Grüne

    Meret Schneider (Grüne) will Videoüberwachung in Schlachthöfen

    Christoph Krummenacher
    Christoph Krummenacher

    Uster,

    Die Empörung war gross: In Schlachthöfen werden Tiere vor dem Töten ungenügend betäubt. Meret Schneider (Grüne) will nun schärfere Kontrollen.

    Schwein
    Ein Schwein in einem Schlachttransporter. Hier ist noch nicht klar, ob das Tier wirklich betäubt sein wird, wenn es in Kürze den Kehlenschnitt erhält. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Der Bund stellte fest: Die Selbstkontrolle der Schlachthöfe funktioniert unzureichend.
    • Er will Anpassungen angehen – Meret Schneider genügen die Versprechungen nicht.
    • Die Grünen-Nationalrätin fordert bessere Ausbildung und strengere Kontrollen.

    «Einige Vorschriften werden nicht genügend eingehalten». So steht es in der Analyse der Bundeseinheit für die Lebensmittelkette (BLK) im Auftrag des Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Die Untersuchung sollte einen Überblick über die Situation des Tierschutzes bei Schweizer Schlachtbetrieben geben.

    schneider
    Meret Schneider (l.) engagiert sich für das Tierwohl. Hier sammelt sie in Zürich Unterschriften für die Massentierhaltungsinitiative. Diese ist zustande gekommen und derzeit beim Bundesrat hängig. - Instagram/Sentience Politics

    Die dabei ans Licht gebrachten Mängel schlugen hohe Wellen. Die Betäubung ist teils mangelhaft, was bedeutet: Der tödliche Kehlenschnitt erfolgt bei Bewusstsein.

    Allerdings: Die Auswahl der Betriebe war nicht repräsentativ. Darauf weist auch Ruedi Hadorn hin, Direktor des Schweizer Fleisch-Fachverbands SFF. «Ich bin mir bewusst, dass es auch problematische Betriebe gibt.» Für Meret Schneider, grüne Nationalrätin, sind die Gesetzesverstösse allerdings inakzeptabel.

    Hadorn
    Ruedi Hadorn (v.l.) mit Vize-Präsident SFF Conis Junod, Johann Schneider-Ammann und Rolf Büttiker. - Keystone

    Meret Schneider (Grüne) fordert, was für Mike Egger (SVP) denkbar ist

    Die prominente Veganerin arbeitet deshalb einen Vorstoss für mehr unangemeldete Kontrollen. Auch für SVP-Nationalrat Mike Egger ist das «denkbar», wie er jüngst zu Nau.ch sagte.

    Egger
    Mike Egger, SVP-Nationalrat und Fleischfachmann, ist im Vorstand des Fleischfachverbands St. Gallen-Liechtenstein. - keystone

    Schneider fordert weiter gezielt Aus- und Weiterbildungen für das Personal in jenen Betrieben, bei denen es zu Verstössen kommt. Dem stimmt auch Hadorn vom SFF zu. Die Betriebe seien indes gesetzlich zur Selbstkontrolle verpflichtet, wozu der Verband Branchenhygiene-Leitlinien bereitstelle.

    Schlachtung
    Anzahl geschlachteter Nutztiere im Jahr 2017. Nicht in der Übersicht sind die 67'475'520 geschlachteten Geflügeltiere. Insgesamt wurden in einem Jahr über 71 Millionen Tiere getötet. - Nau/Swissveg

    Videoüberwachung in Schlachthöfen

    Hadorn: «Es liegt auch im Interesse des Schlachtbetriebs: Stress verringert die Fleischqualität, die Metzger bemühen sich auch deshalb besonders für eine tierschonende Betäubung vor dem Entbluten.»

    Auch das BLV will Massnahmen in Angriff nehmen. Die Verordnung zum Tierschutz beim Schlachten wurde angepasst.

    Schneider
    Meret Schneider, Nationalrätin Grüne und Initiantin der Massentierhaltungsinitiative. - Keystone

    Schneider will einen Schritt weiter gehen. «Drittens schlage ich vor, die Schlachtbetriebe mit Video zu überwachen. Das erleichtert den Kantonen die Überwachung über die Einhaltung der Gesetze.»

    In England, Deutschland oder den Niederlanden gibt es bereits ein entsprechendes Gesetz oder ist in Ausarbeitung. Migros- und Coop-Schlachthöfe hatten freiwillig eigene Video-Überwachungsversuche gestartet.

    Schweine Schlachthof BLV
    Auszug aus dem Bericht: «Die Mehrheit der ausgewählten Schlachtbetriebe mit geringer Kapazität und knapp die Hälfte der untersuchten Grossbetriebe weisen im Bereich Tierschutz Defizite auf. - Keystone

    Die Grünen-Nationalrätin erklärt: «Die Fehler sind so banal, dass klar ist, dass es einfach am Unwissen des Personals liegt: Es werden ungeeignete Betäubungsgeräte oder falsche Stromstärken verwendet.»

    Diese einfachen Verstösse würden aber zu gravierenden Gesetzesverstössen führen: «Das Tier wird wegen der falschen Betäubung lebendig geschlachtet – das will bestimmt niemand!»

    Kantone haben zu wenig Ressourcen für die Kontrolle

    Für die Durchsetzung sind die Kantons-Veterinäre zuständig. Doch: «Oft fehlt es den Kantonen am Willen und am Personal», sagt Schneider. In der Tat kritisierte auch das BLV, dass viele Kantone etwa zu wenig oder keine unangemeldeten Kontrollen durchführen.

    Was halten Sie von besseren Kontrollen in Schlachtbetrieben?
    Sschwein Schlachthof
    Auszug aus dem Bericht: «In manchen Schlachtbetrieben sind amtliche Tierärzte aus organisatorischen Gründen und wegen der oftmals knappen Ressourcen häufig nicht dauernd anwesend. - Keystone

    Kommentare

    Weiterlesen

    Schlachthof Vorschriften
    19 Interaktionen
    Vorschrift missachtet
    Schlachthof Vorschriften
    25 Interaktionen
    Massive Mängel
    schwein
    42 Interaktionen
    Nach Schlacht-Mängeln

    MEHR GRüNE

    8 Interaktionen
    Laura Gantenbein
    Julian Gerber
    5 Interaktionen
    Luzern
    14 Interaktionen
    Luzern
    Hans-Ulrich Bigler. - Nau.ch
    4'896 Interaktionen
    Bigler

    MEHR AUS OBERLAND

    Effretikon ZH
    Effretikon ZH
    Tuba-Spieler
    7 Interaktionen
    Uster ZH
    Tuba-Krise: Jetzt muss die Polizei liefern
    23 Interaktionen
    Greifensee
    Illnau-Effretikon ZH
    Illnau-Effretikon ZH