Nationalrat verlangt Schwellenwert für die Wolfspopulation
Wölfe sollen geschossen werden dürfen, sobald ihre Population eine im Voraus festgesetzte Zahl von Tieren erreicht. Der Nationalrat hat am Donnerstag einen entsprechenden Vorstoss angenommen.

Der Schwellenwert soll in Absprache mit den Kantonen festgelegt werden, wie Motionär Alex Farinelli (FDP/TI) sagte. Gemäss Motionstext sollen territoriale, umweltbedingte und sozioökonomische Besonderheiten der einzelnen Regionen berücksichtigt werden.
Grund für die geforderte Regulierung sei die in den vergangenen Jahren exponentiell angestiegene Wolfspopulation, sagte Farinelli. Von rund einem Dutzend Wölfe im Jahr 2010 sei die Anzahl Wölfe bis heute auf über 300 Tiere angewachsen. Dies habe für die Alpwirtschaft immer gravierendere Folgen und gefährde die traditionelle Weidewirtschaft.
Das heutige System, das eine einzelfallbasierte Abschussbewilligung vorsieht, erwies aus Sicht des Motionärs als «zu langsam, zu kompliziert und wirkungslos». Bei Wolfsangriffen müssten die Tierhalterinnen und Tierhalter oft wochen- oder monatelang auf eine Antwort der zuständigen Behörde warten.
Nun soll ein Paradigmenwechsel von einem reaktiven zu einem proaktiven Wolfsmanagement stattfinden. Wenn die Wolfspopulation in einer gegebenen Region einen festgelegten Schwellenwert übersteigt, sollen Einzelwölfe oder Rudel «zügig und unbürokratisch» geschossen werden dürfen.
Die Motion habe nicht zum Ziel, den Wolf in der Schweiz auszurotten, war in der schriftlichen Begründung des Vorstosses zu lesen. Gemäss dem Konzept Wolf Schweiz genügten jedoch zwölf Rudel für den Arterhalt.
Die grosse Kammer sagte mit 117 zu 74 Stimmen bei 2 Enthaltungen Ja zum Vorstoss – gegen den Willen von SP, Grünen und GLP. Das Geschäft geht nun an den Ständerat. Dieser hatte im März eine gleichlautende Motion angenommen.
Der Bundesrat hatte bereits in seiner befürwortenden Stellungnahme zu den Vorstössen signalisiert, dass er das Anliegen umsetzen will. Trotz bereits getroffener Massnahmen nehme der Wolfsbestand weiter zu, sagte Bundesrat Martin Pfister, der den rekonvaleszenten Umweltminister Albert Rösti vertrat.










