Graubünden empfiehlt Schliessung von zwei Geburtenabteilungen
Der Kanton Graubünden hat am Mittwoch sein Gesundheitsleitbild 2026 bis 2036 vorgestellt. Der Kanton ortet darin Handlungsbedarf. In den Bereichen Rettungsdienst und Geburtshilfe will er umdenken. Zwei Spitälern legt er nahe, die Geburtshilfe zu schliessen.

Konkret gibt der Kanton die Empfehlung ab, dass es künftig in Ilanz und Davos keine Geburtenabteilung mehr geben soll. Damit würden künftig in Graubünden nur noch in den Spitälern in Chur, Schiers, Samedan und Scuol Geburtenabteilungen angeboten.
Regierungsrat Peter Peyer erklärte dazu an der Medienorientierung am Mittwoch: «Die zuständigen Gemeindevertreterinnen und Gemeindevertreter haben vor einigen Monaten entschieden, dass die 24-Stunden-Chirurgie in Ilanz eingestellt werden soll.» Werde das umgesetzt, so gehe damit einher, dass keine Geburtenabteilung mehr geführt werden könne. Diese benötige einen 24-Stunden-Betrieb.
Davos unterliegt gemäss Peyer starken saisonalen Schwankungen, was die Auslastung des Spitals betrifft. Wenn in der Nebensaison kein 24-Stunden-Betrieb in der Chirurgie mehr herrschen würde, so wäre auch hier die Schliessung der Geburtshilfe die Folge. «Davos liegt ausserdem sehr nahe am Spital mit den zweitmeisten Geburten im Kanton in Schiers, da liesse sich wohl gut eine Kooperation eingehen», so Peyer.
Entschieden ist allerdings noch nichts. Das Gesundheitsleitbild ist ein Strategiepapier. Allerdings erfolgt auf dessen Grundlage die Spitalplanung. Dort werden in der Spitalliste die konkreten Leistungen einzelner Spitäler angegeben. Diese will der Kanton 2028 in Kraft setzen. Und Peyer macht klar: «Wir möchten als Kanton bei der Spitalliste mehr mitreden, als das bisher geschehen ist.»
Der Kanton definiert im Leitbild auch fünf strategische Ziele, in denen er verschiedene Massnahmen auf Kantons-, Gemeinde- und Leistungserbringer-Ebene definiert. Für die Umsetzung der kantonalen Massnahmen hat er grobe Kosten genannt. Er rechnet je nach Umsetzung mit zusätzlichen Kosten von 10 bis 20 Millionen Franken pro Jahr. Allerdings sollen durch die Massnahmen auch Kosten eingespart werden können.
Das zeigt sich am Beispiel der digitalen Transformation. Hier geht der Kanton von Kosten von 100 Millionen Franken aus, verteilt über zehn Jahre. «Die höchsten Kosten entstehen beim Angebot der Infrastruktur, also beispielsweise bei den Pflegeinformationssystemen, die in vielen Häusern am Lebensende angekommen sind», erklärte Projektleiterin Marion Thalmann.
Ausserdem sei es dem Kanton wichtig, dass die Häuser untereinander digital verbunden seien. «Gerade die kleinen Häuser können sich aber nicht so einfach ein neues Informationssystem leisten.»
Durch die digitalen Fortschritte erhofft sich der Kanton beispielsweise einen besseren Zugang auf verschiedene Daten aus der Distanz und eine Reduktion der Administration. Heute müssten Patientinnen und Patienten viel auf Papier ausfüllen – und dies teilweise mehrmals, wie Thalmann sagte. Das sei auch für die Betroffenen nicht immer verständlich.
Anpassungen möchte der Kanton ausserdem beim Rettungswesen vornehmen. Wie diese genau aussehen, sei aber noch unklar. Gemäss Sandra Stöckenius, Leiterin des Gesundheitsamtes Graubünden, werde nach den Sommerferien dazu eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die verschiedene Varianten ausarbeite.
Konsequent vorantreiben möchte der Kanton gemäss Leitbild die integrierte Versorgung. Regierungsrat Peyer erörterte vor den Medien, was damit gemeint ist: «Eine Patientin wird im Spital behandelt, dann im Pflegeheim betreut und nach der Rückkehr nach Hause durch die Spitex begleitet.» Diese Dienstleistungen sollen nach dem Willen des Kantons überall möglichst koordiniert und aus einer Hand angeboten werden.
Als Nächstes stehen nun die Spitalplanung sowie die aufgrund des neuen Leitbildes notwendigen gesetzlichen Anpassungen an. Diese werden den üblichen politischen Prozess durchlaufen.






