Regierung

Neun Personen wollen in fünfköpfige Bündner Regierung

Keystone-SDA Regional
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Chur,

Die heisse Phase des Regierungswahlkampfs in Graubünden ist eingeläutet. Am 14. Juni wird im Bergkanton die fünfköpfige Exekutive neu gewählt. Neun Kandidierende stellen sich zur Wahl – vier Bisherige und fünf Neue.

An einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in Chur fühlt Moderator Manfred Papst (fünfter von links) Maurizo Michael, Valeria Favre Accola, Nora Saratz Cazin, Martin Bühler, Reto Bo...
An einer Podiumsdiskussion am Mittwochabend in Chur fühlt Moderator Manfred Papst (fünfter von links) Maurizo Michael, Valeria Favre Accola, Nora Saratz Cazin, Martin Bühler, Reto Bo... - KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER

Nur einmal in diesem Jahrhundert hatten die Bündnerinnen und Bündner mehr Auswahl – 2010 versuchten zehn Personen ihr Glück. Definitiv neu besetzt wird dabei der Sitz von Mitte-Politiker Jon Domenic Parolini. Dieser muss aufgrund der Amtszeitbeschränkung seinen Sitz per Ende Jahr abgeben.

Doch mit welchen Themen wollen die neun Kandidierenden die Bündnerinnen und Bündner von sich überzeugen? Keystone-SDA hat nachgefragt.

Reto Bott (parteilos, neu)

Er ist der jüngste Bewerber im Teilnehmerfeld. Der 23-Jährige gibt an, dass er sich für eine Kandidatur entschieden hat, «weil ich das Gefühl habe, dass sich viele Menschen von der Politik immer weiter entfernen». Er sagt: «Politik sollte verständlicher, direkter und wieder näher bei den Menschen sein.» Im Wahlkampf setzt er sich deshalb für eine stärkere Einbindung der Bevölkerung und mehr Nähe zwischen Politik und den Menschen ein. Ausserdem möchte er den Gemeinden und Regionen mehr Verantwortung und Kompetenzen übertragen und die kulturelle und sprachliche Vielfalt Graubündens erhalten.

Martin Bühler (FDP, bisher)

Der 49-Jährige ist seit dem 1. Januar 2023 der Vorsteher des Departements für Finanzen und Gemeinden. Er möchte sich auch in der kommenden Legislatur weiter für «eine stabile und nachhaltige Finanzpolitik» einsetzen. Er wolle ausserdem die digitale Transformation weiter vorantreiben – konkret mit digitalen Dienstleistungen und einfacheren Prozessen für Bevölkerung, Unternehmen und Gemeinden. Der amtierende Regierungspräsident möchte ausserdem die Umsetzung der HR-Strategie weiterführen, «damit der Kanton Graubünden auch künftig ein attraktiver Arbeitgeber bleibt».

Marcus Caduff (Mitte, bisher)

Der amtierende Vorsteher des Departements für Volkswirtschaft und Soziales sitzt seit 2019 in der Bündner Regierung. Der ausgebildete Agronom möchte zahlreiche Vorhaben weiter begleiten. Er nennt die Förderung von Wohnraum, die familienergänzende Kinderbetreuung oder Projekte für eine klimaneutrale Landwirtschaft. Sorgen machen ihm die Folgen des Bevölkerungsrückganges. Diese würden sich vor allem in den Randregionen zeigen. Er nennt als Auswirkungen den Arbeitskräftemangel, den steigenden Druck auf das Gesundheits- und Pflegesystem sowie wachsende Herausforderungen für die öffentliche Hand.

Valérie Favre Accola (SVP, neu)

Mit der amtierenden Standespräsidentin unternimmt die SVP einen weiteren Versuch, in die Regierung zurückzukehren. Der Partei ist es nach der Abspaltung der BDP 2008 nie mehr gelungen, einen Regierungssitz einzunehmen. Favre Accola würde sich in der Regierung als «lösungsorientierte Regierungsrätin, die zuhört und Brücken baut» positionieren. Sie möchte die Bewilligungsverfahren in der Wohnraum-Thematik beschleunigen. Für die KMU und den Tourismus brauche es ausserdem weniger Bürokratie und mehr Handlungsspielraum. Und: Bei der Grossraubtier-Regulierung – häufig geht es um den Wolf – würden «die betroffenen Bauernfamilien eine Regierung verdienen, die rasch handelt.»

Carmelia Maissen (Mitte, bisher)

Die 49-Jährige leitet seit drei Jahren das Departement für Infrastruktur, Energie und Mobilität und bewirbt sich für eine zweite Amtszeit. Sie habe bereits einige für Graubünden strategisch wichtige Themen vorantreiben dürfen. Als Beispiele nennt sie die Strategie Langsamverkehr 2037, die Umsetzung der Wasserkraftstrategie 2022-2050 und die Realisierung der Umfahrung La Punt. Künftige Schwerpunkte würde sie beim Netto-Null-Ziel im Bereich des kantonseigenen Hoch- und Tiefbaus und beim Erhalt eines attraktiven öffentlichen Verkehrs setzen.

Maurizio Michael (FDP, neu)

Der Bündner FDP-Präsident möchte der Partei einen zweiten Sitz in der Regierung sichern. «In erster Linie geht es mir um eine faire und angemessene Vertretung der sprachlichen und kulturellen Realitäten in der Kantonsregierung», erklärt der aus dem Bergell GR stammende Kandidat. Die Aufwertung und Stärkung der Mehrsprachigkeit gehören zu den Themen, die der 53-Jährige in den Wahlkampf einbringen will. Er setzt sich ausserdem für die Stärkung des grenzüberschreitenden Dialogs und der Zusammenarbeit ein. Weiter möchte er konkrete Massnahmen definieren, um den negativen Folgen der Bevölkerungsalterung zu begegnen.

Peter Peyer (SP, bisher)

Wie bei den Wahlen 2022 setzen die Sozialdemokraten nur auf einen Kandidaten – den aktuellen Vorsteher des Departements für Justiz, Sicherheit und Gesundheit, Peter Peyer. Er möchte gemäss eigener Aussage weiterhin offen, ehrlich und verbindlich kommunizieren. Mit dieser Haltung sei er bei verschiedenen Themen gut gefahren und er wolle dies auch bei kommenden Themen tun. Er würde sich weiter für die Gewährleistung von Sicherheit durch eine bürgernahe Kantonspolizei, eine ökologische Strassenverkehrsbesteuerung und eine menschliche Migrationspolitik einsetzen.

Nora Saratz Cazin (GLP, neu)

Die GLP wagt anders als noch bei den Wahlen vor vier oder acht Jahren einen Angriff auf einen Regierungssitz. Erringen soll diesen die aktuelle Gemeindepräsidentin von Pontresina GR, Nora Saratz Cazin. «Zentrale Themen sind für mich ein nachhaltiger Lebensraum, ein modernes Bildungssystem auf allen Stufen und eine dezentrale Gesundheitsversorgung», erklärt die 44-jährige Juristin. Die Engadiner Kandidatin sieht in der kulturellen und sprachlichen Vielfalt des Kantons Graubünden eine grosse Stärke.

Aita Zanetti (Mitte, neu)

Die Gemeindepräsidentin von Scuol GR möchte Parolini beerben und der Mitte die Regierungsmehrheit auch für die nächsten vier Jahre sichern. Ihr liegen gemäss eigener Aussage Themen am Herzen, «welche die Menschen in ihrem Alltag direkt betreffen». «Die Regionen brauchen gute Rahmenbedingungen, damit Familien, Betriebe und junge Menschen eine Perspektive haben», so Zanetti. Graubünden dürfe nicht nur als schöner Lebensraum wahrgenommen werden, «sondern muss auch ein starker Arbeits-, Bildungs- und Wohnkanton bleiben».

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