SVP

    Ernst Wandfluh (SVP BE): «Überzeugtes Nein zur Ernährungsinitiative»

    SVP-Nationalrat Ernst Wandfluh spricht sich gegen die Ernährungsinitiative aus. Aus seiner Sicht gefährdet sie eine vielfältige Schweizer Landwirtschaft.

    Ernst Wandfluh (SVP).
    Ernst Wandfluh (SVP). - zVg

    Wer in der Schweiz Landwirtschaft betreibt, weiss: Jeder Hof ist anders. Deshalb sage ich sicher nein, wenn wir am 27. September über die Ernährungsinitiative abstimmen.

    Auf den ersten Blick klingt die Initiative sympathisch. Mehr regionale Lebensmittel, mehr Nachhaltigkeit und eine stärkere Inlandproduktion – dagegen hat wohl niemand etwas einzuwenden.

    Doch am Schluss bringt sie genau das Gegenteil. Denn eine staatliche Vorgabe, vor allem pflanzlich zu essen und zu produzieren, ist kontraproduktiv.

    Ohne Kühe, kein Essen

    Unsere Flächen im Berggebiet sind Grasland. Dieses Land eignet sich weder für den Ackerbau noch für den Anbau von Gemüse oder Obst.

    Ernährungsinitiative
    Am 27. September stimmt die Schweiz über die Ernährungsinitiative ab. - keystone

    Es kann aber durch Wiederkäuer wie Kühe, Rinder und Schafe sinnvoll genutzt werden. Sie verwandeln Gras, das für den Menschen nicht essbar ist, in hochwertige Lebensmittel wie Milch und Fleisch.

    Gerade in den Bergregionen sind Nutztiere deshalb kein Hindernis für eine nachhaltige Ernährung, sondern ein wesentlicher Bestandteil davon. Wir leisten einen wichtigen Beitrag zur Versorgungssicherheit, zur Pflege unserer Kulturlandschaft und zum Erhalt der Berggebiete.

    Produktion und Konsum – Hand in Hand

    Klar, im Flachland ist es anders. Dort könnte man den Anbau von Kartoffeln und Co. ausbauen. Doch aus zwei Gründen ist das nur sehr beschränkt sinnvoll.

    Erstens gehören Tierhaltung und Pflanzenbau zusammen. Die Tiere liefern die wertvollen Nährstoffe, welche die Pflanzen fürs Wachstum brauchen.

    Zweitens isst die Bevölkerung nun mal tierische Produkte. Ohne extreme staatliche Eingriffe ins Angebot wird sich das auch nicht wegen einer Volksinitiative ändern.

    Wie stimmst du bei der Ernährungsinitiative ab?

    Am Schluss produziert die Schweizer Landwirtschaft das, was die Leute essen. Je mehr Menschen ihren Proteinbedarf pflanzlich decken, desto mehr Platz hat es auch für Linsen, Kichererbsen u.ä.m.

    Kriegswirtschaft ohne Not

    Zudem dürfen wir nicht vergessen, dass die Schweiz ein kleines Land mit einer dichten Besiedlung ist. Die verlangten 70 Prozent Selbstversorgungsgrad hatten wir zuletzt im Zweiten Weltkrieg mit Anbauschlacht und nicht mal der Hälfte Einwohnerinnen und Einwohnern.

    Meine Meinung: Eine ausgewogene Ernährung braucht Vielfalt und eine Landwirtschaft, die ihre natürlichen Standortvorteile nutzt. Im Berggebiet ist das vor allem die nachhaltige Nutzung von Grasland durch Wiederkäuer.

    Ernährungsinitiative
    Das Komitee hinter der Ernährungsinitiative möchte, dass die Schweiz weniger abhängig ist vom Ausland, was die Versorgung mit Lebensmitteln betrifft. - keystone

    Was unsere Landwirtschaft wirklich braucht, sind faire Produzentenpreise, weniger administrative Belastung und Konsumentinnen und Konsumenten, die bereit sind, Schweizer Qualität angemessen zu bezahlen.

    Unsere Landwirtschaft entwickelt sich bereits laufend weiter – mit mehr Tierwohl, nachhaltiger Produktion und innovativen Lösungen. Dafür braucht es keine Initiative, sondern nur entsprechendes Handeln. Darum meine Empfehlung: Nein zur Ernährungsinitiative.

    Zum Autor

    Ernst Wandfluh (*1976) ist SVP-Nationalrat und Präsident des Schweizerischen Alpwirtschaftlichen Verbands.

    Kommentare

    User #1646 (nicht angemeldet)

    Umfragen bisher halb / halb. Ein Riesenerfolg für Frau Herren umd eine Klatsche für BR und Parlament. Das ist Demokratie, wenn das Volk den Weg zeigt, wie bei der 13. AHV-Rente. Bravo!

    User #1646 (nicht angemeldet)

    Leset den Initiativtext. Niemandem soll etwas vorgeschrieben oder genommen werden. Die 3000 Gemüsebauern sollten etwas mehr Bundesgelder erhalten. Das ist alles. Dagegen kämpft der Bauerverband und die SVP?

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