Defensive als klare Schwäche vor der WM - Söderholm kritisch

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Slowakische Republik,

Vor dem WM-Auftakt des deutschen Eishockey-Nationalteams gibt die Defensive Anlass zur Sorge. Bundestrainer Toni Söderholm kritisiert die Probleme deutlich schärfer als seine Spieler. In Kosice steht vor der Pflichtaufgabe am 11. Mai noch eine Menge Arbeit an.

Im Spiel gegen das US-Team wurden die deutschen Torhüter oft alleingelassen. Foto: Uwe Anspach
Im Spiel gegen das US-Team wurden die deutschen Torhüter oft alleingelassen. Foto: Uwe Anspach - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor seiner WM-Premiere als Eishockey-Bundestrainer hat Toni Söderholm noch erhebliche Sorgen.

Anders als dem Grossteil seiner Spieler bereitet dem Finnen die Defensive Kummer.

Im Gegensatz zur Offensive um Weltklasse-Stürmer Leon Draisaitl sind die Probleme in der Abwehr vor dem ersten Training in Kosice und dem deutschen Vorrunden-Auftakt am 11. Mai gegen Grossbritannien zunehmend offensichtlich. Eindringlich ermahnte Söderholm deswegen all seine Einzelkönner, konsequenter zu verteidigen.

«Man muss auch sagen, dass die Fehler, die in der Defensive passieren, nicht immer von den Verteidigern gemacht wurden», sagte der Finne der Deutschen Presse-Agentur vor dem Abflug in die Slowakei. «Wir reden jetzt davon, dass wir gegen die absolut Besten der Welt spielen, da kannst du nicht viel Freiraum lassen.»

Im letzten WM-Test in Mannheim gegen das NHL-Star-Ensemble der USA waren beim zu hohen 2:5 nicht wie befürchtet die mit Skepsis beobachteten Torhüter Mathias Niederberger und Niklas Treutle die Unsicherheitsfaktoren. Das Abwehrverhalten allgemein liess gegen den WM-Mitfavoriten zu wünschen übrig, auch wenn das Ergebnis zu deutlich ausfiel und Deutschland das letzte Tor ohne Torhüter und mit einem Feldspieler mehr auf dem Eis kassierte.

«Wir sind nicht ganz im Spielplan geblieben», bemängelte Söderholm. Der 41 Jahre alte Coach wirkt vor dem WM-Start beunruhigter als seine Auswahl. Die Spieler beschwichtigten, nur Kapitän Moritz Müller forderte ebenfalls, die Abwehrarbeit als Aufgabe des Kollektivs anzusehen: «Wir müssen einfach begreifen, dass das Spiel ohne Scheibe genauso wichtig ist wie das Spiel mit Scheibe.»

Zu oft waren die beiden international noch nicht allzu erfahrenen Torhüter Niederberger und Treutle gegen die NHL-Stars aus den USA allein gelassen worden. Insbesondere der Nürnberger Treutle war deswegen auch zu Glanztaten gezwungen, als er nach gut der Hälfte der Spielzeit absprachegemäss den Düsseldorfer Niederberger ablöste.

Das Problem der fehlenden Balance ist nicht neu im deutschen Spiel und zieht sich durch die Vorbereitung. Bei vier Niederlagen in den sieben Testspielen kassierte die Auswahl insgesamt 18 Treffer. Die Qualität der Offensive mit NHL-Ausnahmestürmer Draisaitl und Nordamerika-Kollege Dominik Kahun scheint deutlich besser als die der Verteidigung. «Wir haben insgesamt sehr viel Qualität», antwortete Niederberger darauf angesprochen ausweichend: «Wir haben insgesamt noch Potenzial nach oben, was die Konstanz angeht.»

Welcher Torhüter am Samstag gegen Aufsteiger Grossbritannien zunächst das Vertrauen erhält, liess Söderholm offen. Der Nachfolger von Erfolgscoach Marco Sturm hatte auf die erfahrenen Dennis Endras vom Meister Mannheim und Danny aus den Birken vom Vize-Champion München verzichtet. Fest hatte er damit gerechnet, noch mindestens einen NHL-Torhüter berufen zu können. Doch Thomas Greiss sagte verletzt ab. Philipp Grubauer ist mit Colorado in den Playoffs bislang gebunden.

Olympia-Silbergewinner Björn Krupp hatte Söderholm freiwillig wieder aussortiert, auch die Pyeongchang-Teilnehmer Sinan Akdag und Daryl Boyle fehlen. Ob NHL-Routinier Dennis Seidenberg ohne Spielpraxis der Abwehr wie noch bei den vergangenen beiden WM-Turnieren Stabilität verleihen würde, ist äusserst zweifelhaft. Söderholm hält zwar den Kontakt, entschied sich aber bislang gegen den 37-Jährigen, der für die New York Islanders nicht einmal in dieser Saison zum Einsatz kam.

Söderholm vermittelt seiner talentierten Mannschaft, mutig nach vorne zu spielen und nicht nur auf Kampfgeist zu setzen. Man müsse «die richtige Balance finden», meinte Sportdirektor Stefan Schaidnagel. «Dann haben wir auch Mannschaften, die gut machbar sind.»

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