Das Komitee gegen die Initiative der Massentierhaltung hat ihre Abstimmungskampagne lanciert. Die Gegner sehen beim Tierwohl keinen Handlungsbedarf.
Mitte-Nationalrat Markus Ritter lehnt die Massentierhaltungsinitiative ab. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Volksinitiative will die Massentierhaltung verbieten.
  • Auch die Würde von Nutztieren soll in der Verfassung festgehalten werden.
  • Die Gegner der Initiative sehen beim Tierwohl keinen Handlungsbedarf.

Höhere Produktionskosten, mehr Einkaufstourismus und ein bereits hohes Niveau des Tierwohls: Das Komitee gegen die Massentierhaltungsinitiative hat am Montag dargelegt, weshalb es die Initiative unnötig findet.

Die Volksinitiative will die Massentierhaltung verbieten und die Würde der Tiere in der Landwirtschaft in die Verfassung aufnehmen. Für das Komitee ist es laut eigenen Angaben «absurd», ein privatwirtschaftliches Label in die Bundesverfassung aufzunehmen.

Oberster Bauer sieht bei Massentierhaltung kein Handlungsbedarf

Die Schweiz sei der Europäischen Union (EU) in Sachen Tierwohl «um Meilen voraus», sagte Nationalrat und Bauernverbandspräsident Markus Ritter. Bei der Haltung von Milchkühen und Rindern etwa gebe es in der EU keine Vorgaben.

Faktisch gebe es in der Schweiz eigentlich gar keine Massentierhaltung, sagt Ritter im Nau.ch-Interview: «Weil wir schon jetzt das strengste Tierhaltungsgesetz der Welt haben, sind die Tierbestände im internationalen Vergleich bei uns sehr klein.»

«Arena»
Am 25. September 2022 stimmt das Schweizer Stimmvolk über die Massentierhaltungsinitiative ab.
Massentierhaltung
Ein breit abgestütztes Nein-Komitee lieferte am Montag ihre Argumente.

Deshalb brauche es gemäss des obersten Bauers auch nicht eine weitere Verschärfung des Gesetzes. Falls es dennoch zu einem Ja kommen sollte, hätte das laut Ritter «grosse Auswirkungen auf den Lebensmittelhandel».

Die Folge:«20 bis 40 Prozent teurere Preise für Lebensmittel im tierischen Bereich», so der Mitte-Politiker.

Initiative will Bio-Produktion für alle

Die Anforderungen an die Tierhaltung sollen gemäss der Vorlage mindestens denjenigen der Bio-Suisse-Richtlinien von 2018 entsprechen. Die Initiative verlangt ausserdem Vorschriften für den Import von Tieren und tierischen Erzeugnissen.

Für Schweinehalterin Fabienne Wyder würde die Annahme der Initiative ihren Betrieb in Frage stellen. Die Bäuerin aus Büren an der Aare züchtet gemeinsam mit ihrem Mann Schweine auf einem Hof mit über 700 Tieren.

Fabienne Wyder ist Schweinehalterin aus Büren an der Aare. - Nau.ch

Unter Bio-Vorschriften zu arbeiten, wäre für Wyder nicht möglich: «Für eine Tierhaltung mit Freilauf bräuchten wir viel mehr Land, das wir nicht zur Verfügung haben.» Zudem sei es ohnehin fragwürdig, ob es den Tieren dann tatsächlich auch besser gehen würde, meint Wyder.

Das Parlament hat die Vorlage zur Ablehnung empfohlen. Das Schweizer Stimmvolk wird über die Initiative am 25. September abstimmen.

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