UNO

    Trump bei der UNO zwischen Eigenlob und Sackgasse

    Esada Kunic
    Esada Kunic

    USA,

    Trump trat bei der UNO mit viel Eigenlob auf – doch Experten sehen innenpolitischen Druck als Triebfeder.

    trump uno
    Trump feierte sich vor der UNO als Friedensstifter – Politikwissenschaftler sprechen von einem aussergewöhnlichen Auftritt. - keystone

    Fast 57 Minuten lang sprach US-Präsident Trump vor der UNO-Generalversammlung in New York. Wie die «Tagesschau» berichtet, lobte er sich dabei als Friedensstifter, der bereits sieben Kriege beendet habe.

    Beobachter sehen das kritisch: Manuel Fröhlich, Politikwissenschaftler an der Universität Trier, spricht laut «ZDFheute» von einem Auftritt, der «selbst für Trump aussergewöhnlich» gewesen sei. Rachel Tausendfreund von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik nannte die Rede «gefährlich und besorgniserregend» für die Weltgemeinschaft.

    Hat Trump mit seinem Auftritt bei der UNO dein Bild von ihm als Staatsmann verbessert?

    Trump griff erneut die UNO direkt an und erntete dafür kaum Widerspruch. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen lobte gezielt einzelne Aussagen des US-Präsidenten zu russischen Energieimporten.

    Trump bei UNO: Wahlkampf auf der Weltbühne

    Der deutsche Aussenminister Johann Wadephul äusserte sich nach Trumps Rede positiv. «Er will mit und bei den Vereinten Nationen etwas erreichen und das ist doch gut», zitiert ihn «ZDFheute». Fröhlich sieht dahinter jedoch diplomatisches Kalkül.

    Trump verknüpfte den laufenden Iran-Krieg explizit mit den US-Kongresneuwahlen im November. «T-Online» berichtet, der US-Präsident habe behauptet, die iranische Führung spekuliere auf eine republikanische Niederlage. Das US-Verteidigungsministerium hatte kurz zuvor eingeräumt, dass es an Munition mangele.

    Tausendfreund sieht Europas Reaktion als Ausdruck von Abhängigkeit. «Europa ist momentan in sehr wichtigen Fragen abhängig von der Trump-Regierung. Das wissen die Regierungen – und verhalten sich dementsprechend», sagte sie laut «ZDFheute».

    Wenig Resonanz im Saal

    Die UNO-Debatte sei kein Ort des parlamentarischen Dialogs, erklärt Fröhlich. «Es findet bewusst keine Korrektur statt», sagte er laut «ZDFheute». Das schütze Redner vor direktem Widerspruch – unabhängig davon, was sie behaupten.

    Wie «T-Online» berichtet, verliess die kubanische Delegation während Trumps Rede den Saal. Zuvor hatte Trump Kuba als «absolut gescheiterten Staat» bezeichnet und offen mit Konsequenzen gedroht.

    trump uno
    Vor der UNO gab sich Trump staatsmännischer als gewohnt – doch ob das mehr ist als Kalkül, bleibt fraglich. - keystone

    Trump rief in seiner Rede dazu auf, Künstliche Intelligenz – die er künftig «Superintelligenz» nennen will – nicht zu regulieren. Dies löste laut «T-Online» leichtes Gelächter im Saal aus. UN-Generalsekretär António Guterres hatte am selben Morgen noch vor unkontrollierten KI-Risiken gewarnt.

    Innenpolitik als Hauptmotiv

    Die «Tagesschau» sieht hinter Trumps gemässigterem Auftritt vor allem innenpolitischen Antrieb.

    Die Umfragewerte für Trump und die Republikaner seien vor den Kongresswahlen im November miserabel. Mehr als 70 Prozent der US-Bürger lehnten Trumps Aussenpolitik ab.

    Beim Iran-Krieg suche Trump verzweifelt einen Ausweg, so die «Tagesschau». Die am Rande der UNO-Vollversammlung geführten Gespräche könnten dazu einen Beitrag leisten.

    Kommentare

    Weiterlesen

    trump un
    4 Interaktionen
    UN-Vollversammlung
    Donald Trump
    4 Interaktionen
    New York
    Donald Trump
    8 Interaktionen
    New York

    MEHR UNO

    Weltkarte
    39 Interaktionen
    UNO-Empfehlung
    donald trump
    18 Interaktionen
    Kalkül
    Alec von Graffenried
    1 Interaktionen
    Bern
    jean ziegler
    10 Interaktionen
    Genf

    MEHR AUS USA

    trump
    Washington
    Xbox
    Neuausrichtung
    silber
    1 Interaktionen
    Rohstoffe
    Nach Herz-Eingriff