Fordert Veränderung / Wirtschafts-Expertin: «Tech-Branche ist Mafia»
Star-Ökonomin Mariana Mazzucato kritisiert Techkonzerne und erklärt, weshalb rechte Populisten von der Unzufriedenheit profitieren.

Das Wichtigste in Kürze
- Ökonomin Mariana Mazzucato fordert einen Kapitalismus, der das Gemeinwohl stärker in den Mittelpunkt stellt.
- Rechte Populisten seien erfolgreich, weil sie die Sorgen der Bevölkerung besser aufgreifen würden.
- Besonders scharf kritisiert Mazzucato Techkonzerne, die von staatlich finanzierter Forschung profitierten.
Viele Menschen fühlen sich vom wirtschaftlichen Wohlstand ausgeschlossen. Die italienisch-amerikanische Ökonomin Mariana Mazzucato sieht darin ein Problem des heutigen Wirtschaftssystems.
Im Interview mit dem «Spiegel» fordert sie deshalb einen Kapitalismus, der stärker auf die Bedürfnisse der Bevölkerung ausgerichtet ist.
Dazu gehörten bezahlbarer Wohnraum, günstige Energie und Schutz vor Naturkatastrophen. «Derzeit fehlen konkrete ökonomische Gemeinwohlziele, auf die sich alle verpflichten können», sagt die 58-Jährige. Allgemeine politische Versprechen seien vielen Menschen zu abstrakt.
Populisten verstehen die Sorgen besser
Mazzucato sieht darin auch einen Grund für den Erfolg rechter Populisten. Diese würden die Sorgen der Bevölkerung aufgreifen und einfache Botschaften vermitteln.
Der politischen Linken sei es hingegen nicht gelungen, ihre wirtschaftlichen Ideen verständlich zu erklären.
Als Beispiel nennt sie die USA unter Joe Biden. Dessen Wirtschaftspolitik habe Wachstum und Arbeitsplätze geschaffen.
Trotzdem hätten viele Menschen Donald Trump gewählt. «Weil sie sich vernachlässigt fühlen», sagt Mazzucato. Die Politik müsse den Menschen Wertschätzung vermitteln und ihnen zuhören.
Staat soll stärker investieren
Die Ökonomin fordert, dass der Staat die Wirtschaft aktiver gestaltet und nicht nur bei Marktversagen eingreift. Investitionen in Innovation, Bildung und Infrastruktur könnten neuen Wohlstand schaffen. Entscheidend sei dabei, wofür der Staat Geld ausgebe.
«Es geht darum, was der Staat mit dem Geld macht, das er sich leiht», sagt Mazzucato. Wachstum sei notwendig, um Wohlstand zu verteilen: «Wir benötigen Wachstum, sonst gibt es nichts zu verteilen.»
Besonders scharf kritisiert sie grosse Techunternehmen. Diese profitierten von staatlich finanzierter Grundlagenforschung, ohne der Gesellschaft ausreichend etwas zurückzugeben.
«Die Techbros sind nichts anderes als die Mafia!», sagt sie. Die Unternehmen hätten sich öffentlich finanzierte Erfindungen angeeignet und verdienten damit Milliarden.
Mamdani als Vorbild
New Yorks Bürgermeister Zohran Mamdani sieht Mazzucato auf dem richtigen Weg. Er kümmere sich um konkrete Alltagsprobleme, statt politische Gräben in den Vordergrund zu stellen. Entscheidend sei, dass Regierungen ihre Versprechen auch umsetzten.





















