittelt wird.

Schweizer Team überzeugt

Auch wenn keine Gold- oder Silbermedaille nach Hause ging, durfte sich die Schweizer Delegation über ein respektables Resultat freuen. Léonard Duparc aus dem Kanton Waadt und Levin Glatz aus dem Aargau gewannen jeweils eine Bronzemedaille.

Ehrenmeldungen erhielten Laetitia Orglmeister aus dem Kanton Uri, Leo Swedenborg aus Zürich sowie der Liechtensteiner Elias Hohenegger. Für Kai Spirk blieb eine Auszeichnung zwar ausser Reichweite.

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Seine Teilnahme allein ist jedoch bereits ein Beweis dafür, dass er zu den talentiertesten jungen Physikerinnen und Physikern der Schweiz gehört.

Mehr als ein Wettbewerb

Neben den Prüfungen bot die Olympiade auch Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen. Die Organisatoren führten die Jugendlichen unter anderem in das historische Städtchen Barichara sowie zum spektakulären Chicamocha-Canyon.

«Der Ausblick war wahrhaftig atemberaubend», erzählt Kai rückblickend. Noch wichtiger als die beeindruckenden Landschaften seien für ihn aber die Begegnungen mit Gleichgesinnten aus aller Welt gewesen.

Junge Menschen aus Asien, Europa, Afrika, Nord- und Südamerika tauschten sich nicht nur über Physik aus, sondern lernten auch die unterschiedlichen Kulturen kennen. Gerade dieser internationale Austausch macht den besonderen Reiz der Wissenschafts-Olympiaden aus.

Aus Konkurrentinnen und Konkurrenten werden oft Freunde, die über Jahre hinweg in Kontakt bleiben.

Ein Besuch aus der Heimat

Auch bei der Schlussfeier fehlte ein Stück Schweiz nicht. Eine Diplomatin der Schweizer Botschaft in Bogotá reiste eigens nach Bucaramanga, um der Delegation persönlich zu ihren Leistungen zu gratulieren.

Für die Jugendlichen war dies ein würdiger Abschluss einer intensiven Woche, die von langen Prüfungstagen, vielen Gesprächen und neuen Eindrücken geprägt war.

Talente früh fördern

Die Internationale Physik-Olympiade ist Teil der Wissenschafts-Olympiaden Schweiz. Jedes Jahr nehmen rund 10'000 Jugendliche an Wettbewerben, Workshops und Lagern in elf verschiedenen Fachgebieten teil – von Astronomie über Mathematik bis Robotik oder Wirtschaft.

Ziel ist es, junge Talente früh zu entdecken und ihre Begeisterung für Wissenschaft zu fördern. Organisiert werden die Programme grösstenteils von Freiwilligen–Studierenden, Forschenden und Lehrpersonen, die viel Zeit und Engagement investieren.

Wer sich in den nationalen Wettbewerben durchsetzt, darf die Schweiz an internationalen Olympiaden vertreten.

Motivation für die Zukunft

Für Kai Spirk dürfte die Reise nach Kolumbien weit mehr gewesen sein als ein Wettbewerb. Die intensive Auseinandersetzung mit komplexen physikalischen Fragestellungen, der Austausch mit den besten Nachwuchstalenten der Welt und die internationalen Begegnungen bieten Erfahrungen, die weit über den Schulalltag hinausreichen.

Auch wenn am Ende keine Medaille um seinen Hals hing, nimmt der Oberägerer etwas mit, das sich kaum in Punkten messen lässt: neue Freundschaften, wertvolle Erfahrungen und die Gewissheit, Teil einer weltweiten Gemeinschaft junger Menschen zu sein, die ihre Begeisterung für Wissenschaft verbindet.

Und vielleicht war genau das der grösste Gewinn dieser Reise – denn wer schon früh erlebt, wie Wissenschaft Menschen über Ländergrenzen hinweg zusammenbringt, gewinnt oft weit mehr als nur einen Platz auf dem Siegerpodest.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in der «Zuger Woche» erschienen.

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Kommentare

User #5947 (nicht angemeldet)

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