Junge EVP – Blattner tritt ab: Seit Coming-Out habe ich Hass erlebt
Nach Hass, Ablehnung und Drohbriefen aus dem eigenen Umfeld tritt Lea Blattner als Co-Präsidentin der Jungen EVP zurück.

Das Wichtigste in Kürze
- Lea Blattner zieht sich nach Anfeindungen und Drohungen aus Parteiämtern zurück.
- Besonders Reaktionen aus der Basis hätten die Co-Leiterin der Jungen EVP schwer belastet.
- Die EVP reagiert mit deutlichen Worten und kündigt Aufarbeitung an.
Die Co-Präsidentin der Jungen EVP Schweiz, Lea Blattner (33), tritt zurück.
Sie legt per April ihre Funktionen im Parteivorstand der EVP Schweiz und im Kantonalvorstand der EVP Baselland nieder.
Grund dafür sind Anfeindungen, Hass und Drohungen, die sie nach ihrem Coming-out erlebt habe.

«Seit meinem Coming-out habe ich innerhalb der EVP und ihrem Umfeld viel Liebe, aber auch wiederholt Ablehnung und Hass erlebt.» Das schreibt die lesbische Politikerin auf Instagram.
Brisant: Besonders belastend seien Reaktionen aus der Parteibasis gewesen. Nach Veranstaltungen habe sie gespürt, «dass man mich anders anschaut, vielleicht gar nicht mehr mit mir redet. Oder dass hintendurch getuschelt wurde.»
Blattner erhielt auch anonyme Drohbriefe
Die Situation habe sie «erschöpft und in Teilen gebrochen», schreibt Blattner weiter. «Ich bin es mir schuldig, mich zu schützen.»
Politisches Engagement brauche sichere Rahmenbedingungen. Sicherheit und psychische Gesundheit seien «nicht verhandelbar». Ihr Rücktritt sei deshalb «die Konsequenz aus Situationen, in denen Schutzmechanismen nicht ausreichend gegriffen haben».
Besonders schwer wiegen anonyme Drohbriefe. Im Mai erhielt Blattner einen ersten, vergangene Woche einen zweiten Brief. Darin seien neben Beleidigungen auch konkrete Gewaltdrohungen enthalten.
Laut Blattner legen die Inhalte nahe, «dass sie von Personen aus Parteinähe stammen». Gegen den Urheber oder die Urheberin des zweiten Briefes will sie Anzeige erstatten.
Die Werte der EVP trägt Blattner weiterhin
Trotz allem distanziert sich Blattner nicht von den Werten der EVP. «Diese Werte trage ich weiterhin.» Sie betont, sie habe in der Partei «viele offene, engagierte und zugewandte Menschen» erlebt.
Öffentlich mache sie ihren Rücktritt auch für jene, «die nach mir kommen». Queere Menschen würden auch künftig Teil der EVP sein.
So äussert sich die EVP
Die EVP Schweiz reagierte am Montag mit Bedauern. Die Parteileitung drückte Lea Blattner ihr «tiefes Mitgefühl für diese belastende Situation aus».
Als Partei, «die der Nächstenliebe verpflichtet ist, verurteilt die EVP jede Art von Hass und persönlichen Anfeindungen». Man werde die Situation aufarbeiten, um sicherzustellen, dass sich alle Mitglieder respektiert und sicher fühlen.
Sollte sich bestätigen, dass die Drohungen von einem EVP-Mitglied stammen, werde ein Ausschlussverfahren geprüft. Die Partei unterstütze Blattner zudem bei rechtlichen Schritten.
Hostetmann: «Das macht fassungslos»
Deutliche Worte kommen auch von links: «Das Outing von Blattner war extrem mutig, und die Reaktionen darauf machen fassungslos.» Das sagt Mirjam Hostetmann (26), Präsidentin der Juso Schweiz.
«Dass 2026 noch solche Zustände in einer Partei geduldet und unter den Tisch gekehrt werden, erschüttert zutiefst.»
Die Juso fordere die EVP Schweiz auf, «diese Vorfälle lückenlos aufzuarbeiten». Und: Die Queerfeindlichkeit in den eigenen Strukturen zu bekämpfen und entsprechende Konsequenzen zu ziehen.















