Biden mit Donald Trump verglichen – wegen Desaster in Afghanistan

    Antun Boskovic
    Antun Boskovic

    USA,

    Donald Trump und Joe Biden schieben sich für den Tempo-Siegeszug der Taliban gegenseitig die Schuld zu. Bei Ex-Regierungsmitarbeitern kommen beide schlecht weg.

    Donald Trump Joe Biden
    US-Präsident Joe Biden und sein Vorgänger Donald Trump werden in den USA beide für das Desaster in Afghanistan kritisiert. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Taliban haben im Rekordtempo die Macht in Afghanistan ergriffen.
    • Das ist für die USA eine herbe Niederlage, es hagelt Kritik an Joe Biden.
    • Trumps Ex-Sicherheitsberater Bolton sieht Parallelen zwischen Biden und Trump.

    Innert weniger Wochen haben die Taliban in Afghanistan die Macht an sich gerissen. Dabei nutzte die islamistische Terrorgruppe den schrittweisen US-Truppenabzug gnadenlos aus.

    Dieser Taliban-Siegeszug im Rekordtempo ist ein Desaster für die USA. Denn so endet der knapp 20 Jahre lange Afghanistan-Einsatz der US-Truppen genauso wie er begonnen hatte: mit den Taliban an der Macht.

    Anfang Juli noch behauptete Joe Biden, es sei sehr unwahrscheinlich, «dass die Taliban ganz Afghanistan überrennen und das Land übernehmen». Dementsprechend hagelt es nun Kritik gegen den US-Präsidenten.

    Auch die US-Bevölkerung sieht den schnellen Abzug der eigenen Truppen mittlerweile kritisch. Nach einer neuen Umfrage würden aktuell mehr Amerikaner Donald Trump zum Präsidenten wählen als Biden. Sogar 51 Prozent der Befragten machen Biden direkt für die Machtübernahme der Taliban und das Desaster in Afghanistan verantwortlich.

    Donald Trump einigte sich 2020 mit Taliban

    Vorgänger Donald Trump schiesst ebenfalls scharf gegen den 78-Jährigen. Biden habe in Afghanistan ein «tragisches Chaos» verursacht und «sollte in Schande zurücktreten». Dabei war es die Trump-Regierung, die sich ursprünglich mit den Taliban auf einen Truppenabzug geeinigt hatte.

    Darin hiess es, dass die US-Truppen bis Anfang Mai 2021 aus Afghanistan abgezogen werden. Biden hat am Abzugsplan festgehalten und nur das Datum nach hinten verlegt (11. September 2021).

    Wem rechnen Sie das aktuelle US-Desaster in Afghanistan eher an?

    Trotz des Chaos verteidigt Biden den Rückzugsplan weiterhin und kritisiert die afghanische Regierung und Truppen für deren Flucht. «Bidens ‹America First›-Moment?», fragt sich dementsprechend der US-Sender «NPR».

    Bolton: Bidens Verhalten «sehr Trump-mässig»

    Auch John Bolton, ehemaliger Nationaler Sicherheitsberater von Trump, sieht beim Thema Afghanistan Parallelen zwischen Biden und seinem Vorgänger: «Es ist auffallend, wie sehr seine Entscheidungsfindung hier dem Muster Trumps folgt», wird er von der «New York Times» zitiert.

    Biden habe um jeden Preis, die US-Truppen aus Afghanistan abziehen wollen. «Er wollte offenbar nicht mit Details belästigt werden, welche diese Entscheidung hätten vereiteln oder verlangsamen können. Also hat er den Truppenabzug einfach vollzogen: sehr Trump-mässig.»

    Afghanistan Bolton Donald Trump
    John R. Bolton war vom 9. April 2018 bis zu seinem Rücktritt am 10. September 2019 Nationaler Sicherheitsberater von Donald Trump. - Keystone

    Über Trumps Afghanistan-Abkommen zeigte sich Bolton bereits in seinem 2020 veröffentlichten Buch kritisch. Dabei schob er dem Ex-Präsidenten sämtliche Verantwortung zu: «Die vollen Auswirkungen des Abkommens werden möglicherweise erst nach seiner Präsidentschaft sichtbar. Aber schon jetzt ist klar: «Trump wird für die Folgen verantwortlich sein, politisch und militärisch», schrieb Bolton über den Deal.

    Nikki Haley, unter Trump US-Botschafterin bei der UN, kritisierte die nun improvisierten Verhandlungen der Biden-Regierung mit den Taliban. Das sei ein «unglaubliches Szenario», schrieb sie auf Twitter. Die anschliessende Kritik kann aber sowohl als Angriff auf Bidens als auch auf Trumps Regierung verstanden werden: «Mit den Taliban zu verhandeln ist wie ein Geschäft mit dem Teufel.»

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