Schweizer Armee

    Finanzkontrolle kritisiert Einsatz der Armee und des Zivildienstes

    Elisa Jeanneret
    Elisa Jeanneret

    Bern,

    Während der Covid-Pandemie kamen die Armee, der Zivilschutz und Zivildienst wieder zu Grosseinsätzen. Die Finanzkontrolle hat diese evaluiert – und kritisiert.

    Schweizer Armee Coronavirus Einsätze
    Die Schweizer Armee half den Kantonen bei der Überwindung von Herausforderungen aufgrund der Covid-Pandemie. Zum Teil waren die Einsätze aber unkoordiniert, sagt die Eidgenössische Finanzkontrolle. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Während der Corona-Pandemie musste der Bund den Kantonen viel helfen.
    • Dabei kam es zu zahlreichen Einsätzen der Armee sowie des Zivildienstes und -schutzes.
    • Vieles sei strukturell bedingt falsch gelaufen, so das Fazit der Analyse dieser Einsätze.

    Die Corona-Pandemie führte zum grössten Aufgebot der Schweizer Armee seit dem Zweiten Weltkrieg. Aber auch der Zivildienst und Zivilschutz wurden in Massen den Kantonen zur Verfügung gestellt. Die Angehörige dieser Institutionen halfen beim Impfen, Pflegen von Kranken, Transportieren, Testen und Contact Tracing.

    Schweizer Armee Mundschutz Coronavirus
    Soldaten der Schweizer Armee mit Mundschutz bei der Fahnenabgabe nach dem Einsatz gegen das Coronavirus. - Keystone

    Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat die Einsätze der Armeeangehörigen, Zivildienstleistende und -schützer überprüft. Allem voran wurden die Koordination und sinnvolle Allokation von Ressourcen auf Bundesebene analysiert. Fazit: Ungenügend, insbesondere während der ersten Welle.

    Zivilschutz am meisten eingesetzt

    Die EFK hebt vor allem beim Einsatz des Zivilschutzes in den Kantonen Unterschiede hervor. So habe die Waadt den Zivilschutz etwa zehnmal häufiger als Bern eingesetzt, obwohl die Bevölkerungen gleich gross seien. Die EFK merkt jedoch an, dass der Westschweizer Kanton stärker von der Pandemie getroffen wurde.

    Zivilschutz Hotline Coronavirus
    Ein Angehöriger des Zivilschutzes während der Arbeit bei der Covid-19-Hotline in Breganzona TI, Februar 2020. - Keystone

    Teilweise hätten aber auch schwach betroffene Kantone, wie Schaffhausen, viele Einsatztage des Zivilschutzes. Andere stark betroffene hingegen, wie das Tessin, deutlich weniger. Im Durchschnitt aber hätten jene Kantone mit den meisten Fallzahlen am meisten den Zivildienst beansprucht.

    Finanzielle Fehlanreize für Kantone

    Kritik vonseiten der EFK gibt es auch, weil die Kantone die Unterstützung der Zivis oder Armeeangehörigen aus Kostengründen beantragt haben. Hier wird von «finanziellen Fehlanreizen» gesprochen; zum Teil wurden Dienstpflichtige als Ersatz für Personal in Kurzarbeit eingesetzt. Für die Kantone kamen so keine zusätzlichen Kosten hinzu.

    Zivilschutz Impfung
    Angehörige des Zivilschutzes während eines Einsatzes des mobilen Impfteams in Lausanne VD, 22. Januar 2021. - Keystone

    Hier bemängelt die EFK spezifisch, dass der Zivilschutz Aufgaben übernehmen musste, für die auch Private hätten angestellt werden können. Diese nennt die Finanzkontrolle «planbare Aufgaben», also zum Beispiel die Impfung der Bevölkerung. Das sei nicht angemessen, weil der Bund für die Finanzierung aufkäme.

    Hapernde Koordination zwischen Behörden

    Im Bereich der Koordination im Bund sei Vieles ungeklärt, schreibt die EFK zudem in ihrem Bericht. Die Probleme seien aber schon vor der Pandemie da gewesen. Konkret war die Delegation unübersichtlich, weil zu viele Akteure und Gremien involviert waren. Zudem mussten Gesuche für den Zivildienst und die Armee durch zwei unterschiedliche Wege gehen, was ineffizient gewesen sei.

    Amherd Zivilschutz Armee Coronavirus
    Bundesrätin Viola Amherd an einer Medienkonferenz zum Einsatz des Zivilschutzes während der zweiten Corona-Welle, Dezember 2021. - Keystone

    Als Beispiel nennt die EFK zwei Gesuche des Staatssekretariat für Migration für Bundesasylzentren: Eines für den Zivildienst, ein anderes für die Armee. Die für die Bewilligung der Armeeeinsätze zuständige Behörde habe nichts vom Einsatz der Zivildienstleistende gewusst; so musste die Armee ihre Einsätze früher abbrechen, als geplant war.

    Wurden Sie während der Corona-Pandemie aufgeboten?

    Insgesamt hat die EFK verschiedene Verbesserungsvorschläge für Bund und Kantone. Als zentral erachtet wird die Bestimmung von klaren Einsatzbedingungen, aber auch Grundsätze der Aufgabenteilung. Die zuständigen Gremien zeigen sich im Bericht mit diesen einverstanden.

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