Nach der Europawahl hat das Rennen um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker begonnen.
Frau hält vor dem Europaparlament eine EU-Flagge
Frau hält vor dem Europaparlament eine EU-Flagge - AFP
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Das Wichtigste in Kürze

  • EU-Kommission sieht bei Abstimmung keinen Sieg von Populisten.

Vertreter der Fraktionen im Europaparlament bekräftigten am Montag die Forderung, dass nur ein Spitzenkandidat der Parteien bei der Wahl dem Luxemburger nachfolgen könne. Doch die Mehrheitsverhältnisse sind schwierig. Und bereits am Dienstagabend tagen bei einem Gipfel in Brüssel die EU-Staats- und Regierungschefs, die teils andere Pläne haben.

Konservative und Sozialdemokraten wurden bei der am Sonntag abgeschlossenen Wahl mit 180 beziehungsweise 145 Sitzen wieder stärkste und zweitstärkste Fraktion im Europaparlament (Stand 15.38 Uhr). Beide büssten nach den vorläufigen Ergebnissen aber rund ein Fünftel ihrer bisherigen Mandate ein - zugunsten von Grünen, die ein Rekordergebnis erzielten, und Rechtspopulisten.

Die Wahlbeteiligung erreichte mit 50,94 Prozent den höchsten Wert seit zweieinhalb Jahrzehnten. «Die Demokratie ist am Leben und es geht ihr gut», sagte der Sprecher von Kommissionschef Juncker. Entgegen düsterer Vorhersagen hätten die Populisten und diejenigen, «die Europa zerstören wollen», die Wahl nicht gewonnen, sondern pro-europäische Kräfte.

Tatsächlich landeten Rechtspopulisten und Nationalisten zwar in grossen Ländern wie Frankreich, Italien und Grossbritannien auf Platz eins. Die Sitzgewinne im Europaparlament hielten sich aber in Grenzen.

Mit den Verlusten für Konservative und Sozialdemokraten ist die Mitte des politischen Spektrums aber geschwächt. Erstmals seit 40 Jahren verfügen beide zusammen rechnerisch nicht mehr über eine absolute Mehrheit im Europaparlament. Diese ist auch nötig, um den nächsten Kommissionspräsidenten zu wählen.

EVP-Chef Joseph Daul bekräftigte am Sonntagabend, der CSU-Politiker Manfred Weber habe als Spitzenkandidat seiner Partei Anspruch darauf, Nachfolger Junckers zu werden. «Ohne die EVP wird es keine Mehrheit auf Ebene der demokratischen Parteien geben», sagte er.

Die Sozialdemokraten forderten den Posten für ihren Spitzenkandidaten Frans Timmermans. Die EVP habe «nicht mehr die Ergebnisse und die politische Kraft, um die Europäische Union und die Europäische Kommission zu führen», sagte der Fraktionsvorsitzende Udo Bullmann (SPD). Timmermans wolle «eine progressive Allianz» im Europaparlament schmieden, um Kommissionschef zu werden.

Doch Timmermans' Pläne für eine «Regenbogen»-Koalition mit Linken, Grünen und Liberalen sind zerplatzt. Die vier Parteien kommen zusammen im Europaparlament nicht auf die notwendige Mehrheit von 376 der 751 Stimmen, um ohne die EVP einen Kommissionspräsidenten zu wählen.

Erste informelle Sondierungspläne der Fraktionschefs bereits am Montagabend wurden am Nachmittag wieder kurzfristig abgesagt. «Es ist ein ziemliches Durcheinander», hiess es aus einer Fraktion. Ein Treffen der Fraktionschefs im Europaparlament am Dienstagvormittag blieb aber auf der Tagesordnung. Spätestens dann müsste eine gemeinsame Linie stehen, damit das Parlament das erstmals 2014 erprobte Modell des Spitzenkandidaten aufrecht erhalten kann.

Denn die Staats- und Regierungschefs sehen «keinen Automatismus» bei der Personalfrage. Sie behalten sich vor, auch andere Bewerber vorzuschlagen.

Hinzu kommt, dass das Amt des Kommissionspräsidenten im Verbund mit weiteren Top-Jobs wie dem des EU-Ratspräsidenten und des EZB-Präsidenten vergeben werden soll. Die Besetzung eines Postens hat dabei Rückwirkungen auf die Vergabe der anderen, was die Parteizugehörigkeit der Kandidaten und die Herkunft aus grossen oder kleinen Ländern angeht.

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