Ruth Keller-Gätzi (FDP): «Pflege braucht Fachkräfte und Offenheit»
Ruth Keller-Gätzi (FDP) spricht sich für ein Nein zur Nachhaltigkeits-Initiative aus. Diese gefährdet den Zugang zu Fachkräften, sagt sie im Gastbeitrag.

Als Verwaltungsrätin eines Alterszentrums weiss ich, dass qualifizierte Pflegefachpersonen entscheidend sind für eine gute Betreuung und verlässliche Dienstleistungen für unsere älteren Menschen.
Ohne genügend Personal leidet die Qualität, und der Druck auf die bestehenden Mitarbeitenden wächst, insbesondere wenn sie bei Krankheit oder Personalmangel immer wieder einspringen müssen. Häufige Zusatzdienste und kurzfristige Dienstplanänderungen führen zu Überlastung und erhöhen das Risiko von Ausfällen.
Das verschärft den Personalmangel weiter und geht letztlich zulasten der Bewohnenden. Jedoch nicht nur das, chronischer Personalmangel führt zu höherer Fluktuation und steigenden Kosten für Einrichtungen, was letztlich die öffentliche Hand zu spüren bekommt.

Das Argument greift zu kurz, dass es in der Schweiz genügend arbeitslose Menschen gebe, die diese Arbeit übernehmen könnten. Nicht jede Person ist für jeden Beruf geeignet – und das gilt besonders für die Pflege.
Pflegearbeit erfordert anerkannte Ausbildungen sowie körperliche und psychische Belastbarkeit und die Bereitschaft zu unregelmässigen Arbeitszeiten. Diese Voraussetzungen lassen sich nicht beliebig ersetzen.
Der Fachkräftemangel in der Pflege besteht bereits heute – und er wird sich weiter verschärfen. Unsere Bevölkerung wird älter, der Bedarf an Pflege steigt, während gleichzeitig viele erfahrene Pflegefachpersonen altersbedingt aus dem Beruf ausscheiden.
Der Ausbau von Aus‑ und Weiterbildungen ist wichtig, wirkt aber nur mittelfristig. Der akute Mangel lässt sich damit allein nicht beheben.
Offene Stellen können nicht jahrelang unbesetzt bleiben, ohne dass die Qualität leidet. Für die Bewohnenden bedeutet das weniger Betreuung und weniger Aufmerksamkeit, mit direkten Auswirkungen auf ihr Wohlbefinden.
Die Praxis zeigt, dass das inländische Arbeitskräftepotenzial allein nicht ausreicht und gezielt durch qualifizierte Fachpersonen ergänzt werden muss.
Die 10‑Millionen‑Schweiz‑Initiative gefährdet genau diesen Zugang zu dringend benötigten Fachkräften. Einschränkungen der Personenfreizügigkeit erschweren die Rekrutierung aus dem Ausland und verschärfen den Personalmangel im Gesundheits‑ und Pflegebereich weiter.
Eine gute Versorgung im Alter braucht realistische Lösungen, keine Abschottung. Die Schweiz ist stark, wenn sie offenbleibt und Verantwortung übernimmt. Deshalb sage ich am 14. Juni klar Nein.
Zur Autorin
Ruth Keller-Gätzi aus Wittenbach sitzt seit 2022 im St. Galler Kantonsrat für die FDP.








