Schweizer lassen Auto stehen – verkaufen sie's bald?
Wegen des Iran-Kriegs sind die Preise an Schweizer Zapfsäulen aktuell hoch. Das sorgt bei Autofahrern schon für ein Umdenken.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran-Krieg sorgt für hohe Treibstoffpreise – auch hierzulande.
- Laut einer neuen Studie wollen künftig mehr Menschen das Auto stehen lassen.
- Ein Mobilitätsexperte erklärt, dass eine Verhaltensänderung dennoch unwahrscheinlich ist.
Seit Ende Februar tobt im Nahen Osten der Iran-Krieg.
Ein Ende ist nicht absehbar. Zwischen den USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite zeichnet sich keine Lösung ab.
Die Folgen des Kriegs sind derweil nicht nur für die Bevölkerung des Irans und der umliegenden Länder gravierend. Auswirkungen zeigen sich global – auch bis in die Schweiz.

Denn wegen des Kriegs ist die für den internationalen Treibstoffhandel so wichtige Schiffsroute Strasse von Hormus gesperrt.
Eine Tankfüllung kostet aktuell rund 100 Franken
Die Folge: Allmählich kommt es auch hierzulande zu einer Treibstoffknappheit, während die Preise gleichzeitig in die Höhe schiessen.
So kostete ein Liter Bleifrei 95 in der Schweiz am 20. Mai durchschnittlich rund 1.89 Franken. Für Bleifrei 98 zahlte man elf Rappen mehr.
Der Liter Diesel kostete am selben Tag sogar 2.14 Franken. Konkret heisst das: Wer ein normales Mittelklasseauto mit einem 50-Liter-Tank füllen will, zahlt aktuell zwischen rund 94.50 und 107 Franken.
40 Prozent lassen das Auto öfter stehen
Viel in einer Zeit, in der bereits hohe Wohn- und Krankenkassenkosten das Portemonnaie der Schweizerinnen und Schweizer belasten.
So sagen laut einer neuen Studie des Meinungsforschungsinstituts Marketagent Schweiz bereits zwei Drittel der Menschen, die Spritpreise seien für sie eine mittelstarke finanzielle Mehrbelastung. 40 Prozent der Schweizer Bevölkerung lassen das Auto oder den Töff sogar bereits etwas öfter stehen.
Diese Menschen steigen vor allem häufiger auf den ÖV um (42 Prozent) oder legen Strecken öfter zu Fuss zurück (35 Prozent). Auch Velo und Roller profitieren.

Nau.ch hat deshalb bei Alliance Swisspass nachgefragt. Spürt die ÖV-Branchenorganisation eine positive Auswirkung des Iran-Kriegs auf die ÖV-Nutzenden? Haben mehr Menschen seit Beginn des Kriegs ein GA oder ein Halbtax gelöst?
ÖV-Branchenverband und Verkehrsinformationszentrale merken nichts
Doch von einer Euphorie ist noch nichts zu spüren: «Die aktuellen Umlaufzahlen bewegen sich weitgehend auf dem Niveau der Vorjahre.»
Beim Halbtax zeige sich zwar eine leichte Zunahme. Aber: «Die Zahl der GA ist in den vergangenen zwei Monaten etwas zurückgegangen.»
Auch Viasuisse, die nationale Verkehrsinformationszentrale, merkt noch kaum etwas davon, dass weniger Auto gefahren wird.
«Unsere Berechnungen zeigen für den April 2026 im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Rückgang der Staustunden. Gegenüber den Vorjahren ist jedoch eine stetige Zunahme des Verkehrs festzustellen», heisst es dort.
Zwar gebe es immer wieder einzelne Monate, bei denen es weniger Verkehr auf den Strassen habe. Aber, so Viasuisse: «Im gesamten Jahr hat das keinen Einfluss, Der Verkehr steigt jährlich.»
Schweizer sind bereit, mehr zu zahlen
Mobilitätsexperte Thomas Hug-Di Lena erklärt dazu gegenüber Nau.ch, es sei bei weiterhin hohen Treibstoffpreisen langfristig denkbar, dass Menschen ihr Mobilitätsverhalten anpassen würden.
Ein Umstiegseffekt werde aber nicht gross sein. Denn: Insbesondere in der Schweiz sei die Zahlungsbereitschaft hoch. Das belege auch eine aktuelle Studie der ETH Zürich zu «Mobility Pricing».
Strukturelle Veränderungen kommen erst nach Jahren
Bis die langfristigen Effekte mit strukturellen Änderungen zum Tragen kämen, müsse der Preisdruck über Jahre hoch sein. Erst dann würden die Menschen beispielsweise ihr Fahrzeug verkaufen oder den Wohnort wechseln.

Zu beobachten sei aber bereits jetzt, dass im Vergleich zum letzten Jahr mehr Autos mit elektrischem Antrieb verkauft würden.
Doch was wäre, wenn die Spritpreise noch weiter ansteigen und tatsächlich mehr Menschen in der Schweiz auf den ÖV umsteigen würden? Könnte dieser einen plötzlichen Ansturm überhaupt bewältigen?
«Auf grössere Verlagerungen könnte der ÖV kurzfristig nicht reagieren»
«Kleine Änderungen können vom ÖV gut aufgenommen werden», so Hug Di-Lena. «Insbesondere deshalb, weil es ausserhalb der Spitzenstunden noch Kapazitäten in den Fahrzeugen gibt.»
Doch der Mobilitätsexperte mahnt: «Auf grössere Verlagerungen könnte der ÖV aber kurzfristig nicht reagieren.»

Grundsätzlich schneller ausgebaut werden könne hingegen die Velo-Infrastruktur. Das Problem: «Heute ist sie aber vielerorts in einem Zustand, dass Velofahren für breite Teile der Bevölkerung keine Option ist.»











