Aline Trede

    Nationalrats-Abschied – Aline Trede: «Mehr umsetzen als reden»

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Nach über zehn Jahren im Nationalrat wird die Berner Grüne Aline Trede zur Regierungsrätin. Im Bilanz-Interview sagt sie, warum der Abschied schwer fällt.

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    Die Noch-Fraktionspräsidentin der Grünen im Bundeshaus, Aline Trede, war etwas melancholisch, doch jetzt ist es «ganz okay»: Sie wird von der National- zur Regierungsrätin. - Nau.ch/Matthias Bärlocher

    Das Wichtigste in Kürze

    • Aline Trede nimmt Abschied vom Nationalrat und wird im Juni Berner Justizdirektorin.
    • Sie zieht Bilanz: Was wird sie nicht vermissen, was schon, worauf ist sie besonders stolz?
    • Der Wechsel ins Exekutivamt werde «wie am ersten Tag eines Studiums» sein.

    Aline Trede hat einen der besten Plätze im Nationalratssaal: Mitte-Mitte, dort wo man den besten Blick aufs Panoramagemälde und natürlich auch das Rednerpult hat.

    Beziehungsweise hatte, denn die Fraktionspräsidentin der Grünen tritt aus dem Nationalrat zurück und amtiert ab Juni als Berner Regierungsrätin.

    Nationalratssaal Aline Trede
    Sitzplatz mit Aussicht: Aline Trede (rechts in weisser Jacke und dunklem Schal) im Nationalratssaal, am 16. Dezember 2025. - keystone

    Der BärnerBär hat sie am Mittwoch zum Interview getroffen, während der viertägigen Sondersession des Nationalrats – ihrer letzten.

    Leicht fällt ihr der Abschied nicht. Aber sie blickt auch mit Vorfreude auf den Job als Chefin der Direktion für Inneres und Justiz.

    Regierungsrätin Trede: «Mehr umsetzen als reden»

    «Am Montag war ich sehr melancholisch», gesteht die 42-Jährige. Von allen Abschied nehmen zu müssen, aber dann doch nicht können, weil der Ständerat gar nicht tagt. Das hole sie dann noch nach, verspricht sie. «Aber sonst ist es ganz okay», meint Trede tapfer.

    Bei gewissen Themen fällt das Loslassen schwer («da müsste ich doch noch»), andere Dinge werde sie nicht vermissen. Beispielsweise bei Voten, die sie als menschenverachtend empfindet, sei sie froh um das künftige Exekutivamt: «Es ist gut, kann ich jetzt in eine Regierung und mehr umsetzen als reden.»

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    Aline Trede wird ihre «coole Fraktion» vermissen, freut sich jetzt aber auf die für sie neuen Themen in der Justizdirektion. - Nau.ch/Matthias Bärlocher

    Ebenfalls nicht vermissen werde sie, wenn das «Ellbögeln» anfange, je näher die Wahlen rücken. So gesehen gehe sie gerade im richtigen Moment: «Ich habe meine Wahlen hinter mir und vier Jahre Ruhe.»

    Das Bundes- ist ein Bienenhaus

    Auch ganz grundsätzlich werde es in der Justizdirektion «sicher viel regelmässiger und anders sein». Denn eigentlich liebt Trede die Geschäftigkeit in den Parlamentssessionen: «Wenn es zugeht wie in einem Bienenhaus, alle sind am Weibeln, am Machen, am Tun: Das habe ich recht gerne.»

    Wie aufs Stichwort kommt in der Wandelhalle des Bundeshauses kurz Hektik auf: Zusammen mit Fraktionsgschpänli spurtet Trede an ihren Platz im Ratssaal, weil eine Abstimmung anstehe. Dies stellt sich dann aber als Fehlalarm heraus.

    Auch sonst blickt sie auf sehr viel Positives in den über zehn Jahren als Nationalrätin zurück. Ein Amt, das sie «wahnsinnig gerne» ausgeübt habe. Einerseits eine grosse Ehre, dann aber auch der Austausch mit den anderen Ratsmitgliedern, «auch von anderen Parteien», betont Trede.

    Stolz auf das Comeback

    Denn: «Ich habe Leute kennengelernt, die ich sonst nicht kennengelernt hätte. Das ist etwas, was ich sicher vermissen werde.»

    Rückblickend ein Einschnitt gewesen sei ihre verpasste Wiederwahl 2015, erzählt Trede. Gleichzeitig macht sie das seither erlebte aber auch stolz: «Danach wieder zu kommen, eine Rolle zu erhalten und auch Fraktionspräsidentin zu werden von dieser coolen Fraktion: Das ist etwas, was mir sehr viel Freude bereitet hat.»

    Aline Trede Bier
    Die neugewählte Regierungsrätin Aline Trede trinkt ein Bier und freut sich nach ihrer Wahl mit Sympathisanten der Grünen, am 29. März 2026, vor dem Rathaus in Bern. - keystone

    Jetzt aber werde alles neu, mit Themen, die sie bis jetzt politisch nicht bearbeitet habe, räumt die Neo-Regierungsrätin offen ein.

    «Das wird jetzt wie am ersten Tag eines Studiums oder einer Schule. Ich gehe da jetzt hin, knie mich voll rein und dann freue ich mich sehr: auf neue und andere Themen, ein neues Netzwerk, neue Leute.»

    Vor dem Neubeginn kommt jetzt aber noch der Abschied, mit Apéro, wie es sich gehört. Trede tröstet sich damit, dass man sich im Leben immer zweimal sehe – sie sei ja auch nicht weit weg. Und sie kündigt bereits jetzt an: «Ich werde sicher wieder einmal hier sein.»

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    Kommentare

    User #5030 (nicht angemeldet)

    Viel Glück Frau Trede;sie gehören zu den Wenigen die der rechten "Maffia" Contra geben können und für den Umwelt- und Klimaschutz kämpfen.

    User #5926 (nicht angemeldet)

    Mir fällt Frau Tredes Abschied aus dem Nationalrat gar nicht schwer, ich begrüsse ihn und danke herzlich. Jetzt kann der Kanton Bern sich mit ihr herumschlagen.

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