FDP & SP reagieren auf Ja-Trend zur «10-Millionen-Schweiz»

    Matthias Bärlocher
    Matthias Bärlocher

    Bern,

    Die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» der SVP liegt im Plus. SP-Co-Chef Cédric Wermuth ist schockiert und fordert Engagement von FDP und Mitte.

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    SP-Co-Chef Cédric Wermuth ist schockiert über den Ja-Trend bei der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». - Nau.ch/Matthias Bärlocher

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ja-Trend zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» – sogar bei der FDP.
    • SP-Co-Chef Cédric Wermuth ist schockiert und nimmt FDP & Mitte in die Verantwortung.
    • Die FDP-Spitze ist nicht überrascht, aber es sei sicherlich ein Weckruf.

    Wie schon in vergangenen Umfragen schneidet die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» wiederum gut ab. In der aktuellen Umfrage von Tamedia/Leewas liegt sie leicht im Plus – und das liegt nicht nur an der SVP-Basis. Auch bei der FDP würde eine Mehrheit ein Ja in die Urne legen, bei der Mitte sind es 47 Prozent. «Dass es knapp wird, das haben wir gewusst», sagt SP-Co-Präsident Cédric Wermuth im Nau.ch-Interview.

    Seine Amtskollegin bei der FDP, Susanne Vincenz-Stauffacher, konstatiert ein Unwohlsein in der Bevölkerung: «Von dem her gesehen ist es nicht unbedingt eine Überraschung.» Aber beide sind sich einig: Es ist ein Weckruf.

    Wie stehst du zur SVP-Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz»?

    SPler Wermuth ist die Umfrage richtig eingefahren: «Ich bin schockiert darüber, wie ungenügend es uns bis jetzt gelingt, die Botschaft an die Leute zu bringen.» Diesbezüglich müsse man viel besser werden.

    Gründe für die Sympathien in der FDP

    Susanne Vincenz-Stauffacher sieht in ihrer Partei zwei Kategorien von Argumenten, die für eine Zustimmung zur SVP-Initiative sorgen. «Das eine ist die Sicherheit im Land, die dann verknüpft wird mit dem Asylwesen, wo man überhaupt nicht zufrieden ist.» Das spreche wohl insbesondere auch Frauen an, vermutet die FDP-Co-Chefin.

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    FDP-Co-Präsidentin Susanne Vincenz-Stauffacher nennt die Gründe für die hohe Zustimmung in ihrer Partei zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» – und was sie zu tun gedenkt. - Nau.ch

    Auch immer wieder höre sie die andere Kategorie, man müsse «ein Zeichen setzen». Jetzt gelte es aufzuzeigen, dass die Initiative für all dies keine Lösung biete: «Im besten Fall keine Lösung bietet, aber gerade bei der Sicherheit die Situation noch verschlimmert.»

    SP-Wermuth: «Mitte & FDP müssen Verantwortung übernehmen»

    Weniger ungemütlich ist die Lage für den SP-Co-Chef Wermuth: Nur gerade 16 Prozent seiner Wählerschaft folgt nicht dem Partei-Nein. Mit Mitte und FDP arbeite man zusammen, streicht er heraus: «Und ich erwarte schon auch, dass Mitte und FDP jetzt ihre Verantwortung übernehmen.»

    Chaos-Initiative Nein Pflegepersonal
    Die Gegner der Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» setzen unter anderem auf das Thema Gesundheitsberufe. - keystone

    Ziel sei, über die Folgen der Initiative zu reden. «Das will die SVP unbedingt verhindern, denn sie weiss, die wären dramatisch.» Denn die Initiative hätte sofort Wirkung, so Wermuth: «Es würde dazu führen, dass wir innert weniger Jahre die Personenfreizügigkeit kündigen müssten, mit dramatischen Folgen für das Schweizer Gesundheitssystem.»

    FDP & SP weiterhin optimistisch

    Susanne Vincenz-Stauffacher räumt ein, dass die Sichtbarkeit der FDP-Kampagne noch nicht überall da sei. Im Social-Media-Bereich schon, im öffentlichen Raum starte man jetzt.

    Keine 10-Millionen-Schweiz Digital-Kampagne
    Das Instagram-Profil der Kampagne für ein Ja zur Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz». - Screenshot Instagram

    Die Erfahrung von bisher neun kantonalen FDP-Delegiertenversammlungen stimmt sie indes zuversichtlich. Es verlaufe immer etwa nach demselben Muster: «Am Anfang hat man Sympathien für die Initiative und wenn man die Konsequenzen diskutiert, ist es immer ins Nein gekippt.»

    Oft sei das Nein sehr klar, im Kanton Uri etwa sogar zu Null. «Im ländlichen Kanton Uri», streicht Vincenz-Stauffacher heraus.

    Beide Lager haben ihre Kampagnen ungewöhnlich früh gestartet. Doch man werde durchziehen bis zum Schluss, sagt ein optimistischer – wenn auch schockierter – Cédric Wermuth: «14. Juni, 12:00, bis dann werden wir alles geben.»

    Kommentare

    User #2884 (nicht angemeldet)

    Ich bin sehr enttäuscht von den vielen Stimmbürgern/Innen die kein JA in die Urne legen. Sie kriechen den Angstmachern/Innen auf den Leim, nicht nachvollziehbar. Stoppt die grenzenlose Zuwanderung jetzt, morgen ist es zu spät.

    User #1864 (nicht angemeldet)

    „‚Das Boot ist voll‘ hörten bereits unsere Grosseltern. Und trotzdem ist die Schweiz nicht untergegangen. Die Schweiz war immer dann stark, wenn sie ruhig, kontrolliert und vernünftig gehandelt hat — nicht aus Angst heraus. Wer konservativ denkt, sollte vorsichtig sein mit radikalen Experimenten. Die 10-Millionen-Initiative klingt einfach, könnte aber massive Konflikte mit Europa auslösen und die Schweiz wirtschaftlich und politisch schwächen. Am Ende verliert die Schweiz Handlungsspielraum, Stabilität und Sicherheit. Eine starke Schweiz entsteht nicht durch Panik, sondern durch Kontrolle, Vernunft und Stabilität. Ein Nein bedeutet nicht offene Grenzen — sondern eine Schweiz, die selbstbewusst und pragmatisch handelt statt sich in einen riskanten Alleingang zu treiben.“

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