Prominenter Seitenwechsel in England: Der Ex-Parlamentspräsident verlässt die Tories und tritt der Labour-Partei bei. Er kritisierte zuvor die Regierung,
John Bercow im Unterhaus
John Bercow im Unterhaus - UK PARLIAMENT/AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • John Bercow verlässt die Tories und wechselt zur oppositionellen Labour-Partei.
  • Der 58-Jährige übt scharfe Kritik an den Tories und Premierminister Johnson.

Der frühere britische Parlamentspräsident John Bercow kehrt den Tories den Rücken und schliesst sich der oppositionellen Labour-Partei an.

In einem Interview mit dem «Observer» kritisierte er die Konservativen unter der Führung von Premierminister und Parteichef Boris Johnson als «reaktionär, populistisch, nationalistisch und manchmal sogar fremdenfeindlich».

Vereinigtes Königreich Boris Johnson
Der Premierminister Grossbritanniens, Boris Johnson. (Archivbild) - Keystone

Johnsons Regierung müsse abgelöst werden und nur die Labour-Partei sei in der Lage, dieses Ziel zu erreichen, sagte Bercow.

Johnson sei «miserabler Regierungschef»

Der langjährige Präsident des Unterhauses bezeichnete Johnson als «erfolgreichen Wahlkämpfer, aber miserablen Regierungschef». Der Premierminister habe keine Vision für eine «gerechtere Gesellschaft». Immer mehr Menschen hätten es satt, «Lügen und leere Parolen» zu hören, sagte Bercow.

Mit seinem eigenwilligen Stil hatte Bercow mehr als drei Jahre lang im Zentrum der äusserst emotional geführten Parlamentsdebatten rund um den Brexit gestanden.

Seine legendär gewordenen «Order»-Rufe, mit denen er die Abgeordneten zur Ruhe ermahnte, hallten mehr als 14'000 Mal durch das Londoner Unterhaus.

«Ordeeeer», «Ordeeeer!»: John Bercow wurde mit seinen markanten Ordnungsrufe weltberühmt. - YouTube/ODN

Befürworter des britischen EU-Austritts werfen Bercow vor, die Ratifizierung des Austrittsabkommens bewusst verzögert zu haben. Ein Bericht aus dem Jahr 2018 beschuldigt ihn zudem, einer Parlamentskultur vorgestanden zu haben, in der «Mobbing, Belästigung und sexuelle Belästigung» gedeihen konnten. Bercow wies die Vorwürfe zurück.

Im vergangenen August verweigerte ihm Johnson einen Sitz britischen Oberhaus. Der 58-Jährige ist der erste «Speaker» in mehr als zwei Jahrhunderten, dem diese Ehre nicht zuteilwurde.

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