Donald Trump vor Iran Deal – Experten dämpfen Hoffnung
Ein von Donald Trump ausgehandeltes Iran-Abkommen soll die Öffnung der Strasse von Hormus ermöglichen. Experten warnen jedoch vor vorschnellem Optimismus.

Das Wichtigste in Kürze
- Die USA und der Iran stehen kurz vor einem Deal mit Waffenruhe und Öffnung der Strasse von Hormus.
- Besonders im Libanon drohen Eskalationen, die das Abkommen gefährden.
- Experten bleiben skeptisch und warnen, dass der Deal jederzeit scheitern kann.
- Ein Erfolg könnte Ölpreise senken und auch der Schweiz wirtschaftlich helfen.
39-mal hat US-Präsident Donald Trump laut «CNN» bereits erklärt, eine Einigung mit dem Iran stehe kurz bevor. Nun soll es tatsächlich so weit sein.
Die Eckpunkte des geplanten Abkommens haben es in sich: An allen Fronten – auch im Libanon – soll eine dauerhafte Feuerpause gelten.
Die USA würden ihre Seeblockade innerhalb von 30 Tagen vollständig aufheben. Im Gegenzug soll der Iran die strategisch wichtige Strasse von Hormus im gleichen Zeitraum wieder öffnen.
Nach wochenlangen Verhandlungen unter Vermittlung Pakistans soll die Vereinbarung am Freitag in Genf unterzeichnet werden.
Deal von Donald Trump steht auf wackligen Beinen
Nahost-Experte Simon Wolfgang Fuchs von der Hebräischen Universität in Jerusalem warnt gegenüber Nau.ch: «Ich würde meine Hand noch nicht ins Feuer legen, dass die Ziellinie am Freitag erreicht wird.»
Das grösste Risiko sieht er im Libanon – und in der Reaktion Israels. «Israel hat schon deutlich gemacht, dass man sich weder aus dem Libanon zurückziehen, noch die Kampfhandlungen gegen Hisbollah einstellen wird.»

«Ich würde nicht ausschliessen, dass eine Drohne der Hisbollah auf israelisches Gebiet gelangt. Und Israel dann in Vergeltung Beirut angreift», warnt Fuchs.
Die Folgen könnten dramatisch sein. «Dann würden wir am Donnerstagabend, kurz vor Unterzeichnung, wieder unmittelbar davor stehen, dass Iran seine Raketen auf Israel richtet.»
Alexander Böhm, Nahostexperte von der Universität St. Gallen, teilt diese Sorge. «Das grösste Risiko ist eine bewusste Eskalation Israels im Libanon, um das Abkommen zu torpedieren.»
Israel fühlt sich von Donald Trump verraten
Simon Wolfgang Fuchs macht deutlich, wie gross der Widerstand gegen das Abkommen in Israel ist. «Man steht regelrecht unter Schock und fühlt sich von Trump verraten und verkauft.»

Und auch sonst könnten die Verhandlungen deshalb noch scheitern. «Iran hat gestern betont, dass man mit dem grösstmöglichen Misstrauen in diesen Prozess geht. Und dass man den USA nicht über den Weg traut» so Fuchs.
Hinzu kommen zahlreiche offene Streitpunkte.
Uneinig sind sich die Parteien etwa über mögliche Gebühren für die Strasse von Hormus. Auch die Zukunft der Hisbollah und der Huthis im Jemen ist ungeklärt.
Zudem bleibt offen, wie ein langfristig tragfähiges Atomabkommen aussehen soll.
Auch in den USA wächst die Kritik an Donald Trump
Nicht nur im Nahen Osten regt sich Widerstand. Auch in den USA gerät Donald Trump unter Druck.
Demokraten werfen ihm vor, den geplanten Iran-Deal vorschnell als historischen Durchbruch zu verkaufen.
Gleichzeitig warnen sie vor zu grossen Zugeständnissen – etwa bei der Freigabe eingefrorener Vermögenswerte oder bei der Lockerung von Sanktionen.
Ob Washington das Abkommen als Sieg verkaufen kann, bezweifelt Fuchs. «Eigentlich wird nur der Status Quo vor dem 28. Februar wieder hergestellt. Iran fühlt sich gestärkt und ermutigt.»
Daraus ergeben sich neue Sorgen. «Iran scheint derzeit Bedingungen diktieren zu können», so Fuchs.

Alexander Böhm von der Universität St. Gallen bekräftigt: «Trump und Netanjahu haben sich mit dem unbedachten Angriff auf den Iran in eine strategische Sackgasse begeben.»
Dass der Iran die Strasse von Hormus schliesst, wurde nicht ausreichend berücksichtigt.
«Trump blieb am Ende nur die Wahl zwischen suboptimalen bis katastrophalen Optionen. Deswegen musste er Zugeständnisse machen, nur schon, um zum status quo ante zurück zu kommen.»
Trotz aller Risiken überwiegt bei vielen Menschen in der Region zunächst die Erleichterung.
«Normalzustand, dass die Waffen nie ganz schweigen»
Simon Wolfang Fuchs, der als Deutscher in Israel lehrt, sagt: «Erst einmal habe ich wie viele andere in der Region aufgeatmet. Wir haben uns einfach zu sehr an den permanenten Kriegszustand gewohnt.»
Gleichzeitig seien viele Punkte noch unklar oder bewusst vage formuliert. Deshalb rechnet der Experte mit einer längeren Phase von Spannungen und wiederkehrenden kleineren Kampfhandlungen.
Eine Parallele zieht Fuchs zum Gaza-Abkommen vom Oktober 2025.
Seine Einordnung: «Man hat jahrelang am vorherigen Atomabkommen mit Iran verhandelt. Dass es jetzt schneller gehen würde, wäre verwunderlich. Gleichzeitig ist wohl der Normalzustand im derzeitigen Nahen Osten, dass die Waffen nie ganz schweigen.»
Das bedeutet möglicher Deal für die Schweiz
Für die Weltwirtschaft und damit auch für die Schweiz hätte eine Öffnung der Strasse von Hormus grosse Bedeutung. Die Meerenge zählt zu den wichtigsten Transportwegen für den globalen Ölhandel.
Eine dauerhafte Öffnung würde einen bedeutenden geopolitischen Risikofaktor entschärfen, erklärt die Konjunkturforschungsstelle KOF der ETH Zürich.
Co-Direktor Hans Gersbach sagt gegenüber Nau.ch: «Das dürfte den Ölpreis tendenziell senken. Allerdings wird es einige Zeit dauern, bis sich die Situation vollständig normalisiert hat.»

Wie stark die Preise tatsächlich fallen, hängt jedoch auch von der weltweiten Nachfrage und vom Angebot grosser Förderländer ab.
Klar ist: Sinkt der Ölpreis dauerhaft, könnte auch das Tanken in der Schweiz günstiger werden.
«Wie stark dieser Effekt ausfällt, lässt sich derzeit jedoch nur schwer abschätzen», so Gersbach.
Tiefere Preise machen sich nicht sofort bemerkbar
Hinzu kommt: «Preisveränderungen auf den internationalen Ölmärkten werden üblicherweise mit einer gewissen Verzögerung an die Tankstellen weitergegeben.»
Wie rasch dies geschehe, hängt unter anderem von Lagerbeständen und der Entwicklung entlang der Lieferkette ab.
Der Konjunkturforscher ergänzt: «Erste Entlastungen könnten relativ rasch sichtbar werden. Eine umfassende Weitergabe allfälliger Preisrückgänge dürfte jedoch etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen.»



















