Nationalrätin Flavia Wasserfallen (SP) stört sich am Einfluss der Tabaklobby im Parlament. Das Tabakwerbeverbot sei für den Jugendschutz richtig und wichtig.
Der erste Teil des Video-Interviews mit SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen. - Nau.ch/Aydemir Hüseyin

Das Wichtigste in Kürze

  • Flavia Wasserfallen sitzt im Ja-Komitee zum Tabakwerbeverbot.
  • Im Nau.ch-Interview beklagt sie den grossen Einfluss der Tabak-Lobby auf Parlamentarier.
  • Von einem Verbot könnte die Gesamtwirtschaft profitieren, so die SP-Nationalrätin.

Im Februar stimmt die Schweiz über ein Tabakwerbeverbot ab. So soll Werbung für Zigaretten oder Snus, die Minderjährige erreicht, verboten werden. Betroffen wären etwa Kinos, Printmedien, Onlinewerbung oder Plakate. Weiterhin erlaubt wäre die Werbung an Orten, an denen nur Erwachsene zugelassen sind.

Flavia Wasserfallen vom Ja-Komitee zum Tabakwerbeverbot erklärt im Interview mit Nau.ch, wie das neue Gesetz zum Schutz der Kinder und Jugendlichen beitragen soll.

Tabakwerbeverbot als wirksames und bekanntes Mittel

«Die meisten Raucher fangen als Minderjährige an und ein grosser Teil bleibt danach süchtig. Nach 26 fängt aber praktisch niemand mehr mit dem Rauchen an», erklärt die SP-Nationalrätin. Deshalb müsse sich das Marketing der Tabakfirmen an Jugendliche richten. Die Initiative wolle deshalb verbieten, dass sich Tabakwerbung an Kinder und Jugendliche richte.

Der zweite Teil des Video-Interviews mit SP-Nationalrätin Flavia Wasserfallen. - Nau.ch/Aydemir Hüseyin

«Es gibt überwältigende wissenschaftliche Studien, die zeigen, dass Tabakwerbung einen grossen Einfluss darauf hat, ob Jugendliche mit dem Rauchen anfangen.» Die Initiative greife somit auf ein wirksames und bekanntes Mittel zurück, um den Jugendschutz zu verstärken.

Mit 9500 Toten pro Jahr sei das Rauchen die grösste vermeidbare Todesursache. Die Gesundheits- und wirtschaftlichen Kosten würden jedes Jahr mehrere Milliarden betragen. «Da wir wissen, dass besonders Jugendliche gefährdet sind und von der Tabakindustrie ins Visier genommen werden, wollen wir hier den Jugendschutz verstärken.» Es gehe in keiner Weise darum, jemandem das Rauchen zu verbieten, betont Wasserfallen.

Flavia Wasserfallen bedauert Einfluss der Tabaklobby im Parlament

Wasserfallen bedauert vor allem den Einfluss der Tabaklobby. «Diesen spürt man im Parlament auch massiv. Viele Parlamentarier sind direkt oder indirekt mit der Tabakindustrie verbunden.» Deshalb habe man es bisher verpasst, einen wirksamen Jugendschutz einzuführen.

Die Industrie setze nun im Hintergrund alle Hebel gegen das Tabakwerbeverbot in Bewegung, weil sie keine Einschränkungen wolle. «In diesem Sinne geben sie auch zu, diese Kanäle weiterhin nutzen zu wollen. Auch Jugendliche sollen erreicht werden», so Wasserfallen.

Was denken Sie über das Tabakwerbeverbot?

Über die Tabaksteuer flössen zwar 2 Milliarden Franken jährlich in die AHV, so Wasserfallen. Der gesamtwirtschaftliche Nutzen sei aber positiv, da die Gesundheitskosten sinken. Auch die Wirtschaft profitiere, da sich der Konsum in andere Freizeitbereiche verschiebe.

Die Gegenkampagne suggeriere, es handle sich um ein extremes Werbeverbot. De facto sei die Idee der Initiative, den freiwilligen Kodex der Industrie in einem Gesetz festzuhalten. Leider halte sich die Branche nicht daran und verletze den eigenen Kodex täglich. Es handle sich auch nur um eine Einschränkung der Werbung und nicht um ein Verbot.

«Der Vergleich mit der Cervelat ist absurd»

«Der Vergleich ist absurd», sagt Wasserfallen, auf das Cervelat-Plakat der Gegenseite angesprochen. «Ich habe den Eindruck, wenn man keine Argumente mehr hat, kommt man mit komischen Argumenten, die nichts zur Sache tun.»

Der Jugendschutz werde in der Bevölkerung breit unterstützt, weshalb die Nationalrätin hofft, bei der Initiative eine Mehrheit zu finden. Um jedoch ebenfalls das nötige Ständemehr zu erreichen, sei noch ein grosser Einsatz gefordert.

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