Stopfleber-Initiative: Deshalb gehen bei Romands die Emotionen hoch
Die Stopfleber-Initiative sorgt für massive Widerstände in der Westschweiz. Der Präsident der SVP Kanton Bern erklärt die Gründe.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die Romandie regt sich über die Stopfleber-Initiative auf.
- Der Bernjurassier Manfred Bühler, Präsident der SVP Kanton Bern, erklärt die Hintergründe.
- Er zieht Vergleiche zu «halal», Stierkampf, Schweizer Souveränität und dem Röstigraben.
«Moralische Fragen haben in der Politik nichts verloren», sagt der Nationalrat und Präsident der bernischen SVP, Manfred Bühler. Dabei geht es im Parlament für einmal nicht um Waffenexporte, Sozialhilfe oder Gleichstellungsfragen. Sondern Stopfleber, oder eleganter ausgedrückt: Foie gras.
Die als Delikatesse geltende, krankhaft vergrösserte Leber von Gänsen oder Enten sorgt im Nationalrat für grosse Emotionen. Die Stopfleber-Initiative will den Import von Stopfleber verbieten. Schliesslich gilt diese Mastform in der Schweiz als Tierquälerei und ist verboten.
Thema spaltet die Schweiz entlang der Sprachgrenze
Vor allem bei Nationalrätinnen und Nationalräten aus der Romandie sorgt dieses Ansinnen für Entrüstung: Man fühlt sich fast schon persönlich beleidigt, angegriffen und bevormundet von der Deutschschweizer Mehrheit.

Manfred Bühler ist derweil ideal geeignet, uns diese Gefühlsausbrüche zu erklären. Denn entgegen seinem Namen und seinem perfekten Deutsch ist Bühler ein Romand: Er stammt aus Cortébert im Berner Jura, wo er auch während zehn Jahren als Gemeindepräsident amtierte. Und er ist gegen die Stopfleber-Initiative.
Stopfleber: Eine Frage der Identität
Bei dieser gehe es um kulinarische Kultur. «Genau wenn es um Kultur und um Tierschutz geht, ist man sehr schnell bei moralischen Fragen», so Bühler. Und damit eben nicht dort, wo die Politik dreinreden sollte.
«Stopfleber ist ein Produkt aus Frankreich, wo natürlich die Romandie sehr nahe dran ist und diese Kultur auch teilt. Wenn es um Kultur geht, geht es auch um Identität.» Es sei wie mit dem Stierkampf in Südfrankreich und Spanien, den man aus Tierschutzgründen verbieten wolle: «Da sind natürlich die betroffenen Personen sehr schnell sehr emotional.»

Komme dazu: Wenn man Tierschutz-Argumente wirklich anführen wollte, müsse man dies auch konsequent tun. «Dann müsste man ‹halal›, ‹koscher› und so weiter auch verbieten. So weit will sicher niemand gehen.»
Souveränität und persönliche Freiheit
Aber macht es rein juristisch gesprochen Sinn, in der Schweiz etwas zu verbieten und dann aus dem Ausland zu importieren? Diese Frage geht nicht an Bühler, den Romand, sondern an Bühler, den Anwalt.
Das sei dann die persönliche Freiheit. «Wenn man in der Schweiz gewisse Prozesse für die Herstellung von Lebensmitteln nicht zulassen will, ist das die Souveränität der Schweiz. Wenn ein anderes Land dies zulässt, dann sollte man die persönliche Freiheit bei den Leuten lassen, dies auch zu importieren.»
Nichtsdestotrotz werden wohl auch in der Volksabstimmung die Emotionen, beziehungsweise die kulturelle Identität, ausschlaggebend sein. «Ich denke, es wird einen Röstigraben geben», prophezeit Manfred Bühler. «Aber das ist nicht weiter schlimm, schliesslich ist Rösti ein gutes Lebensmittel.» Zwar eines mit Deutschschweizer kultureller Identität, aber offenbar schmeckt es auch in der Romandie.












